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Mindelheimer Klettersteig

Allgäuer Alpen, September 2000

Richtung Fiderepaß Hütte zur Mindelheimer Hütte

Vorgeschichte

Zum Ende meiner Zeit im schönen Allgäu wuchs der Drang endlich auch einmal einen "richtigen" Klettersteig zu gehen. Von den beiden bekannten Klettersteigen im Allgäu, dem Hindelanger und dem Mindelheimer, erfuhr ich schon bei meinen ersten Unternehmungen durch Prospekte auf den verschiedenen Hütten. Ich hatte jedoch immer ziemlichen Respekt vor diesen luftigen Wegen, die mir bekannten Bilder sahen alle recht spektakulär aus. War ich dem gewachsen?
Probieren geht jedoch über studieren und nach einigen Touren im Ier Bereich, welche mir allsamt sehr viel Spass bereitet hatten, besorgte ich mir schliesslich ein Klettersteig-Set und entschied mich für den Mindelheimer Klettersteig, da er der kürzere war.

Überblick

Über irgendwelche Zeiten kann ich mittlerweile nichts genaues mehr sagen, da die Tour nun schon fast 2 Jahre zurück liegt und ich mir keine Notizen gemacht hatte. :-( Ich war allerdings relativ früh in Mittelberg (~7:30 Uhr) und wenn man das weiterrechnet, dann muß ich so ca. 10 Uhr am Einstieg gewesen sein. Für den Klettersteig an sich habe ich aber weniger Zeit benötigt, als ich hier und da gefunden hatte (z.B. im AV-Führer). Vom Einstieg bis zum Ausstieg am Kempter Köpfl (also Richtung Fiderepaß Hütte zur Mindelheimer Hütte) waren es maximal 3 Stunden. Beim Abstieg ließ ich mir dann Zeit und war vielleicht 14 Uhr wieder am Parkplatz.

  • Fahrt nach Mittelberg (1215m) im Kleinwalsertal, irgendwo geparkt
  • Aufstieg im Wildental über die Flucht Alpe (1390m) zur Fiderepaß Hütte (2033m)
  • Aufstieg zur Fiderescharte
  • Überschreitung der Schafalpenköpfe (23xx m) auf dem Mindelheimer Klettersteig
  • Kemptner Köpfl (2191m)
  • Abstieg über die Hintere Wilden Alpe zurück nach Mittelberg (1215m)

Bericht

Die Nacht vor der Tour schlief ich relativ unruhig. Bisher hatte ich den Schwierigkeitsgrad meiner Wanderungen immer langsam gesteigert, war dies nun vielleicht ein zu großer Schritt? Für einen Flachlandtiroler wie mich ehrzeugte alleine das Wort "Klettersteig" schon eine große Ehrfurcht... ein "Wanderweg", für welchen ein Gurt und ein Seil empfohlen wird...?!

Wie dem auch sei, so etwa 7:30 Uhr kam ich schließlich an einem Parkplatz in Mittelberg an. Wo der nun genau lag, kann ich nicht mehr sagen. Ich bog einfach von der Hauptstraße nach links in eine größere Straße ab und nach vielleicht 2km bis 3km lag dort ein bereitetes Schotterfeld... und eine typische Wanderübersichtskarte samt Schild in Richtung Fiderepaß Hütte gab es auch, anscheinend war ich also richtig! :-)

Nun galt es zunächst zum Einstieg aufzusteigen. In der Nähe des Wildenbaches geht es zunächst auf Forststraßen und angenehmen Wanderwegen gemächlich bergan bis zur Fluchtalpe (1390m). Bis zu diesem Abzweig kann man noch wählen, in welcher Richtung man den Klettersteig begehen möchte. Ich entscheid mich von der Fiderepaß Hütte zur Mindelheimer Hütte zu gehen, da so gleich am Einstieg eine Leiter, welche im oberen Teil sehr leicht überhängt, evt. ein wenig abschreckt und einen kleinen "Test" darstellt.
Der weitere Weg war nicht besonders spektakulär oder schwierig, meine Gedanken waren jedoch schon ein wenig in der Zukunft... Ich passierte die Fiderepaß Hütte (2070m) und kurze Zeit später gelangte ich zu der mir bereits bekannten Fiderescharte. Von hier aus hat man einen ersten schönen Blick auf den Allgäuer Hauptkamm (58kB) und der kurze Gratverlauf in südwestlicher Richtung führt einem zum Einstieg.

Das erste Eisen hinter dem Einstieg, Blick zurück Nun war ich also da! Ich legte das Klettersteigset an und machte mich gespannt auf zu jener besagten Leiter am Einstieg. Der AV-Führer beschreibt die Leiter als fast senkrecht und 9m hoch, es klappte jedoch alles wunderbar. Einzig allein am Ende benötigt man einen etwas stärkeren Armzug, um das kleine Plateau zu erreichen.
Nun ging es gleich rasant weiter: kurze luftige Gehstellen wechselten sich mit Klettereien ab, diese wurden jedoch alle durch Drahtseile und Metallstifte entschärft. Das Bild zeigt einen Blick zurück und wurde von irgendwo hinter dem Einstieg aufgenommen.

