Tag 1
Ich war ca. 7:30 Uhr am Parkplatz der Fellhornstation. Mittlerweile war es um
diese Uhrzeit schon bzw. noch recht frisch und es fröstelte mich.
Den Weg von hier aus bis zur
Rappenseehütte
kannte ich schon in umgekehrter Richtung von der
Heilbronner Weg
Tour mit dem OL-Micha. Bis Einödsbach (1114m, afaik das südlichste bewohnte Dorf
Deutschlands) und noch etwas weiter zieht es sich sehr. Aber dafür gibt es noch
keine irgendwelche beachtenswerten Höhenmeter zu erklimmen und somit galt es
schnell zu laufen, um sich warm zu halten. Ab und zu kann man linker Hand die
beeindruckende Mädelegabelgruppe mit der Trettachspitze, der Mädelegabel und der
Hochfrottspitze erkennen (s. Bild). Schnee war schon von hieraus zu
sehen, ich war recht gespannt, wie die Verhältnisse wohl nun weiter oben
sein würden.
Etwas hinter Einödsbach biegt der Weg dann südöstlich "in den Berg hinein" und
es wird anstrengender. Über eine Jausenstationen gelangte ich schließlich
zur Enzianhütte (1780m). Dies ist eine private Schutzhütte und ich habe
mittlerweile schon zwei Mal gehört, daß es hier eine Sauna (!) geben soll.
Komfort in den Bergen hin oder her - ich dusche auch gerne ohne Duschmarke im
Prinz Luitpold Haus - aber das stelle
ich mir schon edel vor! :-) zum Bild:
der Berg hinter der Hütte müßte der Hochrappenkopf sein. Hinter der
Enzianhütte bleibt der Weg zunächst sehr lange auf einer Höhe und man kann recht
schnell viele Meter hinter sich bringen. Allerdings queren ein paar Ausläufer
des Rappenbaches den Weg und an diesen Stellen ist Vorsicht geboten! Bei Regen
entwicklen sich diese ansonsten kleinen Rinnsale zu wilden Bächen und es gab
im Sommer 2000 genau deswegen und soweit ich weiß wohl in diesem Gebiet einen
Todesfall! Außerdem existierte immer kurz hinter der Enzianhütte bei meinen beiden
"Begehungen" ein Schneefeld, welche gerade diesmal recht tückich war, da es
durch den Bach unten schon ziemlich unterhöhlt gewesen war.
Je höher ich nun zur Rappenseehütte stieg, desto schöner wurde der Ausblick zurück in
das Illertal zum Grünten und natürlich auch zu den Schafalpenköpfen mit dem
Mindelheimer Klettersteig
(s. Bild). Erst kurz vor der Rappenseehütte
tauchte der erste Schnee
auf und somit wurden die letzten Meter nochmal etwas beschwerlicher. Hier
in der "Übergangsregion" gab es entweder glitschigen Matsch, oder aber der Schnee
war festgetreten und somit eher rutschiges Eis.
Und wie es meist so ist: mit einmal taucht das Ziel auf und alle Anstrengungen
sind vergessen! :-) Die
Rappenseehütte
(2091m) (s. Bild) lag nun komplett im Schnee und auch rundherum war alles
weiß. Dies bot eine eigenartige Atmosphäre, da ich sowas bisher nur vom Skifahren her
gewohnt war. Aber nun, eigentlich noch im Sommer, wirkte es anders. Es kam mir vor, als
wenn ich extrem höher als bei meinen bisherigen Touren war. Außerdem waren nur wenige
andere Wanderer hier, anscheinend hatte der Schnee viele abgeschreckt.
Nach einer kurzen Rast fragte ich nun den Hüttenwirt, wie es denn mit dem Hohen
Licht und dem Biberkopf aussehen würde, allerdings nahm er mir schnell alle
Hoffnungen. Seit dem Schneefall sei wohl noch keiner wieder aus Richtung
Heilbronner Weg gekommen und auch beim Biberkopf schaute es schlecht aus. Bei
den Aufstiegen gab es jeweils abschüssiges Gelände, bei welchem man aufgrund des
Schnees leicht ausrutschen kann. Für mich stellte das natürlich ein Problem dar
und somit war die Sache also "gegessen". Allerdings bekam ich den Tipp, doch
den Hochrappenkopf und den Rappenseekopf zu besteigen. Hier lag der
eigentliche Aufstieg jeweils an Südhängen und war auch weniger gefährlich. Somit
ging es von der Hütte aus in südlicher Richtung weiter zum Rappensee. Hier kamen
mir ein paar weitere Leute entgegen, welche ich ebenfalls über die Verhältnisse
ausfragte. Sie kamen gerade vom Hochrappenkopf und meinten, dass es gut machbar
war - auch mit Schnee. :-)
Der Weg war zwar gut zu finden (alles bereits gespurt), aber ganz so einfach
wurde es nun doch nicht. Ich sank ständig mal mehr, mal weniger
ein, aufgrund der stärker werdenden Sonne wurde der Schnee sulziger und somit
etwas "glatt", man wußte nie, was wirklich unter dem Schnee war... Aber schön war
es! Völlige Ruhe, kein Mensch in der Nähe, eine herrliche Landschaft und ich kam
mir vor wie bei einer Hochtour. Das Wetter spielte wunderbar mit und die Zeit drängte
auch nicht. Entsprechend rastete ich auf halber Strecke nochmals. Auf dem Bild
ist hinten rechts der Grünten zu sehen. Nach etwa 45 Minuten erreicht man
einen breiten Sattel zwischen dem Hochrappenkopf rechter Hand (nördlich)
und dem Rappenseekopf linker Hand (östlich). Ich machte mich zunächst zum
Hochrappenkopf auf.
