Bericht
Wenn sich die "Ilmenauer Rasselbande" nach etwas Zeit mal wieder in relativ
großer Besetzung trifft, dann dauert es natürlich mit dem abends ins Bett kommen.
Somit entschieden wir uns dann nicht für den ersten Zug Richtung Garmisch, sondern
nahmen den 7:00 Uhr Zug von München nach Mittenwald - und selbst den
erreichten wir nur noch sehr knapp. ;-) Zwei Stunden später waren in Mittenwald
und ca. 9:15 Uhr starteten wir vom ersten Wegweiser aus zur Mittenwalder Hütte.
(s. Bild, von links nach recht: Micha, Lars, Matthias, Uli und vorne Sebastian)
Das Wetter sah zu diesem Zeitpunkt alles andere als gut aus: Nebel, tief hängende
Wolken, regnerisch... eigentlich ungemütlich. Aber für den Tag war Wetterbesserung
angesagt und wir sahen schon im Zug viele weitere Wanderer, die wohl auch darauf hofften.
Dennoch waren wir auf dem schönen Wanderweg zur Mittenwalder Hütte zunächst
ziemlich alleine. Ab und zu gaben die Bäume und die Wolken die Sicht frei auf
Mittenwald, die nähere Umgebung sowie auf die "Wanne" nördlich der Hütte. Weiter
oben war allerdings alles grau in grau zugezogen.
Schon gegen 10:15 Uhr erreichten wir schließlich die Mittenwalder Hütte
(1518m). Hier gab es erst einmal eine kleine Stärkung bevor es dann den
Karwendelsteig weiter gehen sollte (s. Bild). Hinter der
Hütte stehen übrigens noch viele Käfige mit Kanninchen, darunter auch
Maria
die Hüttenmaus (59kB). Im AV-Führer Karwendel (ältere Ausgabe)
stand nichts von irgendwelchen "besonderen" Schwierigkeiten, nur dass ein paar
Drahtseilversicherungen existieren. Kurz hinter der Hütte warnten allerdings
viele Schilder vor dem "alpinen Weg" der Erfahrung benötigt und nur von "Geübten"
begangen werden soll. Eigentlich hätten wir alle an dieser Stelle (und wohl
besonders ich) einmal pausieren müssen und generell in die Runde fragen, ob
es jemand störte. Die Sache ist nämlich die, das es Uli nicht so ganz mit der Höhe
hat und ausgesetzte Stellen für ihn nicht unbedingt gut sind. Aber dummerweise
tat dies niemand (Uli eingeschlossen) und somit ging es erst einmal weiter...
Der Weg schlängelte sich zunächst an allerlei Gestrüpp und kleineren Sträuchern
vorbei. Hier und da gab es ein paar Kraxeleien und auch eine (unschwierige,
ganz und gar nicht senkrechte) Leiter machte etwas mehr Spaß als die
bisherige "normale Wanderei" hinauf zur Hütte. Plötzlich rissen auch die
Wolken etwas auf, die Sonne trat hervor und wir alle freuten uns schon auf
eine super Aussicht auf dem Gipfel, vielleicht sogar mal über den Wolken...
Auf dem Bild sind Sebastian, Lars und Michael zu sehen, kurz nachdem es auf den
Karwendelsteig ging. Weiter unten liegt Mittenwald.
Doch dann änderte sich der Weg: nach einem kurzen Knick konnte man sehen, wie
in einer langgezogenen Linkskurve der Weg immer weiter am Hang entlang ging.
Man blieb fast auf einer Höhe, rechter Hand gingen die Felsen steil nach oben,
linker Hand wurde es mehr und mehr abschüssiger und nach und nach
kamen die Drahtseile (s. Bild). Eigentlich störte es von den anderen
niemand so als das es Probleme damit gäbe. Aber ich blieb die ganze Zeit wieter
hinten bei Uli und merkte dann schon, dass dies für ihn nicht so toll war. Etwa
bei 1750m Höhe (wir hatten die Seilbahn noch nicht gequert) war es dann auch
soweit und Uli meinte, dass er hier lieber nicht weiter gehen möchte und
umkehren will. Dumm gelaufen kann man da nur sagen, vor allem weil wir
*alle* dies zum einen bei den "Warnschildern" und zum anderen schon gestern bei
der Planung hätten merken können und müssen - denn von den drei Karten die wir von
der Gegend hatten, war auf einer dieser Weg gepunktet eingezeichnet, hingegen der
Weg über die Dammkar Hütte auf allen komplett normal. Wie dem auch sei, nach etwas
Hin- und Herlauferei (der Rest war ja schon ziemlich weiter vorne) entschloß ich
mich mit Uli zurück zur Mittenwalder Hütte abzusteigen und den anderen dann gemeinsam
über die Dammkar Hütte entgegen zu gehen. Auf die Westliche Karwendelspitze verzichtete
ich somit, aber dies war auf jeden Fall die richtige Entscheidung!
Somit stiegen Uli und ich wieder ab und der Rest setzte den geplanten Weg fort.
