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Großer Krottenkopf, Mädelegabel und Heilbronner Weg

Allgäuer Alpen, 14-16.08.2000

Tag 3

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Frühstück am Walternberger Haus
Frühstück am Walternberger Haus

Die Nacht wurde wie erwartet eine schlaflose. Entsprechend müde und etwas lustlos standen wir gegen 7 Uhr auf, packten unsere Sachen und aßen vor dem Waltenberger Haus unser Frühstück. Es war recht frisch verglichen mit den letzten Tagen und heute sollte das Wetter nun auch umschlagen. Bis zum Nachmittag hatten wir aber nach Anfrage noch Zeit, und dass sollte für den restlichen und eigentlichen Heilbronner Weg noch reichen.

So gegen 8 Uhr brachen wir schliesslich mit als letzte endlich auf. Wir entschieden uns den gleichen Weg hoch zur Bockkar Scharte zu nehmen und nicht "untenrum" bis zur Socktalscharte zu gehen. Wenn schon, dann der richtige Weg. Und letztenendes lag ja mit dem Bockkar Kopf noch ein 2600er dazwischen. *g*
Nach ein paar Minuten trafen wir auf die Steinböcke vom Vorabend, sie hatten wohl ihr Nachtlager auf dem Stein im rechten Bild. So "mitten in der Natur" war dies natürlich noch etwas schöner zu betrachten, als gestern Abend von der Hütte aus. Kein Safari-Park-Feeling. ;-) Zu nah wollte ich allerdings auch nicht heran, wer weiß schon ob da nicht mal fix einer mit seinen Hörner ankommt und "nur spielen" möchte...

Steinböcke
Steinbock
Steinböcke
Steinböcke

Den restlichen Weg kannten wir nun schon vom Vortrag, in etwa 45 Minuten waren wir oben an der Bockkar Scharte (2523m) angelangt. Nach einer kleinen Trinkpause ging es weiter...

...dummerweise habe ich ab hier nur recht wenig Beschreibungen oder Bilder, denn es zog sich nun wieder recht schnell alles zu und wir gingen fortan nur noch in den Wolken. Aus diesem Grund verweilten wir weder am Bockkar Kopf (2608m), noch am Wilden Mann (2577m), sondern gingen recht zügig immer weiter ohne mit der Karte zu vergleichen oder zu schauen wo wir nun genau sind. Es waren außer uns noch viele andere Wanderer in beiden Richtungen unterwegs, teilweise auch mit Bergführer, so dass wir uns wegen dem Wetter eigentlich noch keine großeren Sorgen machten. Wir wollten nur nicht unbedingt länger brauchen als nötig!

Andere Leute waren allerdings (nicht unbedingt unbegründet) unruhiger. Die Frau eines jüngeren Pärchens - wir gingen eine zeitlang auf gleicher Höhe - war teilweise fast ein wenig "panisch", als wenn gleich voll das Unwetter einsetzen würde und sie war sich nicht sicher, ob sie noch rechtzeitig den Abstieg schaffen. Nach ein paar beruhigenden Worten ("wenn, dann erst heute Nachmittag...") meinte sie sogar fast ein wenig ärgerlich, ob ich denn schon mal ein Gewitter in den Bergen erlebt hätte usw. - Ja, hatte ich. Also fragte ich schliesslich extra nochmal einen uns entgegenkommenden Bergführer und dieser bestätigte abermals, dass jeder es ohne Probleme noch bis zur Rappenseehütte schaffen würde. Das half dann weiter...

Zum Weg selber: auf rund 2500m Höhe geht es im Fels immer schön auf und ab. Drahtseilsicherung hier, etwas "Geländer" am Grat dort, mehr oder weniger ausgesetzt und immer mal wieder benötigt man auch die Hände um höher oder tiefer zu kommen. Es machte echt einen Heidenspass, nur konnte man nichts von der bestimmt herrlichen Aussicht genießen. Verlaufen konnten zumindest wir uns nicht, da wirklich in Sichtweite immer jemand zu sehen war. Aber das war bei diesen Wetterbedingungen auch gut so - alleine wären wir bestimmt abgestiegen, selbst mit dem Wissen, dass es bis Nachmittag halten soll!

An der bekannten Brücke am Heilbronner Weg (die oder die Leiter findet man wohl überall auf Fotos) machten wir Corny- und Trinkpause. Links im Bild sieht man, wie es hier und da für ein Minütchen immer mal kurz aufklarte. Sonst aber wie rechts: voll die Suppe.

Die 'Brücke' des Heilbronner Weges
Die 'Brücke' des Heilbronner Weges
Schwindelfrei
Schwindelfrei

Zu dieser Brücke selber: meiner Meinung nach halb so wild. Wenn tatsächlich etwas passieren sollte, dann wahrscheinlich nicht unbedingt an dieser Stelle. ;-) Wie weit es da nun genau runter ging weiß ich nicht. Iich schätze es waren nicht mal 10m, auch wenn das natürlich zum brechen sämtlicher Knochen reichen würde. Was aber verwundert: wenn mal vom Heilbronner Weg die Rede war (wie z.B. ab und zu bei einem Hüttenabend), dann fielen relaiv schnell die Worte "Brücke" und "Leiter" und diese sollten dann wohl von der "Schwierigkeit" des Weges zeugen. Für mich lagen liegen die wenn aber mit Sicherheit nicht in der Bewältigung dieser beiden Stellen, sondern sind eher darin begründet, dass man ständig konzentriert gehen sollte. Ein Umknicken oder Abrutschen kann auf solchen Wegen immer schnell passieren und wäre in dieser Position und Höhe nicht wünschenswert.

