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Nagelfluhkette - Maximiliansweg

Allgäuer Alpen, 09-11.06.2000

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Vorgeschichte

Zwei, drei Wochen vor dieser Unternehmung war ich bereits mit meinen irischen Kumpels Canice und David, welche auch gerade ihr Praktikum bei Bosch absolvierten, und Kqu (?), der ein Auslandssemester an der FH-Kempten einschob, sonst in Frankreich lebt aber original aus dem Kongo stammt, auf dem Mittagberg. Der ist sozusagen ein Immenstädter Hausberg. Dabei dachten wir uns so, dass es richtig prima sein müsste bei einer Tour abends "hoch oben" in den Bergen übernachten zu können, am Feuer zu hocken und den Sternenhimmel zu bewundern. Aus dieser Überlegung heraus ist diese meine erste mehrtägige Tour entstanden. Wir brachen allerdings ohne Kqu, daför aber mit Joshua, auch einem Praktikanten bei Bosch (stammt us Charlston/USA), recht stressig an einem Freitag nach der Arbeit auf. Nachdem ich mir beim Werksarzt noch schnell einen Nerv ausrenken lies, Isomatten für Canice und David und ein Hilfszelt im Kempten gekauft, alles nötige an Verpflegung in Immenstadt besorgt und ein Parkplatz gefunden wurde konnte es endlich gegen 19:30 Uhr los gehen.

Überblick

  • 09.06.2000
  • Parkplatz Mittagbahn in Immenstadt
  • Mittagberg - Bärenkopf
  • Übernachtung im Zelt
  • 10.06.2000
  • Steineberg - Stuiben - Buralpkopf - Rindalphorn - Hochgrat
  • Übernachtung im Staufner Haus
  • 11.06.2000
  • Abtieg zum Parkplatz der Hochgratbahn
  • Oberstaufen Bahnhof (zu Fuss)
  • mit dem Zug zurück nach Immenstadt

1. Tag

Schon bei unserem ersten Besuch auf dem Mittag klappte es nicht so recht mit dem richtigen Weg. Auch diesmal entschlossen wir uns komischerweise für die falsche Richtung und "mussten" dementsprechend irgendwann querfeldein durch den Wald laufen, um nicht zu viel Umweg zu gehen. Dies war teilweise aber ziemlich heftig (einfach nur steil und unwegig und Gestrüpp), so dass ich mittlerweile sagen kann: vom Parkplatz aus wohl lieber rechts statt links gehen. ;-)
Wir fanden dennoch nach einer Weile den richtigten (Fahr)weg unterhalb der Mittagbahn und wurden auch noch von einem Jogger (!) überholt. Gut, bei diesem Weg gibt es keinerlei Schwierigkeiten, dass hat soweit eigentlich noch nix mit "Bergen" zu tun, aber es frustriert in diesem Augenblick schon sehr, zudem wir wirklich alle recht schwere Rucksäcke hatten.

Nach rund 1 bis 1,5 Stunden waren wir dann aber auf dem Mittagberg (1451m) und schliesslich noch die paar Meter weiter bis zum Bärenkopf (1433m) in dessen unmittelbarer Nähe wir unser Lager für die Nacht aufschlagen wollten. Wir schafften es auch noch gerade so im halbdunkel unsere zwei Zelte aufzubauen, Holz für das Feuer mussten wir schon im Dunkeln suchen. Nach etwas Dosenravioli ging es dann aber schon in den Schlafsack, schliesslich hatten wir am nächsten Tag ein bissel was vor.

Lagerfeuerromantik ;-), Von Links: Canice, David, Josh
Lagerfeuerromantik ;-), Von Links: Canice, David, Josh

2. Tag

Morgens: David vor unserem Zelt
Morgens: David vor unserem Zelt

Der nächste Morgen war wie erwartet natürlich traumhaft! Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man in einer Hütte übernachtet und dann nach dem Aufstehen sofort im Fenster die Berge im Morgenlicht sieht, aber das Zelt zu öffnen und dann "allein dort oben" auf den nächsten Gipfel zu schauen, dass ist schon noch irgendwie etwas anderes.

Nach dem Packen und Aufräumen ging es gegen 8 Uhr los zum ersten Gipfel an diesem Tage, den Steineberg. Zunächst hat man aufgrund der Höhe erstmal noch jede Menge Bäume um sich, so dass alles mehr an einen Waldwanderweg erinnert. Einzig allein die verschiedenen "Löcher" mit den Ausblicken auf die Allgäuer Bergwelt verraten den wirklichen Aufenthaltsort.
Vor dem Steineberg darf man sich zunächst nicht wundern, wenn man rechts ca. 300m bis 400m am Gipfel vorbeigeführt wird. Erst zum Schluss gibt es einen kleinen Linksknick mit dem Weg hinauf auf das Gipfelplateau. Von hier aus kann man entweder die paar Meter zurück zum eigentlichen Gipfelkreuz oder weiter dem Maximiliansweg folgen. (Laut Karte gibt es wohl auch einen direkten Weg zum Gipfel, wird sind ihn aber nicht gegangen.)

