· über gaehnchen.de ·
· Tourenliste · Gipfelliste · Hüttenliste ·
· Links · Gästebuch · Sitemap ·

Großer Krottenkopf, Mädelegabel und Heilbronner Weg

Allgäuer Alpen, 14-16.08.2000

Tag 2

Heilbronner Weg (Übersicht)
<< Tag 1  Tag 3 >>

Nach einer recht angenehmen Nacht starteten wir am nächsten Morgen ungefähr zwischen 7:00 und 8:00 Uhr. Unser erstes Ziel war der Grosse Krottenkopf. Dazu ging es wie am Vortag erst einmal hinauf zum Oberen Mädelejoch, danach aber wieder gut runter. Man hat von hier aus den Krottenkopf ständig vor sich liegen bis man schliesslich quasi vor ihm rechts abbiegt und sich der Weg in mehreren Serpentinen zur Krottenkopf Scharte hinaufschlängelt. Zwischenzeitlich kamen wir beide etwas vom Weg ab und gerieten somit in eine kleine Kletterei - beim Abstieg achteten wir somit mehr auf die Markierungen, sie waren teilweise etwas schwierig zu sehen.

Rast an der Krottenkopf Scharte
Rast an der Krottenkopf Scharte

An der Krottenkopf Scharte wurde dann erstmal ausgiebig gefrühstückt. Der Blick gen Osten (zu den Lechtalern ???) war bisher ja nicht möglich gewesen und so konnten wir nebenbei auch ganz neue Aussichten geniessen. Die Rucksäcke liessen wir für die letzten ca. 30 Minuten (laut AV-Führer 45 Minuten) bis zum Gipfel an der Scharte zurück.

Nach einem kurzem Geröllanstieg folgen Stufen und Bänder, welche allerdings teilweise auch überschottert sind und somit zur Obacht gebieten. Ansonsten aber nichts gross spektakuläres, ausser dass sich der Weg dann doch selbst für diese kurze Distanz etwas in die Länge gezogen hat. ;-)

Die letzten Meter zum Gipfel
Die letzten Meter zum Gipfel

Somit erreichten wir ungefähr gegen 10 Uhr mit 2657m den höhsten Gipfel der Allgäuer Alpen, den Grossen Krottenkopf.

Panorama auf dem Grossen Krottenkopf: Richtung Heilbronner Weg
Panorama auf dem Grossen Krottenkopf: Richtung Heilbronner Weg

Die Aussicht war überwältigend! Besonders in Richtung unseres weiteren Wegzieles... Zu dieser Zeit hatte ich wirklich Zweifel, ob wir heute noch bis zum Heilbronner Weg und schliesslich zum Waltenberger Haus gelangen würden! Der Großteil der Berge lag nun zwar "unter uns", aber diese Weite und die "Masse" flösste zumindest mir einen ziemlichen Respekt ein.

Auch das Teleobjektiv änderte nichts daran, eher im Gegenteil! ;-) Man kann gut das Schneefeld vor der Hochfrott Spitze erkennen und im unteren Bildabschnitt den Teil des Heilbronner Weges, welcher dazu hin führt.

Hochfrott Spitze, Mädelegabel und Trettach Spitze
Hochfrott Spitze, Mädelegabel und Trettach Spitze
Panorama auf dem Grossen Krottenkopf: Richtung Nordwesten zum Hochvogel
Panorama auf dem Grossen Krottenkopf:
Richtung Nordwesten zum Hochvogel

Hierzu braucht man eigentlich nicht mehr viel schreiben: der Hochvogel in seiner ganzen Pracht. Deutlich überragt er alle anderen Gipfel im Umkreis um mindestens 200m.
Links von ihm die "Wilden": Kleine Wilder, Großer Wilder und Vorderer Wilder.

Tja, und ein besonders obligatorisches Gipfelfoto darf an dieser Stelle natürlich auch nicht fehlen. Zu dieser Zeit waren neben uns vielleicht noch 5 bis 7 weitere Wanderer auf dem Gipfel. Während des Abstieges kamen uns etwas mehr Leute entgegen, so dass wir anscheinend noch genau die Kurve gekratzt hatten... ;-)

Das obligatorische Gipfelfoto
Das obligatorische Gipfelfoto
Abstieg Grottenkopf, Blick zurück
Abstieg Grottenkopf, Blick zurück

Der Abstieg gestaltete sich nun relativ unspektaklär, da wir den Weg im oberen Teil ja nun schon kannten und ihn auch nicht noch einmal verfehlten.

Weit unter der Krottenkopf Scharte hielten wir uns nun "an der großen Kreuzung" zunächst geradeaus Richtung des Abstieges nach Holzgau durch das Höhenbachtal - also nicht wieder rechts nach Norden hinauf zum Oberen Mädele Joch und auch nicht links nach Süden zur Rothorn- bzw. Jöchlespitze). Man folgt also dem Roßgümpen Bach, den Kratzter immer etwas im Blick.
Gut 500m bis 1km später hielten wir uns dann rechts/nördlich, um hinauf zum Mädelejoch (1973m) zu gelangen.