Zurück bei der Mittenwalder Hütte hatte sich das Wetter um einiges
gebessert und nun waren auch viele andere Wanderer hier. Wir gönnten und ein
Radler und genossen nun die prima Aussicht: im Westen konnte man Teile der
Wettersteinwände sehen und im Nordwesten erkannten wir das
Estergebirge
mit allen Gipfeln die wir rund zwei Monate zuvor bestiegen hatten - den Bischof,
den Krottenkopf und den Oberen Rißkopf.
Vielleicht 13 Uhr ging es dann den schon bekannten Weg hinunter bis wir schließlich
unseren Ausgangspunkt gegen ca. 14 Uhr fast wieder erreicht hatten. Bei der
Erzgrube (steht zumindest auf der Karte ;) gabelte sich der Weg allerdings auch
wieder. Hinauf ging es über den Ochsenbodensteig zur Dammkarhütte. Nun knallte
die Sonne richtig heftig und trotz des einfaches Weges kamen Uli und ich nun gut
ins schwitzen. Der Schatten der Bäume und jeder kleiner Windzug waren angenhem.
Warum dieser Weg nun aber auch wie der Karwendelsteig als "Steig" bezeichnet
wird ist mir allerdings ein Rätsel, denn nicht ein einzigtes Drahtseil ist mir
in Erinnerung. :-) Sehr gemächlich ging es Richtung Nordwesten aufwärts,
bis ein Knick schließlich den Blick auf das Dammkar, die Dammkar Hütte und die
darumliegenen Berge freigab - beeindruckend (s. Bild)!
Von diesem schönen in Aussichtpunkt ging es nochmals kurz bergab, danach
ist ein kleines Geröllfeld nördlich der Kreuzwand zu queren.
Nun hatten wir es fast geschafft, nur noch ein paar Serpentinen und ca. 100 bis
200 Hm (ächtzs) trennten uns von der Dammkar Hütte (1650m). Hier gab es
erstmal wieder ein obligatorisches Radler (~16 Uhr)!
Die Dammkar Hütte ist keine AV-Hütte, aber sah zumindest von außen sehr urig aus!
Man hat eine wunderschöne Aussicht auf das
Estergebirge
im Nordwesten (s. Bild).
Ansonten liegt die Hütte voll in einem Kessel und ist von hohen Gipfeln umringt.
Es erinnerte mich ein wenig an die Lage des
Prinz Luitpold Hauses in den
Allgäuer Alpen. Außerdem gab
es Unmengen an respektlosen Bergdohlen. :-) Sobald man auch nur einer etwas
zum Fressen hingeworfen hatte, so war man sofort von bis zu zehn anderen Vögeln
umringt - weitere zehn bis zwanzig sassen auf der Hütte und schauten (wahrscheinlich
vollgefressen) zu. Hier warteten wir auf den Rest von uns. Sie wollten von
der Westlichen Karwendelspitze durch das Hintere Dammkar zur Hütte gehen.
Uli brachte mich
dann auf die Idee, noch fix den Predigtstuhl (1920m), welcher anscheinend
unschwierig zu erreichen wäre und gleich "neben" der Hütte lag, mitzunehmen.
Wenigstens ein "kleiner Gipfel" wäre ja schon ganz nett. Ich wartete somit noch
bis die anderen eintrafen, aber von ihnen hatte keiner mehr Lust. So ging ich
alleine los und benötigte für die 600 Höhenmeter (hoch und runter) nur runde
45 Minuten. Allerdings fielen davon bestimmt nur 5 auf den Abstieg, da es in
dem Geröllfeld zum Predigtstuhl nur noch ein "kontrolliertes" Rutschen und
kein Gehen mehr war. Entsprechend assig (ja, assig!) war der Aufstieg! Ständiges
zurückgerutsche machte ein normales Vorrankommen fast nicht möglich und durch
dieses "Getappel" war ich auch ständig aus der Puste. So versuchte ich dann linker
Hand den Fels zu erreichen, um dort am Rand entlang bis zum richtigen Weg,
welcher von der Bergwachthütte etwas weiter oben kommt, zu gelangen. Das
klappte dann Gott sei Dank auch. Die restlichen paar Meter bis zum Gipfel
waren dann wieder normal. Somit hatte ich dann doch noch ein kleines Gipfelerlebnis
an diesem Tag und wurde mit tollen Aussichten in das Vordere und das
Hintere Dammkar, sowie natürlich
hinunter zur Hütte belohnt (63kB). Auf dem Bild
gibt es noch einmal einen Blick in Richtung Estergebirge.
Nach dem Abstieg gingen wir dann wieder alle zusammen von der Dammkar Hütte
zurück nach Mittenwald, allerdings nicht über den Ochsensteig, sondern wir
hielten uns an der großen "Schilderkreuzung" unterhalb der Hütte geradeaus.
Dieser Weg führte dann auf eine Art Fahrstrasse und brachte uns auch wieder
genau an unserem Ausgangpunkt zurück.
Unten in Mittenwald war noch ein Bierzelt aufgebaut, dass mußte natürlich noch
für Speis und Trank genutzt werden, bevor es dann mit dem 19:00 Uhr Zug
wieder nach München ging (s. Bild).
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