Auf dem Weg zum Steineberg
Auf dem Weg zum Steineberg
Gipfel Steineberg
Gipfel Steineberg

Wir entschieden uns natürlich für ersteres und gingen zurück, um die Aussicht zu geniessen und mit ein paar Cornys für ein kleine Stärkung zu sorgen. Links auf dem Bild kann man noch die paar Meter Weg "zurück" zum Gipfelkreuz des Steineberges (1660m) sehen.

Es war an diesem Tag bis zum Nachmittag zwar recht warm gewesen, allerdings auch ein wenig diesig. Das liegt hier jetzt nur am schlechten Scan. ;) In der rechten Bildhälfte kann man den Hohen Ifen und den Gottesacker erkennen. Die rechte Erhebung in der linken Bildhälfte ist der Widderstein im Kleinwalsertal. Und ganz links, nun, da muss ich jetzt passen.

Panorma Steinberg, Richtung Südost
Panorma Steinberg, Richtung Südost

Nach der Rast ging es dann weiter in Richtung Stuiben immer am Grat entlang, allerdings kann man das als normalen, sehr schönen Wanderweg ohne Schwierigkeiten bezeichnen - wir begegneten einigen Wanderern.

Morgentoilette ;-)
Morgentoilette ;-)

Tja, dieser kleine Tümpel musste dann ganz einfach genutzt werden, als die Sonne mit der Zeit stärker wurde und man unter der Rucksacklast richtig anfing zu triefen. Canice konnte sich nicht überwinden, aber für David und mich war es wirklich einfach nur wunderbar erfrischend!
Und irgendwie... ich weiss auch... irgendwie eine typische irische Geste?! ;-)

Bis zum Stuiben (1749m) war es dann nicht mehr weit und es wurde erstmal Mittag gemacht (ca. 13:00 Uhr). Die Sonne brutzelte mittlerweile ganz schön heftig und dies wirkte sich auch ein wenig auf unser Essen aus. Weil wir uns bisher gut Zeit gelassen hatten, trafen nun auch die ersten Wanderer ein, welche wohl diesen Morgen am Fusse des Mittagberges gestartet waren. Unter anderem auch ein grosse Gruppe, die dann letzten Endes auch im Staufner Haus nächtigen sollte.

Mittag auf dem Stuiben
Mittag auf dem Stuiben
Panorma Stuiben, Richtung Osten
Panorma Stuiben, Richtung Osten

Hier kann man ein wenig unseren weiteren Weg erkennen: zunächst gleich nebenan zum Sedererstuiben (da wo der Weg ist), dann wie bei einer Skischaukel runter, rauf Richtung Buralpkopf, runter zur Gündelescharte, rauf zum Rindalphorn, runter zur Brunnenauscharte und wieder rauf zum Hochgrat. Jeweils waren das immer ca. zwischen 100 und 200 Höhenmeter zwischen Scharte und Gipfel und das sollte uns dann noch recht zuschaffen machen.
Übrigens: unter dem Pfeil, dass ist der Hochgrat.

Für mich war es dann hoch zum Rindalphorn am grausamsten: immer noch Sonne, der Weg war eine Art "Treppe" mit sehr hohen Stufen und die Kräfte liessen langsam aber sicher nach. Zwischenzeitlich konnten wir immer nur um die zehn Schritte gehen, dann mussten wir uns ausruhen. Nur Josh spurtete förmlich voran.
Allerdings muss gesagt werden, dass der Weg ansich keine nennenswerten Schwierigkeiten hat. Die Probleme lagen ganz einfach an unserer nicht vorhandenen Kondition.

Letzten Endes überwunden wir aber auch diese Hürde und liessen es uns nicht nehmen noch die paar Meter zum eigentlichen Gipfel des Rindalphorns zurückzulegen. Das Bild ist nicht besonders gut, aber man kann etwas den von uns begangenen Weg sehen. Die Helligkeit täuscht hier allerdings, denn langsam verdunkelte sich der Himmel zusehens, es roch nach Regen und es war mittlerweile ungefähr 16:00 Uhr.

Auf dem Rindalphorn, Blick Nordosten
Auf dem Rindalphorn, Blick Nordosten

An der Brunnenauscharte "trafen" wir dann noch ein asiatisches Ehepaar mit Turnschuhen, welche aus Richtung Hochgrat kommend noch bis zum Mittag wollten. Nunja. ;-)

Auf jeden Fall verschlechtere sicher das Wetter immer schneller und wir bekamen ein paar Bedenken, ob wir denn noch trocken am Staufner Haus ankommen würden. Vor allem war somit auch die Frage, ob wir überhaupt in der Hütte nächtigen oder nochmal im Zelt schlafen beantwortet. Während des Aufstieges zum Hochgrat fing es dann nämlich leicht zu regnen an und - was uns mehr beschäftigte - es begann hier und dort zu donnern. Ein Teil der grossen Gruppe vom Stuiben hatte uns bis hierhin auch eingeholt und alle liefen immer schneller und schneller. Alle noch vorhandenen Kräfte wurden mobilisiert und jede Erschöpfung schien neben dieser Naturgewalt wie weggeblasen. So kam es, dass ein jeder am Gipfel des Hochgrates vorbei eilte und keiner auch nur einen längeren Blick nach links oder rechts wagte.

