· über gaehnchen.de ·
· Tourenliste · Gipfelliste · Hüttenliste ·
· Links · Gästebuch · Sitemap ·

Predigtstuhl (1920m)

Karwendel, 21.07.2001

Vorgeschichte

An diesem Wochenende besuchten ein paar Kumpels und ich und zwei Freunde in München und wir planten wieder eine Tageswanderung in die Berge, ähnlich der ins Estergebirge in den Bayrischen Voralpen. Insgesamt waren wir sechs Leute: Michael, Lars (rechts im Bild), Matthias (links im Bild), Uli, Sebastian und meinereiner.
Unser aller eigentliches Ziel, die 2372m hohe Westliche Karwendelspitze bei Mittenwald, legten wir mehr oder weniger gut durchdacht erst kurzfristig am Vorabend fest. Zu Schaden ist zwar niemand gekommen, aber man könnte es mal so sagen: "Nicht alle Teilnehmer erreichten den Gipfel". ;-)

Überblick

  • 7:00 Uhr mit dem Zug von München nach Mittenwald
  • Aufstieg zur Mittenwalder Hütte
  • Karwendelsteig bis ca. 1750m
  • Abstieg über Mittelwalder Hütte
  • Aufstieg zur Dammkarhütte über den Ochsenbodensteig
  • Besteigung des Predigtstuhls
  • Abstieg zurück nach Mittenwald über einen Fahrweg
  • 19:00 Uhr mit dem Zug zurück nach München

Bericht

Start in Mittenwald Wenn sich die "Ilmenauer Rasselbande" nach etwas Zeit mal wieder in relativ großer Besetzung trifft, dann dauert es natürlich mit dem abends ins Bett kommen. Somit entschieden wir uns dann nicht für den ersten Zug Richtung Garmisch, sondern nahmen den 7:00 Uhr Zug von München nach Mittenwald - und selbst den erreichten wir nur noch sehr knapp. ;-) Zwei Stunden später waren in Mittenwald und ca. 9:15 Uhr starteten wir vom ersten Wegweiser aus zur Mittenwalder Hütte. (s. Bild, von links nach recht: Micha, Lars, Matthias, Uli und vorne Sebastian)

Das Wetter sah zu diesem Zeitpunkt alles andere als gut aus: Nebel, tief hängende Wolken, regnerisch... eigentlich ungemütlich. Aber für den Tag war Wetterbesserung angesagt und wir sahen schon im Zug viele weitere Wanderer, die wohl auch darauf hofften. Dennoch waren wir auf dem schönen Wanderweg zur Mittenwalder Hütte zunächst ziemlich alleine. Ab und zu gaben die Bäume und die Wolken die Sicht frei auf Mittenwald, die nähere Umgebung sowie auf die "Wanne" nördlich der Hütte. Weiter oben war allerdings alles grau in grau zugezogen.

Rast an der Mittenwalder Hütte Schon gegen 10:15 Uhr erreichten wir schließlich die Mittenwalder Hütte (1518m). Hier gab es erst einmal eine kleine Stärkung bevor es dann den Karwendelsteig weiter gehen sollte (s. Bild). Hinter der Hütte stehen übrigens noch viele Käfige mit Kanninchen, darunter auch Maria die Hüttenmaus (59kB). Im AV-Führer Karwendel (ältere Ausgabe) stand nichts von irgendwelchen "besonderen" Schwierigkeiten, nur dass ein paar Drahtseilversicherungen existieren. Kurz hinter der Hütte warnten allerdings viele Schilder vor dem "alpinen Weg" der Erfahrung benötigt und nur von "Geübten" begangen werden soll. Eigentlich hätten wir alle an dieser Stelle (und wohl besonders ich) einmal pausieren müssen und generell in die Runde fragen, ob es jemand störte. Die Sache ist nämlich die, das es Uli nicht so ganz mit der Höhe hat und ausgesetzte Stellen für ihn nicht unbedingt gut sind. Aber dummerweise tat dies niemand (Uli eingeschlossen) und somit ging es erst einmal weiter...

