Vorgeschichte
Mittlerweile liegt diese Tour schon wieder ziemlich zurück, so dass ich die
genauen Beweggründe für diese unsere (meine) erste Wintertour gar nicht mehr
100%ig sagen kann. Niemand von uns hatte sowas zuvor gemacht (Thema Lawinen &
Co), jeder weiss jedoch von Skitouren und Schneeschuhtouren... und der
"Frust", dass die "Saison" durch den Schnee eigentlich zu Ende ist wuchs... ;-)
Die Idee war schliesslich, eine Winterwanderung einfach mal zu probieren und zu
schauen, ob es denn überhaupt möglich ist. Der
Lawinenlagebericht
für den Bayrischen Alpenraum vom 16.12.01. hatte Gefahrenstufe 3 ausgerufen.
Die Gefahrenstellen lagen oberhalb der Waldgrenze im Steilgelände der Hangrichtungen
Süd, West, Nord. Aus diesem Grund nahmen wir uns die Tour in Richtung Notkarspitze
über Ochsensitz und Ziegelspitz vom Ettaler Sattel aus vor, da der Anstieg komplett
ostseitig verläuft und der Karte nach nicht allzu steil war. Bis zur Ziegelspitz
läuft man außerdem in etwa der Höhe der Waldgrenze. Und: nichts erzwingen, nur
schauen wie weit man kommt!!
Sebastian hatte auch eigene Fotos gemacht, ich habe diese allerdings auf
einer extra Seite mit
weiteren Bildern
zusammengefasst, da sie oft ähnlich Motive haben - bloss ist eben statt
Sebastian meinereiner zu sehen. ;-)
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Bericht
Wir brachen relativ früh auf, da wir keine Zeitprobleme bekommen wollten und auch
nicht genau einschätzen konnten, wie schnell man im Schnee nun vorran kommt. Ich
erinnerte mich an die Tour zur Schneckenlochhöhle im Alläu im Frühsommer 2000 und
das war bei dem sulzigen Restschnee ein echte Schinderei gewesen...
Der Morgen war bitterkalt gewesen: die gesamte Autobahnfahrt von München
bis Ettal war die Heizung im Auto auf Maximum und Gebläsestufe 3 gestellt, bei
Einstellungen darunter beschlugen sofort die Scheiben. In Höhe Kochel am See hatten
wir einen Tiefpunkt von minus 20 °C, am Parkplatz am Ettaler Sattel stand
dann das Termometer auf minus 16 °C! Innerhalb von Minuten wurden unsere
Rucksäcke total steif und wir überlegten, ob uns das weiter oben ggf auch passieren
würde. ;-)
Der Weg war gut zu finden, da alles bestens ausgeschildert ist. Zunächst vom Parkplatz
kurz nach Süden und danach leicht ansteigend den Forstweg in Richtung Südosten.
An dem starken Knick (dort scheint immer Holz gestapelt zu werden) wendet man sich
den weiter ansteigenden Weg nach Westen. Dort geht es nach etwa 50m bis 100m ebenfalls
beschildet nach rechts in den Wald hinein.
Der Weg war gespurt und somit verlief die weitere Wegfindung auch ohne Probleme.
Zunächst erinnerte noch alles ein wenig an eine normale Wanderung z.B. im Thüringer Wald,
nur das es hier und da etwas steiler war und zwischen den Bäumen sich ein paar richtige
Berge blicken liessen. Wir kamen soweit recht gut voran und begannen trotz der Kälte auch
zu schwitzen, so dass hier T-Shirt und ein Fleece ausreichend waren.
Die Winterlandschaft war einfach beeindruckend (siehe Bilder)! Schon jetzt, noch
voll irgendwo im Aufstieg im Wald, hatte sich die Tour zumindest für mich bereits gelohnt.
Auf einem freien Stück (mittleres und rechtes Bild) glitzerte die Sonne wunderbar
im Schnee, im Hintergrund waren Kareck und Bischof des
Estergebirges
zu sehen. Dieses freie Stück befindet sich kurz hinter dem Punkt, wo der direkte Weg/Steig
von Ettal auf den Ostanstieg trifft.
