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Ziegelspitz (1719m) und Ochsensitz (1515m)

Ammergauer Alpen, 16.12.2001

Vorgeschichte

Mittlerweile liegt diese Tour schon wieder ziemlich zurück, so dass ich die genauen Beweggründe für diese unsere (meine) erste Wintertour gar nicht mehr 100%ig sagen kann. Niemand von uns hatte sowas zuvor gemacht (Thema Lawinen & Co), jeder weiss jedoch von Skitouren und Schneeschuhtouren... und der "Frust", dass die "Saison" durch den Schnee eigentlich zu Ende ist wuchs... ;-)
Die Idee war schliesslich, eine Winterwanderung einfach mal zu probieren und zu schauen, ob es denn überhaupt möglich ist. Der web Lawinenlagebericht für den Bayrischen Alpenraum vom 16.12.01. hatte Gefahrenstufe 3 ausgerufen. Die Gefahrenstellen lagen oberhalb der Waldgrenze im Steilgelände der Hangrichtungen Süd, West, Nord. Aus diesem Grund nahmen wir uns die Tour in Richtung Notkarspitze über Ochsensitz und Ziegelspitz vom Ettaler Sattel aus vor, da der Anstieg komplett ostseitig verläuft und der Karte nach nicht allzu steil war. Bis zur Ziegelspitz läuft man außerdem in etwa der Höhe der Waldgrenze. Und: nichts erzwingen, nur schauen wie weit man kommt!!

Sebastian hatte auch eigene Fotos gemacht, ich habe diese allerdings auf einer extra Seite mit * weiteren Bildern zusammengefasst, da sie oft ähnlich Motive haben - bloss ist eben statt Sebastian meinereiner zu sehen. ;-)

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Überblick

  • Start am Parkplatz Ettaler Sattel (B23)
  • Aufstieg zum Ochsensitz (1515m) über Gießenbach (von Osten)
  • weiterer Aufstieg zur Ziegelspitz (1719m)
  • Abstieg wie Aufstieg

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Bericht

Wir brachen relativ früh auf, da wir keine Zeitprobleme bekommen wollten und auch nicht genau einschätzen konnten, wie schnell man im Schnee nun vorran kommt. Ich erinnerte mich an die Tour zur Schneckenlochhöhle im Alläu im Frühsommer 2000 und das war bei dem sulzigen Restschnee ein echte Schinderei gewesen...

Der Morgen war bitterkalt gewesen: die gesamte Autobahnfahrt von München bis Ettal war die Heizung im Auto auf Maximum und Gebläsestufe 3 gestellt, bei Einstellungen darunter beschlugen sofort die Scheiben. In Höhe Kochel am See hatten wir einen Tiefpunkt von minus 20 °C, am Parkplatz am Ettaler Sattel stand dann das Termometer auf minus 16 °C! Innerhalb von Minuten wurden unsere Rucksäcke total steif und wir überlegten, ob uns das weiter oben ggf auch passieren würde. ;-)

Der Weg war gut zu finden, da alles bestens ausgeschildert ist. Zunächst vom Parkplatz kurz nach Süden und danach leicht ansteigend den Forstweg in Richtung Südosten. An dem starken Knick (dort scheint immer Holz gestapelt zu werden) wendet man sich den weiter ansteigenden Weg nach Westen. Dort geht es nach etwa 50m bis 100m ebenfalls beschildet nach rechts in den Wald hinein.

Aufstieg zum Ochsensitz Aufstieg zum Ochsensitz, im Hintergrund Kareck und Bischof (Estergebirge) Aufstieg zum Ochsensitz
Der Weg war gespurt und somit verlief die weitere Wegfindung auch ohne Probleme. Zunächst erinnerte noch alles ein wenig an eine normale Wanderung z.B. im Thüringer Wald, nur das es hier und da etwas steiler war und zwischen den Bäumen sich ein paar richtige Berge blicken liessen. Wir kamen soweit recht gut voran und begannen trotz der Kälte auch zu schwitzen, so dass hier T-Shirt und ein Fleece ausreichend waren.
Die Winterlandschaft war einfach beeindruckend (siehe Bilder)! Schon jetzt, noch voll irgendwo im Aufstieg im Wald, hatte sich die Tour zumindest für mich bereits gelohnt. Auf einem freien Stück (mittleres und rechtes Bild) glitzerte die Sonne wunderbar im Schnee, im Hintergrund waren Kareck und Bischof des local Estergebirges zu sehen. Dieses freie Stück befindet sich kurz hinter dem Punkt, wo der direkte Weg/Steig von Ettal auf den Ostanstieg trifft.