Sebastian, Lars und Micha kurz hinter dem Beginn des Karwendelsteigs Der Weg schlängelte sich zunächst an allerlei Gestrüpp und kleineren Sträuchern vorbei. Hier und da gab es ein paar Kraxeleien und auch eine (unschwierige, ganz und gar nicht senkrechte) Leiter machte etwas mehr Spaß als die bisherige "normale Wanderei" hinauf zur Hütte. Plötzlich rissen auch die Wolken etwas auf, die Sonne trat hervor und wir alle freuten uns schon auf eine super Aussicht auf dem Gipfel, vielleicht sogar mal über den Wolken... Auf dem Bild sind Sebastian, Lars und Michael zu sehen, kurz nachdem es auf den Karwendelsteig ging. Weiter unten liegt Mittenwald.

Karwendelsteig Doch dann änderte sich der Weg: nach einem kurzen Knick konnte man sehen, wie in einer langgezogenen Linkskurve der Weg immer weiter am Hang entlang ging. Man blieb fast auf einer Höhe, rechter Hand gingen die Felsen steil nach oben, linker Hand wurde es mehr und mehr abschüssiger und nach und nach kamen die Drahtseile (s. Bild). Eigentlich störte es von den anderen niemand so als das es Probleme damit gäbe. Aber ich blieb die ganze Zeit wieter hinten bei Uli und merkte dann schon, dass dies für ihn nicht so toll war. Etwa bei 1750m Höhe (wir hatten die Seilbahn noch nicht gequert) war es dann auch soweit und Uli meinte, dass er hier lieber nicht weiter gehen möchte und umkehren will. Dumm gelaufen kann man da nur sagen, vor allem weil wir *alle* dies zum einen bei den "Warnschildern" und zum anderen schon gestern bei der Planung hätten merken können und müssen - denn von den drei Karten die wir von der Gegend hatten, war auf einer dieser Weg gepunktet eingezeichnet, hingegen der Weg über die Dammkar Hütte auf allen komplett normal. Wie dem auch sei, nach etwas Hin- und Herlauferei (der Rest war ja schon ziemlich weiter vorne) entschloß ich mich mit Uli zurück zur Mittenwalder Hütte abzusteigen und den anderen dann gemeinsam über die Dammkar Hütte entgegen zu gehen. Auf die Westliche Karwendelspitze verzichtete ich somit, aber dies war auf jeden Fall die richtige Entscheidung!

Somit stiegen Uli und ich wieder ab und der Rest setzte den geplanten Weg fort. Zurück bei der Mittenwalder Hütte hatte sich das Wetter um einiges gebessert und nun waren auch viele andere Wanderer hier. Wir gönnten und ein Radler und genossen nun die prima Aussicht: im Westen konnte man Teile der Wettersteinwände sehen und im Nordwesten erkannten wir das Estergebirge mit allen Gipfeln die wir rund zwei Monate zuvor bestiegen hatten - den Bischof, den Krottenkopf und den Oberen Rißkopf.

Meinereiner, im Hintergrund das letzte Wegstück zur Damkar Hütte Vielleicht 13 Uhr ging es dann den schon bekannten Weg hinunter bis wir schließlich unseren Ausgangspunkt gegen ca. 14 Uhr fast wieder erreicht hatten. Bei der Erzgrube (steht zumindest auf der Karte ;) gabelte sich der Weg allerdings auch wieder. Hinauf ging es über den Ochsenbodensteig zur Dammkarhütte. Nun knallte die Sonne richtig heftig und trotz des einfaches Weges kamen Uli und ich nun gut ins schwitzen. Der Schatten der Bäume und jeder kleiner Windzug waren angenhem. Warum dieser Weg nun aber auch wie der Karwendelsteig als "Steig" bezeichnet wird ist mir allerdings ein Rätsel, denn nicht ein einzigtes Drahtseil ist mir in Erinnerung. :-) Sehr gemächlich ging es Richtung Nordwesten aufwärts, bis ein Knick schließlich den Blick auf das Dammkar, die Dammkar Hütte und die darumliegenen Berge freigab - beeindruckend (s. Bild)! Von diesem schönen in Aussichtpunkt ging es nochmals kurz bergab, danach ist ein kleines Geröllfeld nördlich der Kreuzwand zu queren.

