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Vorgeschichte
Überblick Eindrücke Fazit |
Biwak RotwandkopfBayrische Voralpen, 09/10.02.2002 |
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Vorgeschichte
Vor dieser Tour hatte ich "seit langem" zwei Ziele oder Ideen: zum einem wollte ich den
Grat zwischen Heimgarten und Herzogstand bei wenig Betrieb, möglicherweise im Winter,
gehen und zum anderen einmal "richtig" biwakieren. Der Entschluß beides zu kombinieren
war deshalb recht schnell gefaßt. Die Ausführungen stellen weniger eine Beschreibung der Tour bzw. des "Weges" dar, sondern eher die Eindrücke beim Biwak bei sehr unangenehmen Wetter... |
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Überblick
Schwierigkeitsbewertung: einfache Winterwanderung
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Eindrücke
Das Wetter in München war in den letzten Tagen etwas durchwachsen gewesen: nicht
besonders gut, aber auch nicht wirklich schlecht. Der
Der Weg biegt auf etwa 1400m scharf gen Norden ab und quert östlich den Rotwandkopf. Man kann jedoch auch über ihn zur Ohlstädter Alm gehen, was ich in diesem Fall auch tat. Die Querung schien mir damals mit dem Schnee nicht ganz geheuer, also quasi "obenrum". Dies kostete natürlich weitere Höhenmeter, Kraft und Zeit.
Meine Unsicherheit klärte sich, da ich erst im halbdunkel an der Ohlstädter Alm eintraf. Jetzt noch weiterzugehen wäre wohl grober Umfug gewesen und ich war ehrlich gesagt auch schon genug ausgepumpt.
Die Stimmung war nun natürlich ziemlich cool! Irgendwo alleine in den Bergen,
völlige Ruhe, trotz der geringen Höhe schon eine tolle Aussicht auf den Walchesee und
ich würde die Nacht hier verbringen! Der nun folgende kursive Teil beschreibt nur die Nacht, als das Wetter umschlug...
Ich schlief zunächst natürlich schlecht ein. Zum einen, da es eigentlich viel zu
früh war und zum anderen, weil ich eben doch irendwie aufgrund der Stimmung aufgeregt
war. Von einem tollen Sternenhimmel war aufgrund der Wolken leider so gut wie gar nichts
zu sehen und es gab auch immer wieder Windböhen... Wie im Zelt hört man ebenfalls auf dem Biwaksack die Tropfen. Die Tropfen wurden stärker und es begann richtig zu regnen. Langsam machte ich mir Sorgen: was, falls dies die ganze Nacht anhält? Ich zog den Biwaksack immer mehr zu und konnte mich so drehen, dass Wind und Regen an meinen Rücken "prallten". Das kleine Überdach hielt leider nicht viel ab. Es wurde mehr und mehr böhiger und irgendwie... ja, irgendwie war das anscheinend kein richtiger Regen mehr... das war Schneeregen! Ich versuchte mich damit abzufinden und mir Mut zu machen: das sind hier nur 1400m, du bist direkt neben einer kleinen Hütte, im Normalfall ist man in knapp zwei Stunden im Tal, ich habe Essen und Trinken, es ist nicht kalt und ansonsten alles dabei... Im Halbschlaf bemerkte ich, wie der Schneeregen immer wieder zu- und abnahm. Hat es aufgehört? Ein Umdrehen brachte schnell die Gewissheit: nein! Wenn ich die Stirnlampe einschaltete, dann sah es genauso aus, als wenn man in der Nacht im Auto bei starken Schneetreiben fährt: die Flocken rasen wie in einem Tunnel auf einen zu. Wahnsinn! Wenn es die ganze Nacht so stark schneien sollte, wie wird morgen dann die Lawinensituation aussehen? Komme ich bei 30cm oder 50cm Neuschnee überhaupt normal runter? Sollte ich lieber jetzt zusammenpacken und versuchen solange es noch geht in der Nacht abzusteigen? Meine Spuren werden aber bestimmt schon zugeweht sein, finde ich den Weg noch? Dann kam langsam aber sicher der unangenehme Punkt: die Blase drückt. Ich weiß nicht, wie lange ich versucht habe es zu unterdrücken (mittlerweile war es vielleicht 24 Uhr), aber es nützte nichts, ich mußte aus dem Schlafsack hinaus... Es war unangenehm, denn aus dieser naß-kalten Winterlandschaft würde es nicht wieder zurück in ein warmes Haus mit einem gemütlichem warmen Bett gehen. Nein, ich würde mich etwa 2m hinter mir wieder auf den Boden legen und mit etwas "Nylongewebe mit kältefester Beschichtung" zudecken. In dieser Situation mußte ich dann doch komischerweise etwas lachen... Wie