Tja, hier haben wir noch von der Brücke aus einen Blick zurück Richtung Nordosten, danach ging es auch schon wieder weiter. Hinter der Brücke kommt gleich die berühmte Leiter und dann geht es langsam aber sicher eher nach unten anstatt nach oben. ;) Noch immer kamen uns Wanderer entgehen, sollten alle von ihnen auf eine Übernachtung im Waltenberger Haus angewiesen sein, da würde es schon voll werden. Man wechselte nun auch auf die nordöstliche Seite der Berggruppe, passierte die kleine Steinscharte, von welcher man nach Holzgau hin absteigen kann, und schließlich auch das Heilbronner Törl. Dies ist eigentlich nichts weiter als eine ziemlich schmale Stelle, man paßt aber auch mit Rucksack relativ gut durch. (Es gibt soweit ich weiß da ein paar Geschichten über Wanderer mit einem Kontrabass?? Naja.)

Auf dem Grat, Blick zurück Richtung Nordosten
Auf dem Grat, Blick zurück Richtung Nordosten

Bald erreichten wir die Wegegabel, an welcher nach links hin der ca. 30 bis 45 minütige Aufstieg zum Hohen Licht beginnt. Hier lagen auch einige Rucksäcke herum, doch es war immer noch alles zugezogen und bloss um oben gewesen zu sein und dann nichts sehen zu können wollten wir nicht extra hoch. Außerdem war es nun nach Mittag... ;-)
So ging es dann über Schuttflächen hinab zum oberen Wieslekar und weiter zur Großen Steinscharte.

Das Hohe Licht von der Gr. Steinscharte aus
Das Hohe Licht von der Gr. Steinscharte aus

Nun, da wir in Sichtweite der Rappenseehütte waren uns somit mehr oder weniger in "Sicherheit", gab es erstmal Mittagessen. Wir konnten prima den Großteil unserer Vorräte plündern und somit den Rucksack schön leicht machen. Ein Blick zurück zum Hohen Licht (2651m) ließ uns vorerst unsere Entscheidung auf die Besteigung zu verzichten nicht bereuen. Alles war diesig, dass Wetter schien auf der Kippe zu stehen.

In entgegengesetzter Richtung sahen wir nun schon die Rappenseehütte (2091m). Irgendwelche Murmeltiere pfiffen, aber richtig finden konnten wir sie nicht. Nur auf einem Stein sah Micha etwas sitzen, bloß das verschwand natürlich bis ich meinen Fotoknips ausgepackt hatte. Auch wenn es hier rechts auf dem Bild nicht so scheint: als wir uns dann ein superleckeres Radler auf der Terasse der Hütte gönnten, da kam die Sonne mit einmal durch und es wurde richtiggehend heiß. Ja, die Sonne brannte wieder förmlich! Vielleicht hätten wir so das Hohe Licht doch noch mitnehmen können? Tja, aber letztenendes bereuten wir unsere Entscheidung nicht. Lieber einmal "vorschnell" abgestiegen als aufgestiegen! Und weglaufen tut dieser Gipfel mit Sicherheit nicht - auch wenn mein zweiter Anlauf ebenfalls aus wettertechnischen Gründen abgelasen werden mußte und ich somit bisher noch nicht oben war!

Die Rappensee Hütte, im Hintergrund die Schafalpenköpfe
Die Rappensee Hütte, im Hintergrund die Schafalpenköpfe
Blick ins Stillachtal von kurz unterhalb der Einzianhütte
Blick ins Stillachtal von kurz unterhalb der Einzianhütte

Von der Rappenseehütte aus ging es nun in vielen teilweise relativ steilen Kehren ziemlich fix bis auf knapp 1800m herunter, danach angenehm "flach" bis zur Enzianhütte (1780m). Dies ist eine private Hütte, man kann hier auch übernachten und (jetzt kommts) da soll wohl ein Sauna drin sein! ;-). Wir machten nochmal kurz Pause und genossen die Aussicht ins Stillachtal, unten kann man schon die Häuschen von Einödsbach, soweit ich weiß dem südlichsten bewohnten Dorf Deutschlands, und Birgsau erkennen.

Aber der Weg zog sich doch noch ganz schön, es lagen ja noch immer rund 900 Höhenmeter und ein paar Kilometer im "Flachland" vor uns. Die Vegetation nahm ständig zu, es blieb auch warm und wir kamen an der Petersalpe (1296m) an. Die Terasse war gefüllt mit Turnschuhurlaubern und etwas "korpulenten Kuchenessern" und an dem was wir die letzten drei Tage so gemacht hatten, kam ich mir schon... mhmh... gut vor. *g* Aber das lag auch daran, dass wir es ja nun mehr oder weniger "geschafft" hatten und ausgepumpt waren wir trotzdem allemal. Weiter ging es durch Einödsbach und Birgsau...

Auf den letzten vielleicht 2 Kilometern hielten wir nun doch noch an einer Bushaltestelle an und - Gott sei Dank - Micha hatte noch Geld für einen Fahrschein! ;-) Also fuhr ich die 1 oder 2 Stationen bis zum Parkplatz und holte das Auto... auf Fahrstraße laufen hatten mir nun wirklich keinen Bock mehr. Und die wartenden Leute an der Haltestelle schauten aufgrund dieser Privat-Taxe natürlich nicht schlecht... ;-)) Und so endete unser schönes Bergabenteuer.

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