Gipfel Ochsensitz, Blick hinunter zum Kloster Ettal Sebastian am Gipfel des Ochsensitz, rechts die Ausläufer vom Heimgarten
Die Schneehöhe stieg kontinuierlich an. Links und rechts neben der immer noch prima ausgetretenen Spur türmte es sich oftmals hüfthoch auf und wir wunderten uns schon, wie man als erster ohne vorhandene Spur hier vorran kommen soll?!
So erreichten wir schliesslich den Gipfel des Ochsensitz (1515m) und legten die erste Rast ein. Vom Ochsensitz hat man einen schönen Blick hinunter nach Ettal und auf das Kloster. Des weiteren sind auch die Manndlköfpe sowie das Ettaler Manndl zu sehen (linkes Bild, Ettaler Manndl ganz rechts der Zacken).

Blick auf den Verlauf des Gratrücken der Ziegelspitz Aufstieg am unteren Teil des Gratrückens Aufsiteg am unteren Teil des Gratrückens
Vom Ochsensitz ging es zunächst eben weiter, immer Richtung Westen. Die Ausgeprägtheit der Spur nahm spürbar ab, aus einer Furche wurden nach und nach einzelne Tritte. Von einem Punkt konnte man schliesslich sehr gut den kommenden Wegverlauf des Gratrückens hinauf zur Ziegelspitz einsehen (linkes Bild). Wir erkannten von dieser Position noch eine Art Spur, so waren wir zuversichtlich.
Nach einem kurzen bergab erreichten wir den tiefsten Punkt zwischen Ochsensitz und Ziegelspitz und es ging wieder bergauf. Das Ziel schien schon in greifbaren Nähe, wir rechneten nur noch mit ein paar Minuten bis zum nächsten Gipfelkreuz... (rechtes Bild)

Gratrücken Ziegelspitz, Sebastian spurt knietief Gratrücken Ziegelspitz, Sebastian wühlt sich hinterher Gratrücken Ziegelspitz, kurzes einfaches knöcheltiefes Teilstück
Plötzlich nahmen die Spuren jedoch weiter ab, bis sie letztenendes komplett verschwanden. Was wir ein paar Minuten vorher noch als "dicke Furche" gehalten hatten, war nur die Spur eines Hasen oder eines anderen Tieres gewesen. Was tun? Der weitere Aufstieg am Gratrücken bis zum Gipfelkreuz war klar ersichtlich. Links Bäume, unter uns Latschen, rechts ging es seicht bergab. Besonders steil war es soweit nicht, so entschlossen wir uns es weiter zu versuchen und selbst zu spuren. Wir verfolgten dabei die Tritte des Hasen immer schön in der Mitte des "Grates". Zunächst sanken wir nur knietief ein. Da wir jedoch keine Gamschen hatten, war bereits dies nicht besonders toll. ;-)
Dann machte es jedoch einfach mal schwupp und man steckte bis über die Hüfte im Schnee! Alleine aus so einer Position wieder herauszukommen und einen weiteren Schritt zu machen gestaltete sich erheblich schwerer als man denkt, denn ein Abstützen mit den Händen ist natürlich nicht möglich. Wir versuchten unsere Stöcker bei jedem "Schritt" quer zu legen und somit das Einsinken etwas zu verhindern. Selbiges galt für die Beine, wir legten uns auch hier mit dem gesamten Schienbein in den Schnee...
Dennoch war dieses Spuren wahnsinnig anstrengend. Nach spätestens 5m bis 10m wechselten wir uns ab bzw. benötigten eine kurze Rast. Das Gipfelkreuz vor uns kam und kam nicht näher und es wurde uns klar, dass wir die Notkarspitze auf keinen Fall erreichen und dann noch im Hellen auch wieder am Parkplatz sein wuerden. Für ein Stück, was im Sommer wahrscheinlich keine 5 Minuten dauert, benötigten wir fast 30 Minunten...