Gott sei Dank blieb es bei leichtem Regen und Donner, so dass wir kurz an der Gipfelstation der Hochgratbahn abwarteten und relativ schnell dann die restlichen Meter zum Staufner Haus im Trockenen zurücklegen konnten.

Der Abend im Staufner Haus (meine erste Übernachtung in so einem "Ambiente") verlief sehr lustig. Wir hatten gutes Essen, ein paar Bier, spielten Karten und unterhielten uns mit zwei paar älteren Herren an unserem Tisch. Diese waren beide über 60 Jahre alt und gingen schon seit Jahrzehnten immer zusammen wandern. Sie hatten eine Karte bei sich, auf dessen Rückseite sie Stempel von den Hütten "sammelten", auf welchen sie schon übernachtet hatten. Da war aber fast kein Platz mehr! Und was für mich am beeindruckensten war: einer von beiden hatte seit ein paar Jahren ein ziemliches Handicap: ein Loch im Kehlkopf... und trotzdem stellte dies für ihn kein Hinderniss dar! Am nächsten Morgen hatten beide genauso grosse und schwere Rucksäcke wie wir auf.
Canice und David waren übrigens die ersten Iren im Staufner Haus! Die Wirtsleute hatten die Hütte wohl vor noch nicht allzulanger Zeit übernommen und wollten fortan von jedem nicht-deutschen/österreichischen -Besucher einen kleinen Geldschein an eine Wand heften (1 Dollar usw). Allerdings hatten Canice und David keine Geldscheine aus ihrer Heimat mit...

3. Tag

Staufner Haus
Staufner Haus

Die Nacht war zwar recht angenehm, auch im nachhinein verglichen mit den Nächten auf anderen Hütten, aber wir waren alle immer noch recht geschafft. So entschlossen wir uns dann doch nicht über den (oder die?!) Vorderen Prodel zurück nach Immenstadt zu gehen, sondern wir wollten nach Oberstaufen ins dortige Spassbad und dann weiter per Zug. Selbst die paar Meter auf den Hochgrat wollten wir nicht mehr zurück gehen.

So ging es zuerst einmal bergab bis zur Talstation der Hochgratbahn. Der Weg ist gelinde ausgedrückt mehr als langweilig. Man geht fast nur auf einer Fahrstrasse und im unteren Teil ist diese sogar asphaltiert. Der Tag ansich war allerdings wieder recht sonnig und so begegneten wir vielen Leuten die diesen Sonntag wohl den Hochgrat eingeplant hatten.

An der Talstation wollten wir erstmal nicht auf den Bus nach Oberstaufen warten und gingen sofort der Strasse nach. Bis zur nächsten Haltestelle überholte uns der Bus natürlich, so dass es an dieser auch nicht lohnte zu warten. Es kam wie es kam muss: schliesslich liefen wir komplett bis nach Oberstaufen. ;-) Nach einem angenehmen Aufenthalt in diesem Spassbad in Oberstaufen (ich komme jetzt nicht auf den Namen) ging es dann mit dem Zug zurück nach Immensatdt.

Fazit

Für mich meine erste mehrtägige Bergtour und sie machte Lust auf mehr! Die Übernachtung im Freien war wunderschön und ich kann eigentlich jedem nur empfehlen dies bei entsprechenden Bedingungen auch einmal zu tun. Aufräumen usw versteht sich natürlich von selbst...
Die Tour an sich war verglichen mit den späteren auch sehr schön, aber durch das ständige auf und auch recht anstrengend. Allerdings waren wir ziemlich überbeladen mit Zelt, Kocher, Dosenessen und viel zu viel zu trinken (zeitweise 3 bis 4 Liter pro Person) - wir wollten halt lieber erstmal auf Nummer sicher gehen. Der Grossteil der Strecke verlief halt mehr oder weniger auf sehr breiten "Graten", allerdings alles ohne Schwierigkeiten. Man hat durch die verschiedenen Gipfel immer wieder Ziele für die nächste Rast und schöne Ausblicke auf die Allgäuer Bergwelt. Als "richtig alpin" kann man diese Tour allerdings nicht bezeichnen, der höchste Punkt war der Hochgrat mit 1832m. Dennoch: von einem Gewitter sollte man auch dort besser nicht überrascht werden. ;-)

Sonstige Informationen

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