· über gaehnchen.de ·
· Tourenliste · Gipfelliste · Hüttenliste ·
· Links · Gästebuch · Sitemap ·


Hochrappen Kopf, Rappensee Kopf, Krumbacher Höhenweg

Allgäuer Alpen, September 2000

Vorgeschichte

Im September 2000 neigte sich meine Zeit im Allgäu langsam aber sicher dem Ende entgegen. Das Wetter wurde teilweise schlechter, vor jenem Wochenende gab es sogar einen ersten Schneeeinbruch bis ca. 1900m und angeblich sollen einige Wanderer auf der Rappenseehütte festgesessen haben. Allerdings wollte ich trotzdem gerne nochmal in die Berge, vor allem, da ich bis dato das Hohe Licht (2651m) am Heilbronner Weg noch nicht bestiegen hatte - seinerzeit war alles neblig gewesen und ein Aufstieg lohnte sich nicht besonders. Somit schmiedete ich mir einen kleinen Tourenplan und nahm mir vor, jenen Berg sowie den Biberkopf (2599m), welcher lange Zeit als der südlichste Punkt Deutschlands galt, anzugehen. Wegen des Schnees wollte ich einfach mal schauen, wie weit ich kommen würde...
...aufgrund des Titels läßt sich allerdings schon erahnen, daß daraus nichts wurde. Das war zwar etwas Schade, aber mir wird diese Tour mit Sicherheit immer im Gedächtnis bleiben, da ich bei ihr das erste Mal "richtig" im Schnee unterwegs war.

Die Zeiten weiß ich mittlerweile nicht mehr - es ist nun fast schon ein Jahr her.

Überblick

  • Parkplatz Fellhornbahn im Stillachtal (~900m)
  • Weg Birgsau (949m) - Einödsbach (1114m)
  • Aufstieg zur Enzianhütte (1780m) und weiter zur Rappenseehütte (2091m)
  • Besteigung des Hochrappenkopfes (2423m) und des Rappenseekopfes (2467m)
  • Übernachtung in der Rappenseehütte
  • Abstieg ins Rappenalpental über die Mittlere Rappen Alpe
  • Aufstieg zur Mindelheimer Hütte (2058m)
  • Krumbacher Höhenweg bis zur Fiderescharte
  • Fiderepaß Hütte (2065m)
  • Abstieg zur Talstation der Fellhornbahn über Kühgrund Alpe und Wank Alpe

Tag 1

Blick von Einödsbau auf die Mädelegabelgruppe Ich war ca. 7:30 Uhr am Parkplatz der Fellhornstation. Mittlerweile war es um diese Uhrzeit schon bzw. noch recht frisch und es fröstelte mich. Den Weg von hier aus bis zur Rappenseehütte kannte ich schon in umgekehrter Richtung von der Heilbronner Weg Tour mit dem OL-Micha. Bis Einödsbach (1114m, afaik das südlichste bewohnte Dorf Deutschlands) und noch etwas weiter zieht es sich sehr. Aber dafür gibt es noch keine irgendwelche beachtenswerten Höhenmeter zu erklimmen und somit galt es schnell zu laufen, um sich warm zu halten. Ab und zu kann man linker Hand die beeindruckende Mädelegabelgruppe mit der Trettachspitze, der Mädelegabel und der Hochfrottspitze erkennen (s. Bild). Schnee war schon von hieraus zu sehen, ich war recht gespannt, wie die Verhältnisse wohl nun weiter oben sein würden.

Einzianhütte Etwas hinter Einödsbach biegt der Weg dann südöstlich "in den Berg hinein" und es wird anstrengender. Über eine Jausenstationen gelangte ich schließlich zur Enzianhütte (1780m). Dies ist eine private Schutzhütte und ich habe mittlerweile schon zwei Mal gehört, daß es hier eine Sauna (!) geben soll. Komfort in den Bergen hin oder her - ich dusche auch gerne ohne Duschmarke im Prinz Luitpold Haus - aber das stelle ich mir schon edel vor! :-) zum Bild: der Berg hinter der Hütte müßte der Hochrappenkopf sein. Hinter der Enzianhütte bleibt der Weg zunächst sehr lange auf einer Höhe und man kann recht schnell viele Meter hinter sich bringen. Allerdings queren ein paar Ausläufer des Rappenbaches den Weg und an diesen Stellen ist Vorsicht geboten! Bei Regen entwicklen sich diese ansonsten kleinen Rinnsale zu wilden Bächen und es gab im Sommer 2000 genau deswegen und soweit ich weiß wohl in diesem Gebiet einen Todesfall! Außerdem existierte immer kurz hinter der Enzianhütte bei meinen beiden "Begehungen" ein Schneefeld, welche gerade diesmal recht tückich war, da es durch den Bach unten schon ziemlich unterhöhlt gewesen war.

