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Mittenwalder Höhenweg

Karwendel, 29.09.2001

Vorgeschichte

Eigentlich war ja für diese Wanderung die Hohe Munde in der Mieminger Kette eingeplant, da Michael dort gerne einmal rauf wollte. Allerdings verlegten wir das Ziel dann doch recht kurzfristig, da es die Woche davor Schnee runter bis etwa 2300m gegeben hatte und wir lieber etwas mit "Gipfelsicherheit" ansteuern wollte...
Die Wahl viel auf die Brunnsteinspitze (2180m) bei Scharnitz. Vor dort aus wollten wir dann ein wenig den Mittenwalder Klettersteig bis etwa zu Kirchl Spitze gehen und dann wieder zurück. Coolerweise entwickelte es sich dann doch ein wenig anders und wir gingen schließlich den kompletten Höhenweg.

Überblick

  • Bahnhof Scharnitz (964m)
  • über Pürzlgrat auf die Brunnstein Spitze (2180m)
  • Tiroler Hütte (2150m)
  • Mittenwalder Höhenweg (Klettersteig zwischen 2100-2300m)
  • Bergstation der Karwendelbahn (ca. 2100m)
  • mit der Seilbahn hinunter nach Mittenwald nach mit dem Zug nach Scharnitz

Eindrücke

Aufstieg zur Brunnsteinspitze über den XXX Steig Micha und die Hohe Munde Westabstürze der Pleisenspitze
Der Aufstieg über den Pürzlgrat hat im unteren Teil ein paar steilere Abschnitte im Wald, weiter oben gibt es hier und da ein paar Kraxelstellen, ansonsten aber recht gut gangbar. Auf dem mittleren Bild ist die Hohe Munde (2662m) in der Mieminger Kette zu sehen, rechts die äußerst beeindruckenden Westabstürze der Pleisen Spitze (2569m).

Gipfel der Brunnsteinspitze, im Hintergrund der Alpenhauptkamm Meinereiner auf der Brunnsteinspitze, im Hintergrund Wetterstein mit Zugspitzplatt Mieminger Kette und Wetterstein von der Brunnsteinspitze aus
Vom Gipfel der Brunnstein Spitze (2180m) aus hat man bei entsprechender Sicht einen schönen und recht umfassenden Ausblick: im Süden der Alpenhauptkamm (ganz links), im Westen die Mieminger Kette, die "Arnspitzgruppe" und das Wettersteingebirge (mittleres und rechtes Bild) sowie im Osten natürlich das Karwendel.

Blick hinunter nach Scharnitz Tiroler Hütte, Pleisen Spitze (rechts) Mittenwalder Höhenweg
Danach ging es weiter bis zur Tiroler Hütte (2153m), welche mit sechs Schlafgelegenheiten einfach nur urig ist! :-) Dort trafen wir auf einen einzelnen Wanderer, welche von der Bergstation der Karwendelbahn aus den Mittenwalder Höhenweg gegangen war und nur von vereinzelten Schneefeldern und etwa 3 bis 4 Stunden Gehzeit sprach. Das machte uns Lust vielleicht doch noch ein wenig weiter als bis zur Kirchl Spitze zu gehen. Von der Zeit her lagen wir mit ca. 12:30 Uhr auch noch recht gut, insofern...

Anfang des Mittenwalder Höhenweges Pleisenspitze
Der erste Teil des Klettersteiges bestand aus ein paar recht gut versicherten Graten. Schwindelfrei und trittsicher sollte man aber dennoch sein, da es zu beiden Seiten schon ziemlich ausgesetzt ist. Fast ständig hat man wunderschöne Ausblicke in den nördlichen Teil des Karwendels. Besonders beeindruckend empfanden wir die Westseite der Pleisenspitze (rechtes Bild). Dort konnten wir auch einen Lawinenabgang/Felssturz im oberen Teil der Wand sehen - und vor allem hören! Zunächst glaubten wir an ein Flugzeug oder Hubschrauber, aber das Grollen entwickelte sich irgendwie dumpfer und vor allem bedrohlicher. Es hielt ca. 1 bis 2 Minuten an und wir waren ziemlich gebannt von dieser Naturgewalt. So ein Geräusch möchte ich wirklich nur aus sicherer Entfernung hören...

