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Rubihorn (1957m) und
Gaisalphorn (1953m)

Allgäuer Alpen, 26.05.2000

Vorgeschichte

Diesen Tag bzw. dieses Wochenende hatte ich den ersten Besuch von Kumpels und Freunden während meiner Praktikumszeit. Und dann auch gleich noch fast die gesamte Ilmenauer Rasselbande: Michael, Uli, Lars, Martin und Kalle. Bis auf Kalle, welcher zu seiner Bundzeit als Gebirgsjäger geschunden wurde, hatten wir alle keinerlei erwähnenswerte Erfahrung im Gebirge und ich war bis dato auch nur auf dem Grünten gewesen. Allerdings wenn die Jungs schon mal alle da sind und man ausserdem im schönen Allgäu ist, ja dann muss man auch rauf auf den Berg! ;-)
Also wurde erst am Vorabend (und teilweise noch am Tag selber) einfach die Karte aufgeschlagen und geschaut, was denn da interessant sein könnte, was cool klang und was wir vielleicht alle schaffen würden. Bergseen sollten ja immer ganz hübsch anzuschauen sein, ein Gipfel wäre auch nicht schlecht... und so kamen wir denn mehr aus Zufall auf das Rubihorn.

Überblick

  • Geparkt irgendwo zwischen Schöllang und Reichenbach bei Oberstdorf
  • Gaisalptal, Aufstieg zur Gaisalpe
  • Gaisalpsee (unterer)
  • über SO-Flanke zum Gipfel des Rubihorns
  • Übergang vom Gaisfusssattel zum Gaisalphorn
  • Abstieg Richtung Oberstdorf zur Vorderen Seealp (Mittelstation der Nebelhornbahn)
  • Oberstdorf
  • Rückweg zum Parkplatz

Bericht

Los ging es mit einer kurzen Autofahrt Richtung Fischen, danach hiess es suchen nach einem Parkplatz in der Nähe vom Gaisalptal. Wir kurvten eine Weile in der Gegend rum und liessen die Autos dann irgendwo zwischen Schöllang und Reichenbach bei Oberstdorf stehen. Ausgeschildert war von hier aus natürlich noch nichts, so liefen wir erst einmal einfach in Richtung des nächsten höheren Berges, nicht einmal richtig sicher, ob es denn auch unser Rubihorn ist. ;-) Mittlerweile war es ca. 10 Uhr.
In Reichenbach (867m) fanden wir aber dann den ersten Hinweis auf die Gaisalpe, und so ging es ab nun ausgeschildert Richtung Südost ins Gaisalptal.

Bis zur Gaisalpe teilte sich der Weg noch einmal. Wir blieben am Fluss, dem Gaisalp Bach, den man mehrere Male über verschiedene Brücken queren muss. Der Weg ist sehr schön, wir konnten ein paar schwarze Salamander sehen. Zum Schluss kommen noch einige Treppenstufen, das alles erinnert ein wenig an eine (breite) Klamm.

So ca. ab der Gaisalpe (1149m) hat man das erste Mal einen Blick zurück ins Tal und auf die beeindruckende Nordwand des Rubihorns (von der ich aber leider kein Bild habe). Der Weg wird nun zunehmend "bergiger", man verlässt nach und nach die Waldzone und muss auch noch öfters den Gaisalp Bach, welcher vom Gaisalpsee gespeist wird, queren. Diese Stellen sind fast alle durch Drahtseile gesichert, allerdings ist es oft auch glitschig. Unterwegs sahen wir auch noch eine Art Gemse, allerdings war die bis zum Herrichten des Fotoapparates schon verschwunden. ;-)
Auf dem Bild ist Kalle auf einem Brocken neben dem eigentlichem Weg zu sehen, im Hintergrund Fischen.

Aufstieg zum Gaisalpsee, Kalle posiert für die Kamera ;-)
Aufstieg zum Gaisalpsee, Kalle posiert für die Kamera ;-)
Rast am Gaisalpsee
Rast am Gaisalpsee

Wie bei Aufstiegen zu Bergseen wohl im allgemeinen üblich, machte es auch bei uns "plopp" und er lag auf einmal mit all seiner Schönheit vor uns: der Gaisalpsee. (1509m) Wir machten erstmal Pause und genossen "die Einsamkeit" hier oben. Das Wetter war zwar relativ gut, allerdings trafen wir so gut wie keine andere Leute diesen Tag, am See waren wir gänzlich alleine.