Aufstieg zur Rappenseehütte, Blick zu den Schafalpenköpfen Je höher ich nun zur Rappenseehütte stieg, desto schöner wurde der Ausblick zurück in das Illertal zum Grünten und natürlich auch zu den Schafalpenköpfen mit dem Mindelheimer Klettersteig (s. Bild). Erst kurz vor der Rappenseehütte tauchte der erste Schnee auf und somit wurden die letzten Meter nochmal etwas beschwerlicher. Hier in der "Übergangsregion" gab es entweder glitschigen Matsch, oder aber der Schnee war festgetreten und somit eher rutschiges Eis.

Rappenseehütte im Schnee Und wie es meist so ist: mit einmal taucht das Ziel auf und alle Anstrengungen sind vergessen! :-) Die Rappenseehütte (2091m) (s. Bild) lag nun komplett im Schnee und auch rundherum war alles weiß. Dies bot eine eigenartige Atmosphäre, da ich sowas bisher nur vom Skifahren her gewohnt war. Aber nun, eigentlich noch im Sommer, wirkte es anders. Es kam mir vor, als wenn ich extrem höher als bei meinen bisherigen Touren war. Außerdem waren nur wenige andere Wanderer hier, anscheinend hatte der Schnee viele abgeschreckt.
Nach einer kurzen Rast fragte ich nun den Hüttenwirt, wie es denn mit dem Hohen Licht und dem Biberkopf aussehen würde, allerdings nahm er mir schnell alle Hoffnungen. Seit dem Schneefall sei wohl noch keiner wieder aus Richtung Heilbronner Weg gekommen und auch beim Biberkopf schaute es schlecht aus. Bei den Aufstiegen gab es jeweils abschüssiges Gelände, bei welchem man aufgrund des Schnees leicht ausrutschen kann. Für mich stellte das natürlich ein Problem dar und somit war die Sache also "gegessen". Allerdings bekam ich den Tipp, doch den Hochrappenkopf und den Rappenseekopf zu besteigen. Hier lag der eigentliche Aufstieg jeweils an Südhängen und war auch weniger gefährlich. Somit ging es von der Hütte aus in südlicher Richtung weiter zum Rappensee. Hier kamen mir ein paar weitere Leute entgegen, welche ich ebenfalls über die Verhältnisse ausfragte. Sie kamen gerade vom Hochrappenkopf und meinten, dass es gut machbar war - auch mit Schnee. :-)

Aufstieg zum breiten Sattel zwischen Hochrappenkopf und Rappenseekopf Der Weg war zwar gut zu finden (alles bereits gespurt), aber ganz so einfach wurde es nun doch nicht. Ich sank ständig mal mehr, mal weniger ein, aufgrund der stärker werdenden Sonne wurde der Schnee sulziger und somit etwas "glatt", man wußte nie, was wirklich unter dem Schnee war... Aber schön war es! Völlige Ruhe, kein Mensch in der Nähe, eine herrliche Landschaft und ich kam mir vor wie bei einer Hochtour. Das Wetter spielte wunderbar mit und die Zeit drängte auch nicht. Entsprechend rastete ich auf halber Strecke nochmals. Auf dem Bild ist hinten rechts der Grünten zu sehen. Nach etwa 45 Minuten erreicht man einen breiten Sattel zwischen dem Hochrappenkopf rechter Hand (nördlich) und dem Rappenseekopf linker Hand (östlich). Ich machte mich zunächst zum Hochrappenkopf auf.

Gipfelkreuz des Hochrappenkopfes Der Schnee wurde nun noch sulziger - Südhang - und ich sank teilweise sehr stark ein. Ein Glück, das ich meine Stöcke dabei hatte! Aber nach vielleicht 15 Minuten stand ich dann auf dem Gipfel des Hochrappenkopfes (2423m). Tja. Logischerweise war es mal wieder ein tolles Gefühl... ;-) Wahrscheinlich wäre der Weg unter normalen Verhältnissen eher "langweilig" gewesen, aber mit all dem Schnee und aufgrund der Tatsache, dass ich bis auf die drei Wanderer am Anfang keinen weiteren Menschen beim Aufstieg zum Gipfel getroffen hatte und hier auch niemand außer mir herumsaß, war es zumindest für mich etwas ziemlich besonderes! Nach einer Brotzeit fing mich dann die Fotogafierwut ein und ich verschoß viele Bilder. Wie ich nach der Entwicklung dann feststellen mußte, sogar vieles doppelt. Auf dem Bild ist unschwer das Gipfelkreuz des Hochrappenkopfes zu erkennen. Im Hintergrund müßten die westlichen Ausläufer der Schafalpenköpfe sein.