Mittenwalder Höhenweg, Blick Richtung Alpenhauptkamm Mittenwalder Höhenweg, Blick Richtung Estergebirge
Der weitere Weg war recht abwechslungsreich. Kleine versicherte Kletterstellen wechselten sich mit "normalen Wanderwegen" ab. Nichts wirklich schwieriges bis zu diesem Abschnitt, aber dennoch war natürlich mehr Aufmerksamkeit als sonst gefordert!
Wo wir uns jeweils genau befunden haben, wußten wir leider nicht genau. Dazu war (wie ich besonders im Nachhinein festgestellt hatte) die freytag & berndt Karte WK322 1:50.000 einfach zu ungenau. Wir kamen aber rein von der Zeit her an einen Punkt, wo sich ein Umdrehen nicht mehr wirklich gelohnt hätte und so beschlossen wir, bis zur Karwendel Spitze durchzugehen und von dort aus mit der Seilbahn oder zu Fuß (den Weg kannte zumindest Michael schon von der Tour zum Predigtstuhl) nach Mittenwald abzusteigen. Bisher lief der Klettersteig ja recht gut...

Mittenwalder Höhenweg Mittenwalder Höhenweg Mittenwalder Höhenweg Mittenwalder Höhenweg Mittenwalder Höhenweg
...doch dann änderte sich der Weg allerdings schlagartig. Man stieg rechter Hand gut 100 bis 200 Höhenmeter ab, um dann (ich schätze es war) die Sulzleklamm Spitze nordseitig zu queren. Der trockene Boden und der Fels wurden zunächst feucht, dann ziemlich schlammig und schließlich kam der Schnee. Zunächst war alles noch kein Problem, da alles bestens gespurt und auch nicht großartig ausgesetzt war. Außerdem gab es natürlich Versicherungen...
Dann bogen wir um ein Ecke und konnten einen Teil des "wahren Ausmaßes" sehen: die eigentliche Querung der Nordwand. Richtig verschneit. Zwar gespurt, aber dennoch oft knöcheltief. Im Gegensatz zum bisherigen Wegverlauf stärker ausgesetzt und: die Versicherungen lagen teilweise komplett unter dem Schnee. Damit hatten wir nicht gerechnet, erst recht nicht nach den Aussagen des Wanderers von der Tiroler Hütte!
Für das Umkehren war es mittlerweile schon recht spät und die Bergstation der Karwendelbahn war nun auf jeden Fall näher. Uns kamen gerade an dieser Stelle auch weitere Wanderer entgegen, so dass wir uns dann doch durch den Schnee wagten. Die Querung war auf jeden Fall heikler als die Bilder dies auszudrücken vermögen. Bei normalen Bedinungen ist dieser Teil mit Sicherheit der Höhepunkt des gesamten Weges, mit dem Schnee allerdings nicht unbedingt empfehlenswert!