Dieses Bild zeigt die Ostseite des Rubihorns vom Gaisalpsee aus gesehen. Bisher hatten wir keinen Restschnee auf unserem Weg gehabt, allerdings sollte sich das nun ändern.

Blick vom Gaisalpsee hoch zum Rubihorn
Blick vom Gaisalpsee hoch zum Rubihorn

Den Gaisalpsee umgeht man linker Hand und der Weg führt einen weiter in einigen Kehren Richtung der Südost-Flanke des Rubihorns. Dort trafen wir auf etwas Restschnee, welcher zwar noch recht gut passierbar aber teilweise schon ziemlich zerweicht war.
Das änderte sich allerdings ein nach paar weiteren Kehren und Höhenmetern. Plötzlich tauchte vor uns ein riesiger Schneeklotz auf, der vorerst nicht danach aussah, als wenn wir ihn passieren könnten. Ein direktes überklettern war nicht möglich. Links umgehen machte sich auch schlecht, da hier ebenfalls noch Schnee lag und es sehr steil war. Und rechter Hand war der senkrechte Fels. So wollten wir fast schon wieder umkehren...

Michael am Schneefeld
Michael am Schneefeld

... allerdings wurmte uns das schon ziemlich, und so versuchte ich rechts ein wenig in einer Rinne am Fels nach oben zu klettern, um zu schauen, ob man diesen Klotz nicht auf diesem Wege umgehen könnte. Und tatsächlich sah ich schon nach vielleicht 2m bis 3m eine Art Durchgang. Es war fast wie ein Tunnel unter dem Schneefeld, da ganz am Fels der Schnee schon abgetaut war (von oben tröpfelte es ständig etwas). So reichten wir unsere Rucksäcke nach oben und schliesslich auch durch den Tunnel, denn da passten wir selber nur gerade so durch. Die kleine Klettereinlage würde vielleicht mit I bewertet werden, aber sie stellte ja nicht den regulären Weg dar. ;-) Ohne den Schneeklotz hätte diese Stelle auf jeden Fall keine Schwierigkeiten darstellt.

Von weiter oben konnten wir dann doch noch eine andere Gruppe Wanderer ausmachen. Zwei wollten wahrscheinlich diesen Schneeberg linker Hand im Schneefeld umgehen. Allerdings mussten sie bestimmt fast 50m absteigen, da es direkt neben dem Klotz wie schon gesagt einfach zu steil war. Von unserer Position sahen sie "ziemlich weit ab vom Schuss" aus und wir trafen sie später auch nicht am Gipfel oder anderswo... es muss wohl doch einige Zeit gedauert haben.

Hier sind wir dann schon wieder ein paar Meter weiter oben, und zwar im Geröllfeld kurz unterhalb der Einschartung am Grat zwischen Rubihorn und Gaisalphorn. Das letzte Stück ist noch mit ein paar Drahtseilen gesichert, da es dann doch noch ein wenig steiler wurde und eben viel Schotter umherlag, welcher einen leicht zum Ausrutschen hätte bringen können.
In der rechten Hälfte der Bildmitte erkennt man (zumindest in der Vergrösserung) gut die vielen Kehren nach dem etwas zerweichtem Schneefeld, der Weg verschwindet dann links hinter dem Felsvorsprung. Die weisse Schneezunge, welche von dieser Position nach rechts den Hang hinunterragt, stellt den Ausläufer des Schneeklotzes dar.

viele Kehren am Geröllfeld
Viele Kehren am Geröllfeld
Blick Richtung Oberstdorf
Blick Richtung Oberstdorf

Endlich an der Einschartung am Grat angekommen eröffnetete sich uns ein schöner Blick auf Oberstdorf und weiter in Richtung Südwesten in das Kleinwalsertal. Deutlich zu erkennen sind der markante Gipfel des Hohen Ifen und des Gottesackers, zu dieser Zeit noch schneebedeckt. Links im Bild würde es dann weiter ins Trettach-, Stillach- und Oytal gehen, rechts nach Norden nach Fischen und Sonthofen.
Bis zum Gipfel sind es von hier aus vielleicht noch 5 Minuten. Linker Hand dieses Weges geht es dann auch schön bergab, schwindelfrei sollte man also sein. Allerdings sind zur Hilfe wieder Drahtseile angebracht. Wir sahen dann auch wahrscheinlich weshalb: ein Kreuz eines Abgestürzten mahnte zur Achtsamkeit...