Blick vom Hochrappenkopf hinunter zur Rappenseehütte In nordwestlicher Richtung sah man natürlich die Rappenseehütte. Weiterhin sieht man links das Nebelhorn und rechts von der Bildmitte die vier zackigen Gipfel der Höfats.

Meinereiner auf dem Hochrappenkopf, Blick zum Biberkopf Im Südwesten hingegen türmten sich die Nordabstürze des Biberkopfes (2599m) auf. Wie ich per Fernglas feststellen konnte, waren doch ein paar Leute am Gipfel. Allerdings werden sie wohl von Holzgau aus aufgestiegen sein.
Nach der ausgiebigen Rast und der Knipserei ging es wieder hinunter zum Sattel und quasi geradeaus weiter zum Rappenseekopf.

Gipfelkreuz des Rappenseekopfes, Blick Richtung Mädelegabelgruppe Der Weg ist unter normalen Umständen ähnlich einfach einzuschätzen wie der bisherige, einzig allein der rutschige Schnee machte mir ab und zu wieder ein wenig zu schaffen. Aber nach kurzer Zeit war ich dann auch auf dem Gipfel des Rappenseekopfes, welcher mit seinen 2467m sogar noch ein Stück höher ist als der Hochrappenkopf. ;-) Auf dem Bild von links nach rechts: Rothgund Spitze, die Trettachspitze, Mädelegabel, Hochfrottspitze, Bockkar Kopf und Wilder Mann.

Gipfelkreuz des Rappenseekopfes, Blick Richtung Widderstein Im Westen war nun der Hochrappenkopf (Bildmitte) sowie der auffällige Widderstein (2533m) zu sehen. Nach einer weiteren Fotosession mit weiteren doppelten Bildern und erneuter Brotzeit stieg ich dann auf gleichem Wege wieder zur Rappenseehütte ab. Es war nun ca. 15/16 Uhr und ich überlegte was ich weiter tun könnte. Auch am nächsten Tag würden wohl das Hohe Licht und der Biberkopf (zumindest von der Rappenseehütte aus) noch nicht machbar sein - zumindest für mich. Zum Absteigen wäre noch genug Zeit gewesen, aber nunja... Auf der Karte fand ich schließlich unterhalb der Schafalpenköpfe dann den Krumbacher Höhenweg. Nach dem Fernglas und den Tatsachen nach zu urteilen, daß er "nur" auf rund 1800m und eher an Südhängen liegt, schien er mir eine gute Alternative für den nächsten Tag zu sein.

Der Hüttenabend wurde ganz nett, allerdings hörte ich mal wieder ein paar Aussagen, die zeigten, daß man im Gebirge in letzter Instanz auch immer noch einmal selbst die Lage beurteilen und nicht blind anderen vertauen sollte - auch wenn es scheint, daß sie mehr Erfahung und Wissen haben. Ein angeblicher Bergführer (laut seinen Aussagen führte er wohl oft in der Schweiz) meinte nämlich auf meine Frage hin wie es denn mit dem Mindelheimer Klettersteig in der nächsten Woche aussehen könnte (Verhältnisse, Machbarkeit), daß dies für dieses Jahr wohl nicht mehr möglich wäre. Der Schnee wäre dort oben wohl halb vereist und würde auch nicht mehr abtauen. Nunja. Schon am nächsten Tag traf ich Leute, die gerade den Mindelheimer Klettersteig gemacht hatten und auch ich selber bin ihn eine Woche später gegangen. Soviel dazu.

Tag 2

Blick von der Rappenseehütte ins morgendliche Illertal Der nächste Morgen begann mit einem wunderschönen Ausblick ins Illertal (s. Bild). Unten im Tal hingen noch Nebel und Wolken, nur die Berge ragten heraus. Etwas rechts von der Bildmitte ist der Wächter des Allgäus, der Grünten, zu sehen.
Der Abstieg von der Rappenseehütte verlief nun Richtung Westen über die Mittlere Rappen Alpe. Der Wanderweg ist gut markiert und auch ohne Schwierigkeiten zu gehen. Im unteren Teil meiner Karte wird dieser Weg als Eselsweg bezeichnet. Ich kam sehr gut und schnell voran und war vielleicht nach etwas über einer Stunde wieder unten im Tal.