Rast an der Dammkar Hütte, im Hintergrund das Estergebirge Nun hatten wir es fast geschafft, nur noch ein paar Serpentinen und ca. 100 bis 200 Hm (ächtzs) trennten uns von der Dammkar Hütte (1650m). Hier gab es erstmal wieder ein obligatorisches Radler (~16 Uhr)!
Die Dammkar Hütte ist keine AV-Hütte, aber sah zumindest von außen sehr urig aus! Man hat eine wunderschöne Aussicht auf das Estergebirge im Nordwesten (s. Bild). Ansonten liegt die Hütte voll in einem Kessel und ist von hohen Gipfeln umringt. Es erinnerte mich ein wenig an die Lage des Prinz Luitpold Hauses in den Allgäuer Alpen. Außerdem gab es Unmengen an respektlosen Bergdohlen. :-) Sobald man auch nur einer etwas zum Fressen hingeworfen hatte, so war man sofort von bis zu zehn anderen Vögeln umringt - weitere zehn bis zwanzig sassen auf der Hütte und schauten (wahrscheinlich vollgefressen) zu. Hier warteten wir auf den Rest von uns. Sie wollten von der Westlichen Karwendelspitze durch das Hintere Dammkar zur Hütte gehen.

Gipfelkreuz Predigtstuhl mit Blick Richtung Estergebirge Uli brachte mich dann auf die Idee, noch fix den Predigtstuhl (1920m), welcher anscheinend unschwierig zu erreichen wäre und gleich "neben" der Hütte lag, mitzunehmen. Wenigstens ein "kleiner Gipfel" wäre ja schon ganz nett. Ich wartete somit noch bis die anderen eintrafen, aber von ihnen hatte keiner mehr Lust. So ging ich alleine los und benötigte für die 600 Höhenmeter (hoch und runter) nur runde 45 Minuten. Allerdings fielen davon bestimmt nur 5 auf den Abstieg, da es in dem Geröllfeld zum Predigtstuhl nur noch ein "kontrolliertes" Rutschen und kein Gehen mehr war. Entsprechend assig (ja, assig!) war der Aufstieg! Ständiges zurückgerutsche machte ein normales Vorrankommen fast nicht möglich und durch dieses "Getappel" war ich auch ständig aus der Puste. So versuchte ich dann linker Hand den Fels zu erreichen, um dort am Rand entlang bis zum richtigen Weg, welcher von der Bergwachthütte etwas weiter oben kommt, zu gelangen. Das klappte dann Gott sei Dank auch. Die restlichen paar Meter bis zum Gipfel waren dann wieder normal. Somit hatte ich dann doch noch ein kleines Gipfelerlebnis an diesem Tag und wurde mit tollen Aussichten in das Vordere und das Hintere Dammkar, sowie natürlich hinunter zur Hütte belohnt (63kB). Auf dem Bild gibt es noch einmal einen Blick in Richtung Estergebirge.

Bierzelt in Mittenwald Nach dem Abstieg gingen wir dann wieder alle zusammen von der Dammkar Hütte zurück nach Mittenwald, allerdings nicht über den Ochsensteig, sondern wir hielten uns an der großen "Schilderkreuzung" unterhalb der Hütte geradeaus. Dieser Weg führte dann auf eine Art Fahrstrasse und brachte uns auch wieder genau an unserem Ausgangpunkt zurück.
Unten in Mittenwald war noch ein Bierzelt aufgebaut, dass mußte natürlich noch für Speis und Trank genutzt werden, bevor es dann mit dem 19:00 Uhr Zug wieder nach München ging (s. Bild).

Fazit

Tja. Hätten wir am Vortag *besser* zusammen geplant, so wären wir alle komplett bis auf 2100m gekommen und vielleicht sogar auch zum Gipfel. So allerdings war es ein wenig dumm gelaufen...
Allerdings bereuhe ich meinen Entschluß nicht im geringsten! Nicht, weil der Rest oben auf dem Gipfel keine tolle Sicht durch viele Wolken gehabt hatte, sondern weil ich meiner Meinung nach eine wichtige Entscheidung beim "Bergsteigen" richtig getroffen hatte: keinen Kameraden in einer unangenehmen Situation alleine lassen, auch falls der Einzelne und der Rest der Gruppe damit einverstanden gewesen wären! Natürlich hätte Uli die "paar Meter" zurück zur Mittenwalder Hütte auch alleine geschafft, aber das wäre irgendwie blöde und die ganze restliche Zeit mit Sicherheit auch langweiliger gewesen. Und die Westliche Karwendelspitze wird wohl auch noch in 20 Jahren dort stehen wo sie jetzt ist. ;-)
Ansonsten war es mal wieder sehr schön gewesen, mit dem Wetter hatten wir ein wahnsinniges Glück... wunderbar also. :)

web Link auf andere Webseite | local Link auf eine Seite von Sascha's Homepage | pic Link auf ein Bild