Tjo, und hier hatten wir es dann endlich geschafft, wir waren am Gipfel des Rubihorns (1957m) angekommen! Am eigentlichem Gipfel steht auch ein Gipfelkreuz, hier sind Kalle und ich (stehend) allerdings auf den "Südgipfel", welcher wirklich direkt nebenan ist. Im Hintergrund die Bergwelt des Allgäuer Hauptkamms, aber ich vermag nicht zu sagen, welche Berge man nun genau erkennt (bzw. erkennen sollte). Es war mittlerweile so ca. 12:30 / 13 Uhr.

Kalle und ich auf dem südlichen Gipfel des Rubihorns
Kalle und ich auf dem südlichen Gipfel des Rubihorns
Blick vom Gipfel hinunter zum Gaisalpsee
Blick vom Gipfel hinunter zum Gaisalpsee

Hier haben wir noch einen Blick hinunter zum Gaisalpsee. Die Aussicht war mindestens so beeindruckend wir in umgekehrter Richtung, schliesslich ging es hier rund 450m hinunter. ;-) Von diesem Punkt aus hinter dem See verläuft der Weg zum Oberen Gaisalpsee (1769m), ich schätze, dies wird der kleine Fleck auf dem Schneeplateau in der rechten Bildmitte sein. Von dort aus ginge es dann weiter über den Gaissfuss bis zum Nebelhorn.
Ganz im Hintergrund kann man wohl den Grossen Daumen (2280m) erkennen, allerdings bin ich mir da nicht so sicher.
Nach Norden hin hat man vom Rubihorn auch eine sehr schöne Aussicht, aber leider wurde es langsam aber sicher immer etwas diesiger und eine Wolke nach der anderen Zog "über" uns hinweg.

Vom Gipfel aus gingen wir nun wieder zurück zur Scharte. Da wir nicht unbedingt die Stelle mit dem Schneeblock noch einmal passieren wollten und es ausserdem auch einen Abstieg nach Oberstdorf über die Untere Seealp gibt, entschlossen wir uns diesen Weg zu gehen. Auf dem Gipfel hatten wir auch ein Ehepaar getroffen, welches über diesen Weg aufgestiegen war und nicht von Problemen mit Schneebergen mitten auf dem Weg berichten konnte. ;-)

Man bleibt also zunächst für relativ kurze Zeit auf dem sehr schönen und eigentlich auch unschwierigen Grat, bis es dann rechts hinab gehen würde. Allerdings sahen wir von dieser Position (wie sich später herausstellte) den Gipfel Gaisalphorns durch die Wolken ragen... Dies sah auch nicht besonders weit weg aus, als das man es einfach unbeachtet und vor allem unbestiegen lassen sollte. ;-) Uli und Martins hatten zwar keine Lust mehr, aber der Rest - Micha, Lars, Kalle und ich - wollten mal schauen wie weit wir kommen.

Vom Abzweig Richtung Gaisalphorn an wurde der Weg nun merklich ausgesetzter. Es gab immer öfter ein paar Stellen an denen es doch ganz anders "bergab" ging als bisher.
Auf dem Bild hängen wir gerade halb in einer Wolke drinnen. Im Hintergrund der Ostausläufer des Rubihorns, mit den Kehren vom Aufstieg und auch nochmal die Stelle mit dem Schneeblock. Da fällt mir gerade ein: auf dem Gipfel oder am Grat lag zumindest auf dem Weg keinerlei Schnee!

Lars, Michael und Kalle, im Hintergrund die Kehren vom Rubihornaufstieg
Lars, Michael und Kalle, im Hintergrund die Kehren vom Rubihornaufstieg
Blick auf den Grat zwischen Rubihorn und Gaisalphorn
Blick auf den Grat zwischen Rubihorn und Gaisalphorn

Nach vielleicht 5 bis 10 Minuten kam (zumindest für uns) die Schlüsselstelle, an welcher Michael auch lieber zurückblieb. Man musste nämlich ein Gratstück von vielleicht 2m bis 3m Länge queren, welches aber nur ca. 1m breit war und links wie rechts ging es mit Sicherheit 100m runter. Ausserdem bestand der "Weg" nicht aus einer Art Trampelpfad wie sonst auf dem Grat, sondern war blosses Gestein ohne Trittflächen. Auf allen vieren ging es hinüber.