Blick zurück zum Nördlichen Schafalpenkopf Diese Kletterei machte mir sofort einen Riesenspaß und ich bemerkte gar nicht, wie ich den Abzweig zum Nördlichen Schafalpenkopf (2320m) verpasste. Der musste wohl irgendwie gekommen sein, als ich mehr oder weniger oben auf dem Vorgipfel war und es nach einem kurzen Gehstück wieder abwärts ging. Im AF-Führer wird von 10 Minuten bis zum eigentlichen Gipfel geschrieben, allerdings fiel es mir erst auf, als ich mich einmal zum Fotografieren umdrehte und das Kreuz sah (siehe Bild, ziemlich weit oben sind auch zwei nachfolgende Wanderer mehr oder weniger gut zu erkennen).

Meinereiner auf der Leiter Kurz nach dem Abstieg trifft man auf eine waagerechte Leiter, welche einen kleinen Abgrund überspannt. Sie ist nicht besonders lang und unter ihr geht es auch nicht sooo weit runter, allerdings bietet sich sowas natürlich mal wieder als Motiv für ein kleines Fotoshooting an. ;-) Diese Leiter ist soweit ich weiß auch von der Fiderepaß Hütte aus sichtbar.

Grat vom Nördlichen Schafalpen zum Mittleren Schafalpenkopf Wie auf den bisherigen Fotos zu erkennen ist, war das Wetter nicht unbedingt erste Klasse gewesen. Aus diesem Grund bemühte ich mich nicht zu trödeln und versuchte zügig vorwärts zu gelangen. Dies war jedoch auch nicht weiter schwierig! Die tollen Rundum- und Tiefblicke sowie die kleinen Klettereien machten auch weiterhin einfach Spass und ich achtete nicht besonders auf meine aktuelle Position, sondern genoß einfach den Steig!

Nach kurzer Zeit traf ich eine Alleingängerein. Sie ging den Klettersteig wirklich "vorbildlich" und nutzte soweit es möglich war nur den Fels - ich hingegen schummelte noch sehr oft und schloß so immer wieder auf. Zum Fotografiren musste jedoch stets der komplette Rucksack runter und der Abstand vergrößerte sich erneut bis zum nächsten Foto. So gestaltete sich der weitere Verlauf des Klettersteiges...

mhmh Noch eine Leiter, diesmal geht es abwärts
Zwischen den einzelnen Gipfeln stieg man jeweils immer kurz ab, lief am Grat entlang und stieg wieder auf. Weitere, teils senkrechte Leitern erleichtern den Abstieg.

Und mal wieder hinaufklettern Eisenstifte
Die Versicherungen wurden oftmals so angelegt, dass man auch ohne deren Nutzung den Klettersteig begehen kann. Die Schwierigkeiten liegen dann etwa im Ier und IIer Bereich (linkes Bild). Fast wie an der Zugspitze gibt es auch am Mindelheimer Klettersteig ein kleines "Brett". :-) Dieses ist zwar nicht ganz so ausgesetzt, rechter Hand sollte man dennoch nicht abrutschen... (rechtes Bild).

Aufstieg am Südlichen Schafalpenkopf Leiter
Ich denke, am Südlichen Schafalpenkopf existierte einer der interessantesten Aufschwünge des Klettersteiges (linkes Bild). Der Fels war gut griffig, für einen Anfänger wie mich sah es einfach "stark" aus und solange man schwindelfrei ist, hat man viel Freude an der einfachen Kletterei. Zwischendurch gab es wieder eine recht ausgesetzte Leiter, also nicht loslassen! ;) (rechtes Bild).

Erster Gegenverkehr An diesem Punkt traf in etwa auch der erste "Gegenverkehr" aus Richtung der Mindelheimer Hütte ein. Die Stelle war ein wenig ausgesetzt, bei einer entsprechenden Anzahl von Personen stelle ich mir das etwas "nervig" vor. Aufgrund des eher durchwachsenen Wetter waren jedoch nicht so viele Leute unterwegs.