Gipfel Ziegelspitz, Blick Richtung Ettaler Mandl und Heimgarten/Herzogstand Gipfel Ziegelspitz, Blick Richung Wetterstein mit Zugspitze und Alpspitze, im Vordergund der Kramer Gipfel Ziegelspitz, Blick Richtung Oberammergau und Kofel
Wir kämpften uns dennoch weiter und erreichten schliesslich den Gipfel der Ziegelspitz (1719m). Die Anstrengung war natürlich schnell vergessen! Dezember, Winter, wir auf 1700m und das aus eigener Kraft - sowas hätte ich mir nicht träumen lassen! :-) Die Sicht war recht klar. Im Nordosten das Ettaler Manndl (linkes Bild, der Zacken links über Sebastians Kopf), im Süden das loc Wetterstein mit Zugspitze und loc Alpspitze (mittleres Bild), davor die loc Kramerspitz. Und im Norden lag Oberammergau mit seinem "Matterhorn", dem loc Kofel (rechtes Bild).
Nach dem ersten Rundumblick stellten wir fest, dass unserer Spur etwa vier Gruppen â 2-3 Personen größtenteils mit Schneeschuhen folgten und dann auch etwa 10 Minuten nach uns den Gipfel erreichten... "Servus, habt ihr hier gespurt...?!" ;-) Auf Nachfrage hin wurde uns dann auch explizit von einem Weitergehen abgeraten, da unterhalb der Notkarspitze ein recht lawinengefährdetes Stück kommen soll (konnten Uli und ich dann auch bei einer Tour im Mai 2002 zur Notkarspitze selbst sehen). Aber wir erhielten von einem Wanderer den Tipp, dass der loc Kofel und das Ettaler Manndl auch im Winter gut machbar sind. Somit mal einen schönen Dank an "Unbekannt". :-)
Der Wind pfiff hier oben am Gipfel zwar nicht sooo stark, für die Hände reichte dies allerdings schon für den Übergang von "ist sehr kalt" zu "es tut weh". Unsere Handschuhe, welche vom Aufstieg total durchnässt und die wir zum Trocken über die Stöcke gehangen hatten, waren nach dieser doch eher kurzen Zeit am Gipfelkreuz bereits steif gefroren... Wenn man dies in Relation zu manch anderen Unternehmungen setzt (Westalpentouren, Notbiwaks, Expeditionen etc.), dann unterschätzt man wirklich wahnsinnig schnell so manche Situation auch in den hiesigen Bergen...

Abstieg, kurz vor dem Ochsensitz Blick zum Kofel Wieder am Ausgangspunkt mit Wegweise
Wie auch immer, für den Abstieg wählten wir somit die gleiche Route. Interesanterweise geht es runterwärts fast wie im Flug. Wenn man etwas aufpasst und die Kondition reicht, dann kann man zumindest im oberen Teil richtig runterrennen, bei einem Sturz fällt man fast immer sehr weich. Nach kurzer Zeit erreichten wir somit wieder den Ochsensitz (links Bild). Weiter unten (wieder komplett im Wald) konnte man ebenfalls fast überall wo sonst große Schritte zu machen sind "runterrutschen". Was im Aufstieg etwa 2,5 Stunden gedauert hatte, war nun in rund 45 Minuten vergesssen.
Auf dem mittleren Bild ist der Blick vom Forstweg kurz vor dem Parkplatz hin zum loc Kofel zu sehen, ganz rechts der Wegweiser am Parkplatz am Ettaler Sattel.

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Fazit

Kurz und knapp: ich war begeistert! Was im Sommer vielleicht ein "leichter Nachmittagsausflug" ist, gestaltete sich im Winter wie ein kleine Expedition, zumindest für uns Neulinge. Mir wurde schnell klar, was wohl der Reiz an Skitouren sein musste: die wunderbare Winterlandschaft, die Anstrengungen beim Aufstieg und schliesslich die Abfahrt im jungfräulichen Firn. Das Empfinden der Berge ist ein ganz anderes, als wenn man sich per Lift sonstwo raufzerren lässt. *g*

Ich möchte an dieser Stelle einfach mal behaupten, dass sich diese Tour als Einsteigertour für das Winterwandern eignet. Wahrscheinlich wird bis zum Ochsensitz fast immer bereits gespurt sein, danach kann man bei der Wegfindung nicht mehr sooo viel falsch machen. Man bleibt bis auf paar Meter unter dem Gipfel unterhalb der Waldgrenze, die Steilheit ist ok, überall Latschen und keine Grashänge... ich schätze aufgrund dessen die Lawinengefahr bis zur Ziegelspitze generell als weniger bedrohlich ein, als anderswo. Ich möchte an dieser Stelle aber darauf hinweisen, dass dies nur meine persönliche Meinung ist, sie kann aus Unwissenheit und fehlender Erfahrung auch total falsch sein!!! Bei Touren im Winter ist generell der aktuelle Lawinenlagebericht zu beachten, diesen gibt es z.B. beim * Lawinenwarndienst Bayern.

Hier nochmals ein Hinweis auf * weitere Bilder zur Tour.

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