Der Kratzer
Der Kratzer

Mittlerweile war es Mittag und die Sonne brannte. Ich erinnere mich zwar noch, wie wir aufwärts zum Mädelejoch noch ein älteres Ehepaar überholten, aber langsam merkte ich die Strecke. Und da mein Fotoknips normal immer im Rucksack ist und zum fotografieren erst alles ausgepackt werden müßte und genau das ja mit relativ Aufwand verbunden ist... nunja, so hatte ich langsam aber sicher immer weniger Fotos über den Weg verteilt, was sich auch in der restlichen Zeit nicht änderte.
Hat man aber erst das Mädelejoch passiert und danach die Süd/Südwestseite des Kratzters erreicht, liegt vor einem der erste Teil des Heilbronner Weges. Dieser ist aber noch ein sehr angenehmer Höhenweg und war für uns zum ausspannen und pausieren genau richtig. Der Boden hatte später sogar richtig Erde und keine Felsen. Uns kamen nun auch schon die erste Wanderer entgegen, welche diesen Morgen wohl vom Waltenberger Haus oder von der Rappenseehütte aus aufgebrochen waren.

Mädelegabel und Trettach Spitze
Mädelegabel und Trettach Spitze

Ich nehme mal an, dass wir bei diesem Bild etwa in Höhe des Kratzer Jochs waren, allerdings bin ich mir nicht sicher. An dieser Stelle war aber das Ende des "seichten" Gehens nahe! Die Entferung zu Mädelegabel und Trettach Spitze wurde immer geringer, wir querten eine kleine Senke und dann ging es nach ein paar Kehren wieder über Fels bergan - bis wir schließlich Schnee vorfanden und die erste (einfache) drahtseilversicherte Stelle erreicheten. Ein große Gruppe Wanderer kam uns hier entgegen und es war mittlerweile zwischen 14 und 15 Uhr.

Kurz hinter diesem Punkt machte der Weg einen regelrechten "rechtsknick" und wir bewegten uns nordwestlich auf die Mädelegabel hin zu. Bei einem kurzem Anstieg im Schnee kam mir ein relativ entkräftet scheinender Typ (etwa so alt wie ich) entgegen und fragte sehr matt und freundlich, ob ich noch Wasser dabei hätte und er etwas davon bekommen könne. Gott war er froh als ich dies bejate aber meinte, dass nur ein paar Meter weiter um die Ecke eine Art Quelle - Wasser topfte da einfach aus dem Berg - war. ;-) Ich bin zwar bisher noch nie in so eine Lage gekommen, da ich meist zu viel mitschleppte, aber holla... schön war es für ihn bestimmt nicht und bis zur Kemptner Hütte war es ja schon noch ein ganzes Stück...

Auch wenn es sich langsam aber sicher etwas zuzog, das Wetter war noch gut und so beschlossen wir die Mädelegabel noch mitzunehmen. Vor uns kamen außerdem gerade noch ein paar andere Leute vom Gipfel zurück, so dass es diesbezüglich keine Probleme zu geben schien. Wir hielten dementsprechend direkt auf die Mädelegabel zu, laut AV-Führer zum "östlichen Teil der Süd-Flanke". Spuren im etwas weichem Schnee wiesen zusätzlich den Weg.
Der Startpunkt des Normalweges, ein kleines "Schärtchen", war wieder schneefrei und wir ließen die Rucksäcke zurück. Der Einstieg fordert etwas "überlegte" Kletterei, aber wer ihn meistert dürfte auch in der restlichen 1/2 Stunde des Aufstieges keine Probleme haben. Im AV-Führer ist er wie der des Großen Krottenkopfes mit I bewertet. Ich empfand ihn allerdings etwas "schwerer", da man öfter die Hände mit einsetzen mußte. Nichts desto trotz: es machte mir einen Heidenspaß und schließlich befanden wir uns zum zweiten Mal an diesem Tage über 2600m, nämlich auf dem Gipfel der Mädelegabel (2645m). Und zudem noch alleine. ;-)

Micha studiert das Gipfelbuch der Mädelegabel
Micha studiert das Gipfelbuch der Mädelegabel
Gipfel Mädelegabel, im Hintergrund der Grosse Krottenkopf
Gipfel Mädelegabel, im Hintergrund der Grosse Krottenkopf

Für mich war es ein sehr tolles Gefühl hier zu stehen, denn dieser Berg "bedeutete" mir irgendwie mehr als der Große Krottenkopf. Die Silhouette der Mädelegabelgruppe sticht einem von so ziemlich überall im Illertal ins Auge: wie hier von Eckarts (50kB) aus, oder aber auch vom Gottesacker (54kB) am Hohen Ifen im Kleinwalsertal aus. Selbst wenn man wie ich zuerst nicht wußte wie diese Berge denn nun genau hießen und ob man da als Normalsterblicher überhaupt hochkonnte, sie strahlten für mich eine eigenartige Anziehungskraft aus. Tja, und jetzt waren Micha und ich aus eigener Kraft hier oben auf der Mädelegabel. Und jedesmal wenn ich von nun an auf dem Weg zur Arbeit am Horizont den Allgäuer Hauptkam sehen konnte, dann überkam mich ein Gefühl "ha, da oben warst Du nun schon". ;-)

Hier sieht man nun noch einmal schön den Ferner der Mädelegabel. Er wird auch Schwarzmilzferner genannt, ist aber ansonsten kein richtiger Gletscher, sondern eben "nur" ein Schneefeld. Auf der Vergrößerung des Bilder erkennt man die Spuren in Richtung Bockkar Scharte, weiter nach links würde der Weg zurück führen.