Der Schnee wurde nun noch sulziger - Südhang - und ich sank teilweise sehr stark
ein. Ein Glück, das ich meine Stöcke dabei hatte! Aber nach vielleicht 15 Minuten
stand ich dann auf dem Gipfel des Hochrappenkopfes (2423m). Tja.
Logischerweise war es mal wieder ein tolles Gefühl... ;-) Wahrscheinlich wäre der
Weg unter normalen Verhältnissen eher "langweilig" gewesen, aber mit all dem Schnee
und aufgrund der Tatsache, dass ich bis auf die drei Wanderer am Anfang keinen
weiteren Menschen beim Aufstieg zum Gipfel getroffen hatte und hier auch niemand
außer mir herumsaß, war es zumindest für mich etwas ziemlich besonderes! Nach einer
Brotzeit fing mich dann die Fotogafierwut ein und ich verschoß viele Bilder.
Wie ich nach der Entwicklung dann feststellen mußte, sogar vieles doppelt. Auf
dem Bild ist unschwer das Gipfelkreuz des Hochrappenkopfes zu erkennen. Im Hintergrund
müßten die westlichen Ausläufer der Schafalpenköpfe sein.
In nordwestlicher Richtung sah man natürlich die
Rappenseehütte. Weiterhin sieht
man links das Nebelhorn und rechts von der Bildmitte die vier zackigen Gipfel der
Höfats.
Im Südwesten hingegen türmten sich die Nordabstürze des Biberkopfes (2599m) auf.
Wie ich per Fernglas feststellen konnte, waren doch ein paar Leute am Gipfel. Allerdings
werden sie wohl von Holzgau aus aufgestiegen sein.
Nach der ausgiebigen Rast und der Knipserei ging es wieder hinunter zum Sattel
und quasi geradeaus weiter zum Rappenseekopf.
Der Weg ist unter normalen Umständen ähnlich einfach einzuschätzen wie der bisherige,
einzig allein der rutschige Schnee machte mir ab und zu wieder ein wenig zu schaffen.
Aber nach kurzer Zeit war ich dann auch auf dem Gipfel des Rappenseekopfes,
welcher mit seinen 2467m sogar noch ein Stück höher ist als der Hochrappenkopf. ;-)
Auf dem Bild von links nach rechts: Rothgund Spitze, die Trettachspitze,
Mädelegabel, Hochfrottspitze, Bockkar Kopf und Wilder Mann.
Im Westen war nun der Hochrappenkopf (Bildmitte) sowie der auffällige Widderstein
(2533m) zu sehen. Nach einer weiteren Fotosession mit weiteren doppelten Bildern
und erneuter Brotzeit stieg ich dann auf gleichem Wege wieder zur
Rappenseehütte ab. Es war nun ca. 15/16 Uhr
und ich überlegte was ich weiter tun könnte. Auch am nächsten Tag würden wohl das Hohe
Licht und der Biberkopf (zumindest von der
Rappenseehütte
aus) noch nicht machbar sein - zumindest für mich. Zum Absteigen wäre noch genug Zeit
gewesen, aber nunja... Auf der Karte fand ich schließlich unterhalb der Schafalpenköpfe
dann den Krumbacher Höhenweg. Nach dem Fernglas und den Tatsachen nach zu urteilen, daß er
"nur" auf rund 1800m und eher an Südhängen liegt, schien er mir eine gute Alternative
für den nächsten Tag zu sein.
Der Hüttenabend wurde ganz nett, allerdings hörte ich mal wieder ein paar
Aussagen, die zeigten, daß man im Gebirge in letzter Instanz auch immer
noch einmal selbst die Lage beurteilen und nicht blind anderen vertauen sollte -
auch wenn es scheint, daß sie mehr Erfahung und Wissen haben. Ein angeblicher Bergführer
(laut seinen Aussagen führte er wohl oft in der Schweiz) meinte nämlich auf meine
Frage hin wie es denn mit dem Mindelheimer Klettersteig in der nächsten Woche
aussehen könnte (Verhältnisse, Machbarkeit), daß dies für dieses Jahr wohl nicht
mehr möglich wäre. Der Schnee wäre dort oben wohl halb vereist und würde auch
nicht mehr abtauen. Nunja. Schon am nächsten Tag traf ich Leute, die gerade den
Mindelheimer Klettersteig gemacht hatten und
auch ich selber bin ihn eine Woche
später gegangen. Soviel dazu.