Kemptner Köpfl Blick vom Kemptner Köpfl zur Mindelheimer Hütte
Vor dem Sattel des Kempter Köpfl trug sich zum Schluß des Klettersteiges noch etwas zu, was man getrost als "Herdentrieb" bezeichnen darf. Ein Gruppe von vielleicht 5 Personen machten als ich eintraf gerade Pause, zwei weitere kamen ebenfalls aus meiner Richtung. Dieser ganze Pulk raffte sich etwa gleichzeitig zum Weitergehen auf und reihte sich brav hintereinander auf dem Pfad ein. Die erste Person machte jedoch einen Fehler und hielt sich aus irgendeinem Grund zu weit rechts. Es gab zwar Pfadspuren, aber es war nicht der richtige Weg und somit gelangten alle (ich eingeschlossen) in recht abschüssiges Gelände: links steiler Fels ohne viel Möglichkeiten zum Festhalten, in der Mitte sehr schmal und rutschiger Schlamm, rechts ging es bergab... Jeder wunderte sich etwas über den Weg, da er meiner Meinung nach getrost als unangenehmstes Stück des Klettersteiges eingeschätzt werden kann, aber auf die Idee umzudrehen und den richtigen Weg zu suchen kam jedoch niemand...
Es passierte jedoch Gott sei Dank nichts und über einem kleinen Buckel gelangten alle wohlbehalten zum Kemptner Köpfl. Man überraschte sogar noch eine Gruppe Gemsen (linkes Bild). Vom Gipfel hat man einen schönen Blick hinunter zur Mindelheimer Hütte (rechtes Bild).


Anmerkung zum falschen Weg: Im Oktober 2002 erhielt ich von Frau Jungbeck eine Email, welche mich sehr bestürtzte. Ich möchte den Inhalt an dieser Stelle einfach kommentarlos übernehmen, er stellt die Begebenheiten und die Tragik bestens dar...

"Am 7.9.2002 ist vermutlich genau an dieser Stelle mein Bruder Joachim abgerutscht und 180 m in die Tiefe gestürzt. Er war ein passionierter Bergwanderer, Bergsteiger und Eiskletterer; äußerst vernünftig und besonnen. Es ist für uns daher überhaupt nicht nachvollziehbar, wie der Unfall passiert ist, aber Ihr Bericht erklärt doch einiges - auch wenn es am Ergebnis nichts ändert. Die österreichischen Bergführer, die meinen Bruder geborgen hatten, erzählten auch etwas von Wildwechsel und falschem Weg. Joachim hatte den Mindelheimer Klettersteig auch nicht zum ersten Mal gemacht, aber an diesem Tag war es auf den Bergen wohl ziemlich neblig. Was wir da damals auch nicht wußten, denn im Tal war es wunderschön sonnig. Sein Verschwinden wurde erst 4 Tage später entdeckt, weil der bei der Arbeit überfällig war; nach 2 Tagen Suche hat man ihn dann am 12.9. gefunden."

"Mittlerweile war mein anderer Bruder mit einem Bergführer in den Allgäuer Alpen, genau an der Stelle an der Joachim abgestürzt ist, und das ist wohl nach den Schafalpenköpfen und direkt vor dem Kemptner Köpfle, als sich ein 'Weg' gegabelt hat, passiert. An einem Fels ist ein weißer Strich, an dem überhaupt nicht auszumachen ist, ob es rechts oder links weitergeht. Joachim ist rechts weitergegangen, weil es mehr nach Weg aussah. Vielleicht doch nicht ganz die Stelle, von der Sie geschildert haben. Aber egal; schreiben Sie von dem Absturz; vielleicht sind die zukünftigen Mindelheimer-Klettersteig-Eroberer umso vorsichtiger!"

Dem ist soweit nichts hinzuzufügen! Bergwandern und Bergsteigen bedeutet stets ein bestimmtes Restrisiko einzugehen. Man kann nie genug aufpassen! Selbst die einfachsten Wege im Gebirge können bei Witterungswechsel zur tödlichen Falle werden...


Abstieg, Blick zum Hohen Ifen und Gottesacker Den Abstieg konnte ich relativ gemütlich angehen, da alle "Schwierigkeiten" nun hinter mir lagen und auch das Wetter besser wurde. Über die Hintere Wilden Alpe ging es wieder zurück zum Ausgangspunkt. Im Blickfeld zeigte sich der Hofe Ifen.

Fazit

Der Mindelheimer Klettersteig war für mich der erste auch als solcher bezeichnete "Klettersteig". Im Vorfeld hatte ich so meine Zweifel gehabt, ob das nicht zu schwer für mich ist, jedoch wurden diese Zweifel nicht im geringsten bestätigt! Schwindelfrei und trittsicher sollte man sein und etwas Bergerfahrung ist auch nicht schlecht, ansonsten hat es mir sehr viel Spass gemacht. Dies ist auch darin begründet, dass aufgrund des nicht so besonders guten Wetter der Klettersteig nicht überlaufen war. Bei bestem Sonnenschein wird dies mit Sicherheit anders sein.

Im Rother Klettersteig Atlas wird wegen der "langen Zustiege" eine Hüttenübernachtung empfohlen. Dies kann ich nicht bestäigen, mit etwas Kondition ist der Mindelheimer Klettersteig meiner Meinung gut in einem Tag zu machen (ings. ca. 6 bis 7 Stunden).

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