dem auch sei, in der kurzen Zeit des Aus- und wieder Einsteigens gelangte natürlich Feuchtigkeit in den Schlafsack. Im Halsbereich sowie an den Unterarmen war es nun alles andere als "angenehem Schlafsackwarm". Zudem verschlechterte sich das Wetter weiter. Die Böhen wurden immer heftiger und aus dem Schneefall (welchem man ja unter Umständen noch etwas "schönes weihnachtliches" abgewinnen könnte) wurden richtige Graupelschauer! In Wellen kamen sie heran und es pfiff von allen Seiten. Die Wand und das kleine Überdach der Hütte nützen nicht mehr viel. Es war so stark, dass ich freiwillig den Biwaksack soweit es ging zuzog. Nur noch ein Loch von vielleicht ein oder zwei Fingern für die notwendige Atemluft blieb offen. Als ich dies zu Hause mit dem Biwaksack einmal testete, zog ich die Schlaufen mehr oder weniger sofort nach dem Zuziehen wieder auf... hier oben nun kämpfe ich mich regelgerecht von Minute zu Minute. Mir war nun klar, dass Biwaksäcke absichtlich so konstruiert sind. Die Zeit verging nicht und das Wetter wurde ebenfalls nicht besser. 1 Uhr, 2 Uhr... zwischenzeitlich mußte ich nochmals raus, um meine restlichen Sachen (Rucksack usw) so gut es ging irgendwie an der Hütte zu sichern. Ich hatte Angst, dass der Wind irgendetwas fortreißt. Natürlich wurde ich vom Graupel naß, der Schlafsack flog kurz auf und es schneite in ihn herein... Beim Wiederhineinsteigen war es von innen total klamm und nach außen hin zum Biwaksack stand das Wasser. Allerdings war mir Gott sei Dank nicht kalt. Ich hatte etwa zwei bis drei Lagen warme Klamotten an, dann einen dünnen Sommerschlafsack bis vielleicht ca. 18°C, dann meinen richtigen Schlafsack bis 3°C (beide Synthetik) und schließlich einen Biwaksack, welcher jedoch von innen aluminisiert ist. Von Zeit zu Zeit lies ich kurz Frischluft durch die Öffnung des Biwaksackes hinein. Ich hatte Gedanken wie: "Was würde passieren, falls ich doch einschlafe und nicht genug Sauerstoff durch das Loch gelange würde..." Ich versuchte einfach durchzuhalten und wartete auf den Morgen. Jetzt abzusteigen wäre für mich vollkommen unmöglich gewesen. Bis etwa 3 Uhr harrte ich so aus, dann schlief ich doch irgendwie ein... So gegen 6 Uhr wachte ich etwas verpeilt auf. Es war noch dunkel, aber das Wetter schien sich beruhigt zu haben. Zwischen den Wolken konnte ich kurz immer wieder etwas Himmel erkennen. Es war ein wahnsinnig erleichterndes Gefühl und ich versuchte bis zum Sonnenaufgang noch etwas zu schlafen.
Kurz vor dem Parkplatz kamen mir noch ein Vater mit seinen zwei kleinern Kindern
entgegen. Sie schauten mich ziemlich perplex an. Es war früh am Morgen und es kommt
ihnen jemand mit einem Riesen-Rucksack entgegben, zwei Kopfkissen im Gesicht und
mit Sicherheit alles andere als angenehm riechend... ;-) |
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FazitTja, im nachhinein gibt es nach so einer Tour bzw. Nacht natürlich einiges zu erzählen. Obwohl andererseits im nachhinein ja eigentlich nichts weltbewegendes passiert war: einfacher Aufstieg in den Bayrischen Voralpen, Biwak mit etwas schlechten Wetter und Abstieg am nächsten Tag. Wie vielen ist sowas bereits wiederfahren? Manch passionierter Westalpen-Bergsteiger wird sich vor Lachen nicht mehr halten können, bei solch "Kinderkram"... Dennoch denke ich mit gemischten Gefühlen zurück. Die Nacht selber war für mich recht hart, ich habe mich dabei nicht wohlgefühlt und war froh, als es vorbei war. Zu zweit wäre es vielleicht einfacher gewesen, aber ich weiß jetzt, was man bei solchen Aktionen erwarten kann und muß. Und ich kann mir dunkel vorstellen, wie einem bei einem Unfall oder bei einem ungewollten Biwak in den "richtigen" Bergen zumute werden kann. Wenn man es selber nicht erlebt hat, dann unterschätzt man es! Fakt ist auf jeden Fall: lieber auf den Wetterbericht hören! :-) Und zur Sicherheit gehört bei Touren im Winter in jedem Rucksack eigentlich immer eine entsprechende (Notfall)Ausrüstung: Biwaksack, warme Wechselsachen, etwas Essen+Trinken mehr als sonst, Taschenlampe... Noch zwei Links:
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