Tag 2
Der nächste Morgen begann mit einem wunderschönen Ausblick ins Illertal
(s. Bild). Unten im Tal hingen noch Nebel und Wolken, nur die Berge ragten
heraus. Etwas rechts von der Bildmitte ist der Wächter des Allgäus, der Grünten,
zu sehen.
Der Abstieg von der
Rappenseehütte
verlief nun Richtung Westen über die Mittlere Rappen Alpe. Der Wanderweg ist gut
markiert und auch ohne Schwierigkeiten zu gehen. Im unteren Teil meiner Karte wird
dieser Weg als Eselsweg bezeichnet. Ich kam sehr gut und schnell voran und war
vielleicht nach etwas über einer Stunde wieder unten im Tal.
Nach einer kurzen Rast ging es aber gleich wieder an der anderen Talseite bergauf.
Der Weg ist weiterhin gut zu gehen, aber nun kam langsam wieder
die Sonne hervor und es wurde etwas anstrengender. An der Kreuzung zum
Krumbacher Höhenweg auf ca. 1900m entschied ich mich, einen kleinen Abstecher
zur Mindelheimer Hütte einzulegen. Sie war nur etwa 20 Minunten entfernt
und lud zu einer kleinen Verschnaufspause ein. Danach ging es das gleiche Stück
wieder zurück und ab der Kreuzung entlang des Krumbacher Höhenweges immer
unterhalb der Schafalpenköpfe.
Der Weg ist überaus angenehm zulaufen und man hat ständig einen wunderschönen
Blick hinüber zum Allgäuer Hauptkamm. Da ich in der Zeit bisher recht gut lag,
entschied ich mich nicht über die Vordere Taufersberg Alpe in Richtung Birgsau
und somit zurück zum Parkplatz abzusteigen, sondern den Weg über die Fiderepaß
Hütte zu nehmen. Dieser Weg führt nämlich über die Fiderescharte, welche
recht nah am Einstieg zum
Mindelheimer Klettersteig
liegt und den wollte ich mir mal anschauen. ;-) Der Weg hinauf zur Scharte wurde
wieder etwas steiler und nun bekam ich die Quittung für meinen schnellen Angang
diesen Morgen: mir ging die Puste ziemlich oft aus. Aber dafür wurde ich an der
Scharte wieder mit tollen Ausblicken belohnt. Zum einen kann man von hier
aus den gesamten Allgäuer Hauptkamm mit dem
Heilbronner Weg
überblicken... (s. Bild von links nach rechts: Trettachspitze, Mädelegabel,
Hochfrottspitze, Bockkar Kopf, Wilder Mann, Hohes Licht sowie weiter rechts
zunächst der Rappenseekopf, ganz rechts der Hochrappenkopf. Hier gibt es noch
ein
Bild mit Bezeichnungen.)
...und zum anderen liegt im Nordwesten das Kleinwalsertal mit der markanten Silhouette
des Hohen Ifen (s. Bild). Außerdem liegt etwas rechts von der Bildmitte die
Fiderepaß Hütte im Schnee versteckt. Rechts über ihr der Schüsser (2259m).
Von der Scharte aus geht es wieder knapp 20 Minuten abwärts bis zur Fiderepaß
Hütte (2065m). Dies war an einigen wenigen Stellen wieder ein klein wenig
heikel, da aufgrund des Nordhanges hier der Schnee etwas vereist war. An der Hütte
legte ich wieder eine Pause ein und bestaunte die gar lustige Tierwelt hier oben:
ein Hausschwein (wahrscheinlich von der Hütte) interessiere sich ziemlich gelangweilt
für den Schäferhund eines Wanderes. Und den Hund brachte das natürlich voll auf die
Palme... während das Schwein einfach nur da stand und schaute. ;-)
Von der Hütte ging es dann Richtung Nordosten zunächst bis ca. zur verfallenen Kühgund
Alpe (1744m) etwas "steiler" bergab, danach bis ins Tal teilweise auf einem Fahrweg
sehr gemächlich. Zum Schluß zog es sich dann wieder ziemlich und die Füße taten langsam
aber sicher ein wenig weh. Kurz vor dem Parkplatz tauchte die Sonne die Mädelegabelgruppe
und die ihr folgenden Gipfel noch in ein schönes Nachmittagslicht (s. Bild, ganz
links wieder die Trettachspitze usw.), bevor es dann wieder zurück nach Hause
ging.
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