Eindrücke
Der Aufstieg über den Pürzlgrat hat im unteren Teil ein paar steilere
Abschnitte im Wald, weiter oben gibt es hier und da ein paar Kraxelstellen,
ansonsten aber recht gut gangbar. Auf dem mittleren Bild ist die Hohe Munde
(2662m) in der Mieminger Kette zu sehen, rechts die äußerst beeindruckenden
Westabstürze der Pleisen Spitze (2569m).
Vom Gipfel der Brunnstein Spitze (2180m) aus hat man bei entsprechender
Sicht einen schönen und recht umfassenden Ausblick: im Süden der Alpenhauptkamm
(ganz links), im Westen die Mieminger Kette, die "Arnspitzgruppe" und das
Wettersteingebirge (mittleres und rechtes Bild) sowie im Osten natürlich das Karwendel.
Danach ging es weiter bis zur Tiroler Hütte (2153m), welche mit sechs
Schlafgelegenheiten einfach nur urig ist! :-) Dort trafen wir auf einen einzelnen
Wanderer, welche von der Bergstation der Karwendelbahn aus den Mittenwalder Höhenweg
gegangen war und nur von vereinzelten Schneefeldern und etwa 3 bis 4 Stunden Gehzeit
sprach. Das machte uns Lust vielleicht doch noch ein wenig weiter als bis
zur Kirchl Spitze zu gehen. Von der Zeit her lagen wir mit ca. 12:30 Uhr auch noch
recht gut, insofern...
Der erste Teil des Klettersteiges bestand aus ein paar recht gut versicherten Graten.
Schwindelfrei und trittsicher sollte man aber dennoch sein, da es zu beiden Seiten schon
ziemlich ausgesetzt ist. Fast ständig hat man wunderschöne Ausblicke in den nördlichen Teil
des Karwendels. Besonders beeindruckend empfanden wir die Westseite der Pleisenspitze
(rechtes Bild). Dort konnten wir auch einen Lawinenabgang/Felssturz im oberen Teil der Wand
sehen - und vor allem hören! Zunächst glaubten wir an ein Flugzeug oder Hubschrauber, aber das
Grollen entwickelte sich irgendwie dumpfer und vor allem bedrohlicher. Es hielt ca. 1 bis 2 Minuten
an und wir waren ziemlich gebannt von dieser Naturgewalt. So ein Geräusch möchte ich wirklich
nur aus sicherer Entfernung hören...
Der weitere Weg war recht abwechslungsreich. Kleine versicherte Kletterstellen wechselten sich
mit "normalen Wanderwegen" ab. Nichts wirklich schwieriges bis zu diesem Abschnitt, aber dennoch
war natürlich mehr Aufmerksamkeit als sonst gefordert!
Wo wir uns jeweils genau befunden haben, wußten wir leider nicht genau. Dazu war (wie ich
besonders im Nachhinein festgestellt hatte) die freytag & berndt Karte WK322 1:50.000 einfach zu
ungenau. Wir kamen aber rein von der Zeit her an einen Punkt, wo sich ein Umdrehen nicht mehr
wirklich gelohnt hätte und so beschlossen wir, bis zur Karwendel Spitze durchzugehen und von
dort aus mit der Seilbahn oder zu Fuß (den Weg kannte zumindest Michael schon von der
Tour zum Predigtstuhl) nach Mittenwald
abzusteigen. Bisher lief der Klettersteig ja recht gut...
...doch dann änderte sich der Weg allerdings schlagartig. Man stieg rechter Hand gut 100 bis 200
Höhenmeter ab, um dann (ich schätze es war) die Sulzleklamm Spitze nordseitig zu queren. Der
trockene Boden und der Fels wurden zunächst feucht, dann ziemlich schlammig und schließlich kam der
Schnee. Zunächst war alles noch kein Problem, da alles bestens gespurt und auch nicht großartig
ausgesetzt war. Außerdem gab es natürlich Versicherungen...
Dann bogen wir um ein Ecke und konnten einen Teil des "wahren Ausmaßes" sehen: die eigentliche
Querung der Nordwand. Richtig verschneit. Zwar gespurt, aber dennoch oft knöcheltief. Im Gegensatz
zum bisherigen Wegverlauf stärker ausgesetzt und: die Versicherungen lagen teilweise komplett unter
dem Schnee. Damit hatten wir nicht gerechnet, erst recht nicht nach den Aussagen des Wanderers
von der Tiroler Hütte!
Für das Umkehren war es mittlerweile schon recht spät und die Bergstation der Karwendelbahn war
nun auf jeden Fall näher. Uns kamen gerade an dieser Stelle auch weitere Wanderer entgegen, so
dass wir uns dann doch durch den Schnee wagten. Die Querung war auf jeden Fall heikler als die
Bilder dies auszudrücken vermögen. Bei normalen Bedinungen ist dieser Teil mit Sicherheit der
Höhepunkt des gesamten Weges, mit dem Schnee allerdings nicht unbedingt empfehlenswert!
Nach diesen Schneefeldern aufgrund der nordseitigen Lage verbesserte sich der Zustand des Weges
wieder. Ein kurzer Anstieg und wir konnten auf einem weiteren "Gipfel" ein wenig rasten. Danach
folgte richtig schönes Klettersteiggelände: Bretter, Leiter, Grate, Kraxeleien... doch
es trübte es sich zusehens von Südwest aus ein und langsam aber sicher wünschten wir uns endlich
an die Seilbahnstation.
Etwa in Höhe des Abzweiges des Heinrich Noê Weges (Abstieg zur Brunnstein Hütte) teilt sich der
Weg in Richtung Seilbahnstation und man hat zwei Möglichkeiten dorthin zu gelangen. Die beiden
Wegstücke sind in etwa gleich lang, wir entschieden uns auf Anraten entgekommender Wanderer für
den linken Weg, da dieser angeblich "interessanter" wäre. Als sollten wir diesen Tag nicht schon
genug "falsche Informationen" bekommen haben *g*, so traten wir auch hier ins "Fettnäpfchen" und
erwischten genau den schwierigeren Abschnitt. Wieder Schnee, wieder gespurt, aber ebenfalls
auch wieder recht ausgesetzt und meist verschneite Sicherungen. Und ohne Grödel o.ä. wäre uns ein
Ausrutscher mit Sicherheit nicht gut bekommen.
Der Abschnitt war allerdings nicht sooo lang und so erreichten wir schließlich das Ende des
Höhenweges (oder je nachdem eben den Anfang). Von diesem Punkt aus hatten wir nochmals einen
prima Blick in den kleinen Kessel rings um die Bergstation der Karwendelbahn sowie auch zurück
in Richtung Alpenhauptkamm. Dort klarte es bereits schon wieder auf (Bild in der Mitte).
An der Seilbahnstation bekamen wir dann noch einen kleinen Schreck: auf einer Übersichtstafel wurde
der Mittenwalder Höhenweg ganz klar und deutlich als gesperrt ausgewiesen und wir haben ja nur
zu gut feststellen können warum. Dummerweise hatten wir an der Tiroler Hütte keinerlei ähnliche
Schilder gesehen, allerdings haben wir diesbezüglich auch nicht den Hüttenwirt nach der Lage
gefragt, sondern eben dem entgegenkommenden Wanderer vertraut... Ich möchte mir gar nicht ausmalen
was passiert wäre, wenn einer von uns beiden aus einem dummen Zufall doch ausgerutscht wäre. :-(
Mit der Seilbahn ging es schließlich hinunter nach Mittenwald und weiter mit dem Zug zurück nach
Scharnitz...
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