Die Schneehöhe stieg kontinuierlich an. Links und rechts neben der immer noch prima
ausgetretenen Spur türmte es sich oftmals hüfthoch auf und wir wunderten uns schon, wie
man als erster ohne vorhandene Spur hier vorran kommen soll?!
So erreichten wir schliesslich den Gipfel des Ochsensitz (1515m) und legten die
erste Rast ein. Vom Ochsensitz hat man einen schönen Blick hinunter nach Ettal und auf
das Kloster. Des weiteren sind auch die Manndlköfpe sowie das Ettaler Manndl zu sehen
(linkes Bild, Ettaler Manndl ganz rechts der Zacken).
Vom Ochsensitz ging es zunächst eben weiter, immer Richtung Westen. Die Ausgeprägtheit
der Spur nahm spürbar ab, aus einer Furche wurden nach und nach einzelne Tritte. Von
einem Punkt konnte man schliesslich sehr gut den kommenden Wegverlauf des Gratrückens
hinauf zur Ziegelspitz einsehen (linkes Bild). Wir erkannten von dieser Position
noch eine Art Spur, so waren wir zuversichtlich.
Nach einem kurzen bergab erreichten wir den tiefsten Punkt zwischen Ochsensitz und
Ziegelspitz und es ging wieder bergauf. Das Ziel schien schon in greifbaren Nähe, wir
rechneten nur noch mit ein paar Minuten bis zum nächsten Gipfelkreuz... (rechtes Bild)
Plötzlich nahmen die Spuren jedoch weiter ab, bis sie letztenendes komplett verschwanden.
Was wir ein paar Minuten vorher noch als "dicke Furche" gehalten hatten, war nur die Spur
eines Hasen oder eines anderen Tieres gewesen. Was tun? Der weitere Aufstieg am
Gratrücken bis zum Gipfelkreuz war klar ersichtlich. Links Bäume, unter uns Latschen,
rechts ging es seicht bergab. Besonders steil war es soweit nicht, so entschlossen wir uns
es weiter zu versuchen und selbst zu spuren. Wir verfolgten dabei die Tritte
des Hasen immer schön in der Mitte des "Grates". Zunächst sanken wir nur knietief
ein. Da wir jedoch keine Gamschen hatten, war bereits dies nicht besonders toll. ;-)
Dann machte es jedoch einfach mal schwupp und man steckte bis über die Hüfte im Schnee!
Alleine aus so einer Position wieder herauszukommen und einen weiteren Schritt zu machen
gestaltete sich erheblich schwerer als man denkt, denn ein Abstützen mit den Händen ist
natürlich nicht möglich. Wir versuchten unsere Stöcker bei jedem "Schritt" quer zu legen und
somit das Einsinken etwas zu verhindern. Selbiges galt für die Beine, wir legten uns auch
hier mit dem gesamten Schienbein in den Schnee...
Dennoch war dieses Spuren wahnsinnig anstrengend. Nach spätestens 5m bis 10m wechselten
wir uns ab bzw. benötigten eine kurze Rast. Das Gipfelkreuz vor uns kam und kam nicht näher
und es wurde uns klar, dass wir die Notkarspitze auf keinen Fall erreichen und dann
noch im Hellen auch wieder am Parkplatz sein wuerden. Für ein Stück, was im Sommer wahrscheinlich
keine 5 Minuten dauert, benötigten wir fast 30 Minunten...
Wir kämpften uns dennoch weiter und erreichten schliesslich den Gipfel der Ziegelspitz
(1719m). Die Anstrengung war natürlich schnell vergessen! Dezember, Winter, wir auf
1700m und das aus eigener Kraft - sowas hätte ich mir nicht träumen lassen! :-) Die Sicht
war recht klar. Im Nordosten das Ettaler Manndl (linkes Bild, der Zacken links über
Sebastians Kopf), im Süden das
Wetterstein mit Zugspitze und
Alpspitze
(mittleres Bild), davor die
Kramerspitz. Und im Norden lag
Oberammergau mit seinem "Matterhorn", dem
Kofel (rechtes Bild).