Nach einer kurzen Rast ging es aber gleich wieder an der anderen Talseite bergauf. Der Weg ist weiterhin gut zu gehen, aber nun kam langsam wieder die Sonne hervor und es wurde etwas anstrengender. An der Kreuzung zum Krumbacher Höhenweg auf ca. 1900m entschied ich mich, einen kleinen Abstecher zur Mindelheimer Hütte einzulegen. Sie war nur etwa 20 Minunten entfernt und lud zu einer kleinen Verschnaufspause ein. Danach ging es das gleiche Stück wieder zurück und ab der Kreuzung entlang des Krumbacher Höhenweges immer unterhalb der Schafalpenköpfe.

Allgäuer Hauptkamm von der Fiderescharte aus Der Weg ist überaus angenehm zulaufen und man hat ständig einen wunderschönen Blick hinüber zum Allgäuer Hauptkamm. Da ich in der Zeit bisher recht gut lag, entschied ich mich nicht über die Vordere Taufersberg Alpe in Richtung Birgsau und somit zurück zum Parkplatz abzusteigen, sondern den Weg über die Fiderepaß Hütte zu nehmen. Dieser Weg führt nämlich über die Fiderescharte, welche recht nah am Einstieg zum Mindelheimer Klettersteig liegt und den wollte ich mir mal anschauen. ;-) Der Weg hinauf zur Scharte wurde wieder etwas steiler und nun bekam ich die Quittung für meinen schnellen Angang diesen Morgen: mir ging die Puste ziemlich oft aus. Aber dafür wurde ich an der Scharte wieder mit tollen Ausblicken belohnt. Zum einen kann man von hier aus den gesamten Allgäuer Hauptkamm mit dem Heilbronner Weg überblicken... (s. Bild von links nach rechts: Trettachspitze, Mädelegabel, Hochfrottspitze, Bockkar Kopf, Wilder Mann, Hohes Licht sowie weiter rechts zunächst der Rappenseekopf, ganz rechts der Hochrappenkopf. Hier gibt es noch ein Bild mit Bezeichnungen.)

Blick von Fiderescharte ins Kleinwalsertal mit Hohen Ifen und Fiderepaß Hütte ...und zum anderen liegt im Nordwesten das Kleinwalsertal mit der markanten Silhouette des Hohen Ifen (s. Bild). Außerdem liegt etwas rechts von der Bildmitte die Fiderepaß Hütte im Schnee versteckt. Rechts über ihr der Schüsser (2259m).
Von der Scharte aus geht es wieder knapp 20 Minuten abwärts bis zur Fiderepaß Hütte (2065m). Dies war an einigen wenigen Stellen wieder ein klein wenig heikel, da aufgrund des Nordhanges hier der Schnee etwas vereist war. An der Hütte legte ich wieder eine Pause ein und bestaunte die gar lustige Tierwelt hier oben: ein Hausschwein (wahrscheinlich von der Hütte) interessiere sich ziemlich gelangweilt für den Schäferhund eines Wanderes. Und den Hund brachte das natürlich voll auf die Palme... während das Schwein einfach nur da stand und schaute. ;-)

Blick von der Talstation der Fellhornbahn zum Allgäuer Hauptkamm Von der Hütte ging es dann Richtung Nordosten zunächst bis ca. zur verfallenen Kühgund Alpe (1744m) etwas "steiler" bergab, danach bis ins Tal teilweise auf einem Fahrweg sehr gemächlich. Zum Schluß zog es sich dann wieder ziemlich und die Füße taten langsam aber sicher ein wenig weh. Kurz vor dem Parkplatz tauchte die Sonne die Mädelegabelgruppe und die ihr folgenden Gipfel noch in ein schönes Nachmittagslicht (s. Bild, ganz links wieder die Trettachspitze usw.), bevor es dann wieder zurück nach Hause ging.

Fazit

Wenn wann so will, dann war diese Tour natürlich nicht "erfolgreich", denn keines meiner beiden Ziele (Hohes Licht und Biberkopf) habe ich erreicht. Andererseits war es wieder einmal eine Lektion, dass man im Gebirge nichts erzwingen kann und man sich den Gegebenheiten anzupassen hat - anders läuft es nicht. Und alleine deshalb hat sich das ganze gelohnt!
Letztenendes war es aber so wie es gelaufen ist auch sehr schön gewesen. Ich glaube, dass die Fotos das auch mit der weniger tollen Qualität recht gut zeigen. Hochrappenkopf und Rappenseekopf sind recht einfach zu besteigen und man hat wunderbare Ausblicke ins Illertal und hinüber zu den Schafalpenköpfen. Vom Krumbacher Höhenweg hat man wohl (neben dem Mindelheimer Klettersteig natürlich) die besten Aussichten auf den Allgäuer Hauptkamm und den gesamten Wegverlauf des Heilbronner Weges!

Sonstige Informationen

Link auf andere Webseite | Link auf eine Seite von Sascha's Homepage | Link auf ein Bild