Unmittelbar danach eine weitere Hürde: ein kurzes Kletterstück, welches aber durch ein (allerdings nicht ganz Vertrauen einflössendes) Seil entschärft wurde. Im AV-Führer wird eine Stelle des Überganges vom Gaisfusssattel zum Gaisalphorn mit II bezeichnet, wahrscheinlich wird es dieses gewesen sein. Auf dem Bild klettert Kalle gerade dieses Stück empor und Micha wartet noch vor dem schwierigierem Gratabschnitt. In dem roten Kreis schauen uns derweil Uli und Martin vom Abzweig aus zu und nach rechts aus dem Bildrand heraus geht der Grat weiter Richtung Rubihorn.

Jo, und last but not least mussten wir auch noch eine ca. 5m hohe Leiter erklimmen, unter welcher es auch ziemlich weit runter ging und man lieber nicht loslassen sollte. Allerdings ist meine persönliche Meinung, dass das Gratstück die "gefährlichste" Passage war. Am Kletterstück und an der Leiter hatte man jeweils Punkte an denen man sich ohne Probleme festhalten konnte (auch ohne Nutzung des Seiles). Würde man auf dem Grat aus irgendwelchen Gründen das Gleichgewicht verlieren (zum Beispiel bei Glätte oder ähnlichem) sähe es etwas anders aus.
Die nächsten beiden Bilder zeigen uns dann schliesslich auf dem Gipfel des Gaisalphorns. Bei Lars und Kalle kann man im Hintergrund nochmals das Rubihorn erkennen, rechts neben mir ist das Nebelhorn mit der Gipfelstation zu sehen.

Kalle und Lars auf dem Gipfel des Gaisalphorns
Kalle und Lars auf dem Gipfel des Gaisalphorns
Meinereiner, im Hintergrund das Nebelhorn
Meinereiner, im Hintergrund das Nebelhorn

Dieses Bild zeigt noch einmal die kurze Kletterstelle, diesmal aber beim Abstieg. Zwischen Lars seinen Beinen kann man ein klein wenig das Seil erkennen, welches einem helfen sollte. Und oben links das Metallteil ist die Leiter. Mittlerweile zog es sich langsam aber sicher immer mehr zu und da für den späten Nachmittag Regen angesagt war, wollten wir uns langsam gen Tal aufmachen.

Abstieg vom Gaisalphorn
Abstieg vom Gaisalphorn

Wieder am Abzweig angekommen stiegen wir nach Südwesten Richtung Vordere Seealp ab. Der Weg hat im oberen Teil viele Kehren und verläuft im unteren durch Waldstücke. Er ist im grossen und ganzen ohne Schwierigkeiten zu begehen und wir benötigten für die ca. 700 Höhenmeter ungefähr etwas mehr als eine Stunde. An der Seealp wurde erneut gerastet und wir genemigten uns ein kühles Bierchen... von hier aus war es danach auch nicht mehr weit bis Oberstdorf, man kommt genau an den Ski-Schanzen in den Ort hinein.

Rückweg nach Reichenbach, Blick Richtung Allgäuer Hauptkamm
Rückweg nach Reichenbach, Blick Richtung Allgäuer Hauptkamm

Komischerweise klarte es nun im Tal langsam wieder auf und es wurde ein richtig angenehmer Frührlingsnachmittag, auch wenn das Bild dies nicht unbedingt erahnen lässt. Der Weg zurück zum Auto Richtung Reichenbach zog sich mit knapp 6km nochmal ein wenig in die Länge, aber wir passierten die komplette sehr eindrucksvolle Westseite des Rubihorns. Das Foto blickt noch einmal zurück Richtung Oberstdorf und Allgäuer Hauptkamm, in der Mitte scheint ein wenig die Mädelegabelgruppe durch.
Gegen 15:30 / 16:00 Uhr waren wir wieder am Ausgangpunkt angelangt.

Fazit

Auf jeden Fall ein lohnender Tagesausflug! Ohne unseren Schneeklotz (der aber im Normalfall wahrscheinlich nicht von Dauer sein sollte, wir waren schliesslich ja im Mai dort) stellt das Rubihorn jedenfalls für jeden etwas schwindelfreien und trittsicheren Menschen eigentlich keine grösseren Probleme dar. Die Aussicht ist sehr toll und die Strecke an sich mit dem Gaisalpsee auch recht abwechselnd.
Mit dem Übergang zum Gaisalphorn kann man der ganzen Sache auch noch etwas "pepp" verpassen, allerdings sollte man sich seiner Sache dann auch sicher sein!

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