Ferner der Mädelegabel, rechts die Hochfrott Spitze
Ferner der Mädelegabel, rechts die Hochfrott Spitze
Abstieg Mädelegabel, Normalweg
Abstieg Mädelegabel, Normalweg

Michael und ich machten uns nun an den Abstieg, wir nahmnen wieder den Normalweg. Das Bild links ist natürlich gestellt, aber wer hier gut stolpert und "ins rollen" kommt wird ein Problem haben. Unten ab Schärtchen gab es auch eine Brotzeit und wir konnten beobachten wie innerhalb von nicht einmal ganz 10 Minuten alle umliegenen Gipfel komplett in Wolken gehüllt wurden. So hatten wir echt Glück gehabt! Mittlerweile war es gegen 15:30 Uhr und mit diesem etwas gespenstigen Umfeld wollten wir nun auch möglichst schnell die nächste Hütte ansteuern. Die Rappenseehütte lag natürlich viel zu weit entfernt, so dass wir über die Bockkar Scharte zum Waltenberger Haus absteigen wollten.

Am Ferner hatten wir nun noch einen kurzen Aufstieg zu bewältigen, danach waren wir auch recht schnell an der Bockkar Scharte (2523m) angelangt (ist bezeichnet!). Mittlerweile hatte es sich komplett zugezogen und wir hofften es würde nicht zu regnen anfangen oder schlimmeres passieren. Ein mulmiges Gefühl überkam uns, erst recht, da nun weit und breit keine anderen Leute mehr zu sehen waren. Hatten wir uns in der Zeit verschätzt? Oder wußten die anderen alle mehr über das Wetter an diesem Nachmittag als wir? Nunja, viel darüber grübeln nützte nun eh nichts mehr, es ging so schnell wie möglich und so sicher wie nötig auf den bezeichneten Pfaden abzusteigen. Bis zur Hütte waren es noch gut 400 Höhenmeter!
Das erste Stück hinter der Scharte hat einige Drahtseilversicherungen aufzuweisen, danach geht es in vielen Kehren über Schotter mal mehr, mal weniger steil hinab. Nach etwa 1/3 des Weges klarte es wieder auf und uns kamen zwei Mädels mit wenig Gepäck und T-Shirts von der Bergwacht sehr fix entgegen. Also großes Aufatmen. ;-)

Somit kamen wir vielleicht gegen 16:30/17:00 Uhr am Waltenberger Haus (2083m) an. Lager waren noch frei, aber wie man auf dem Bild erkennen kann waren die recht eng. Ein normal großer Mensch von rund 1,85m hatte ständig auf der einen Seite mit der schrägen Wand und den eigenen Füßen, auf der anderen mit dem sprichwörtlichen Brett vorm Kopf zu kämpfen. Nach dem Platz nach links oder rechts ganz zu schweigen, dass war nur ein reinstes Gekuschel und Atem des Nachbars im Gesicht, also schön auf dem Rücken liegen bleiben... Es war absehbar, dass die Nacht nicht besonders werden würde, zwischenzeitlich war ich oft nahe dran mit ein paar Decken und dem Schlafsack irgendwo anders zuflucht zu suchen...

Im Waltenberger Haus
Im Waltenberger Haus

Aber nichts desto trotz: wir waren schliesslich auf rund 2100m in einer Berghütte, da hat man mit sowas eben vorlieb zu nehmen oder abzusteigen! Der Abend wurde zudem recht toll, es gab reichlich und sehr leckere Krautspätzle, Bier und Schnaps schmeckten und kurz vor der Dämmerung kam eine Herde (nennt man das so?) Steinböcke bis vielleicht 50m an das Haus heran. Ca. 5 bis 6 Tiere! Der Hüttenwirt war auch eine Nummer für sich. Auf meine Frage hin, ob es hier möglicherweise einen Trockenraum gibt antwortete er nur gelassen: "Klar, natürlich. Draussen am Geländer. Alles trocken." ;-) Micha vernahm wohl noch wie jemand (es könnte ja sein) nach Duschen fragte... - "Ja, klar. Draussen. Wenn es regnet."

Hier geht es weiter mit Tag 3...

Heilbronner Weg (Übersicht)
<< Tag 1  Tag 3 >>

Link auf andere Webseite | Link auf eine Seite von Sascha's Homepage | Link auf ein Bild