Nach dem ersten Rundumblick stellten wir fest, dass unserer Spur etwa vier Gruppen â 2-3
Personen größtenteils mit Schneeschuhen folgten und dann auch etwa 10 Minuten nach uns den
Gipfel erreichten... "Servus, habt ihr hier gespurt...?!" ;-) Auf Nachfrage hin wurde uns
dann auch explizit von einem Weitergehen abgeraten, da unterhalb der Notkarspitze ein recht
lawinengefährdetes Stück kommen soll (konnten Uli und ich dann auch bei einer Tour im
Mai 2002 zur Notkarspitze selbst sehen). Aber wir erhielten von einem Wanderer den Tipp,
dass der
Kofel und das Ettaler Manndl auch im Winter
gut machbar sind. Somit mal einen schönen Dank an "Unbekannt". :-)
Der Wind pfiff hier oben am Gipfel zwar nicht sooo stark, für die Hände reichte dies
allerdings schon für den Übergang von "ist sehr kalt" zu "es tut weh". Unsere Handschuhe,
welche vom Aufstieg total durchnässt und die wir zum Trocken über die Stöcke gehangen
hatten, waren nach dieser doch eher kurzen Zeit am Gipfelkreuz bereits steif gefroren...
Wenn man dies in Relation zu manch anderen Unternehmungen setzt (Westalpentouren,
Notbiwaks, Expeditionen etc.), dann unterschätzt man wirklich wahnsinnig schnell so
manche Situation auch in den hiesigen Bergen...
Wie auch immer, für den Abstieg wählten wir somit die gleiche Route. Interesanterweise
geht es runterwärts fast wie im Flug. Wenn man etwas aufpasst und die Kondition reicht, dann
kann man zumindest im oberen Teil richtig runterrennen, bei einem Sturz fällt man fast immer sehr
weich. Nach kurzer Zeit erreichten wir somit wieder den Ochsensitz
(links Bild). Weiter unten (wieder komplett im Wald) konnte man ebenfalls fast überall
wo sonst große Schritte zu machen sind "runterrutschen". Was im Aufstieg etwa 2,5 Stunden
gedauert hatte, war nun in rund 45 Minuten vergesssen.
Auf dem mittleren Bild ist der Blick vom Forstweg kurz vor dem Parkplatz hin zum
Kofel zu sehen, ganz rechts der Wegweiser
am Parkplatz am Ettaler Sattel.
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Fazit
Kurz und knapp: ich war begeistert! Was im Sommer vielleicht ein
"leichter Nachmittagsausflug" ist, gestaltete sich im Winter wie ein kleine
Expedition, zumindest für uns Neulinge. Mir wurde schnell klar, was wohl der
Reiz an Skitouren sein musste: die wunderbare Winterlandschaft, die Anstrengungen
beim Aufstieg und schliesslich die Abfahrt im jungfräulichen Firn. Das Empfinden
der Berge ist ein ganz anderes, als wenn man sich per Lift sonstwo raufzerren lässt.
*g*
Ich möchte an dieser Stelle einfach mal behaupten, dass sich diese Tour als
Einsteigertour für das Winterwandern eignet. Wahrscheinlich wird bis zum
Ochsensitz fast immer bereits gespurt sein, danach kann man bei der Wegfindung
nicht mehr sooo viel falsch machen. Man bleibt bis auf paar Meter unter dem Gipfel
unterhalb der Waldgrenze, die Steilheit ist ok, überall Latschen und keine
Grashänge... ich schätze aufgrund dessen die Lawinengefahr bis zur Ziegelspitze
generell als weniger bedrohlich ein, als anderswo. Ich möchte an dieser Stelle
aber darauf hinweisen, dass dies nur meine persönliche Meinung ist, sie
kann aus Unwissenheit und fehlender Erfahrung auch total falsch sein!!! Bei
Touren im Winter ist generell der aktuelle Lawinenlagebericht zu beachten, diesen
gibt es z.B. beim
Lawinenwarndienst Bayern.
Hier nochmals ein Hinweis auf
weitere Bilder
zur Tour.
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