Mittenwalder Höhenweg Mittenwalder Höhenweg Mittenwalder Höhenweg, große Leiter
Nach diesen Schneefeldern aufgrund der nordseitigen Lage verbesserte sich der Zustand des Weges wieder. Ein kurzer Anstieg und wir konnten auf einem weiteren "Gipfel" ein wenig rasten. Danach folgte richtig schönes Klettersteiggelände: Bretter, Leiter, Grate, Kraxeleien... doch es trübte es sich zusehens von Südwest aus ein und langsam aber sicher wünschten wir uns endlich an die Seilbahnstation.
Etwa in Höhe des Abzweiges des Heinrich Noê Weges (Abstieg zur Brunnstein Hütte) teilt sich der Weg in Richtung Seilbahnstation und man hat zwei Möglichkeiten dorthin zu gelangen. Die beiden Wegstücke sind in etwa gleich lang, wir entschieden uns auf Anraten entgekommender Wanderer für den linken Weg, da dieser angeblich "interessanter" wäre. Als sollten wir diesen Tag nicht schon genug "falsche Informationen" bekommen haben *g*, so traten wir auch hier ins "Fettnäpfchen" und erwischten genau den schwierigeren Abschnitt. Wieder Schnee, wieder gespurt, aber ebenfalls auch wieder recht ausgesetzt und meist verschneite Sicherungen. Und ohne Grödel o.ä. wäre uns ein Ausrutscher mit Sicherheit nicht gut bekommen.

Ausstieg Mittenwalder Höhenweg, Gipfelstation Karwendelbahn, rechts oben die
        Westliche Karwendelspitze Blick zurück zur Brunnsteinspitze und Alpenhauptkamm Höhenwege im Bereich der Karwendelbahn
Der Abschnitt war allerdings nicht sooo lang und so erreichten wir schließlich das Ende des Höhenweges (oder je nachdem eben den Anfang). Von diesem Punkt aus hatten wir nochmals einen prima Blick in den kleinen Kessel rings um die Bergstation der Karwendelbahn sowie auch zurück in Richtung Alpenhauptkamm. Dort klarte es bereits schon wieder auf (Bild in der Mitte).
An der Seilbahnstation bekamen wir dann noch einen kleinen Schreck: auf einer Übersichtstafel wurde der Mittenwalder Höhenweg ganz klar und deutlich als gesperrt ausgewiesen und wir haben ja nur zu gut feststellen können warum. Dummerweise hatten wir an der Tiroler Hütte keinerlei ähnliche Schilder gesehen, allerdings haben wir diesbezüglich auch nicht den Hüttenwirt nach der Lage gefragt, sondern eben dem entgegenkommenden Wanderer vertraut... Ich möchte mir gar nicht ausmalen was passiert wäre, wenn einer von uns beiden aus einem dummen Zufall doch ausgerutscht wäre. :-(
Mit der Seilbahn ging es schließlich hinunter nach Mittenwald und weiter mit dem Zug zurück nach Scharnitz...

Fazit

Der Mittenwalder Höhenweg ist unter normalen Bedingungen ein wirklich sehr schöner Höhenweg/Klettersteig und sehr empfehlenswert. Die Schwierigkeit wird mit "mäßig schwierig" bewertet und ist meiner Meinung nach absolut zutreffend. Falls man allerdings ohne Seilbahn auch noch zu- und absteigen möchte, so hat man zumindest kondinionell doch schon eine recht knackige Tour vor sich.

Was unsere Schnee-Situation angeht: im nachhinein war es ohne Zweifel ein ziemliches Erlebnis und hat (zumindest mir) auch wahnsinnig Spaß bereitet, doch waren die zwei beschriebenen Passagen eben tatsächlich sehr heikel. Im Sommer mag für erfahrene Klettersteiggeher die Ausgesetztheit aufgrund der Versicherungen auch ohne Klettersteigset "nicht weiter wild" sein, doch mit dem Schnee schaute es eben anders aus.
Ein wenig fragwürdig empfinde ich die Unternehmungen derer, die uns von der Seilbahn entgegengekommen sind und das Warnschild wissendlich "missachtet" haben. Denn neben offensichtlich erfahrenen Leuten waren auch einige unterwegs, die wohl absolut nicht wussten wo sie da gerade rumspazieren...

Die Gehzeiten habe ich leider nur noch überaus grob im Gedächtnis:

  • 09:00 Scharnitz
  • 11:30 Brunnsteinspitze
  • 12:30 Abmarsch in Richtung Klettersteig
  • 16:00 Seilbahnabfahrt

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