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Vorgeschichte
Überblick
Eindrücke
Fazit
 

Hohe Geige (3395m)

Ötztaler Alpen, 06/07.09.2003

   

Vorgeschichte

Für meinen Grundkurs Eis beim Taschachaus wollte ich zuvor noch eine "Eingehtour" unternehmen. Georg nahm auch an dem Kurs teil und suchte eine Mitfahrgelegenheit zum Treffpunkt in Mandarfen im Pitztal. So klappte es, dass wir an einem Samstag Morgen zum Parkplatz zwischen Weißwald und Planggeroß im Pitztal fuhren (quasi einen Katzensprung vom Treffpunkt) und von dort aus über die Rüsselsheimer Hütte die Hohe Geige über den Westgrat bestiegen. Nach einer Nacht auf der Hütte ging es am Sonntag gemütlich zurück ins Tal und weiter nach Mandarfen.

Überblick

Schwierigkeitsbewertung: Bergtour , II (eine Stelle)

  • Parkplatz Rüsselsheimer Hütte (ca. 1600m)
  • Rüsselsheimer Hütte (2323m)
  • Hohe Geige (3395m) über Westgrat
  • Abstieg über Normalweg zur Rüsselheimer Hütte (2323m)
  • Übernachtung auf der Hütte
  • Spaziergang zum Weißmaurachkar (2516m)
  • Abstieg zum Parkplatz (ca. 1600m)

Eindrücke

Blick vom Parkplatz zur Rüsselsheimer Hütte Auf dem Weg zur Gahwinden, Blick zur Rüsselsheimer Hütte
Nach etwas Stau und bei recht durchwachsenem Wetter starteten wir gegen 9:45 Uhr am beschilderten Parkplatz zur Rüsselsheimer Hütte (ca. 1600m). Sehr interessant: man kann von hier aus bereits die Hütte sehen, der Weg sah recht steil aus. Entsprechend wollten wir den Aufstieg sehr ruhig angehen, doch irgendwie erreichten wir bereits nach einer knappen Stunde die Hütte. Das dies bei unserem weiterem Vorhaben eindeutig zu schnell war, sollte speziell Georg noch merken...

Die Rüsselsheimer Hütte (2323m, auch Neue Chemnitzer Hütte) stellte sich als eine überaus gemütliche Hütte heraus! Wir bezogen kurz unsere Lager und machten Brotzeit. Der freundliche Hüttenwirt meinte, dass der Westgrat zur Hohen Geige soweit "schneefrei" ist und gegenüber dem Normalweg nicht schwieriger wäre - das wunderte mich jedoch, da dies gegenüber den Infos im AV-Führer abwich (Normalweg "nix", Westgrat II). Wie geplant entschieden Georg und ich uns somit den Westgrat für den Aufstieg zu nutzen und den Normalweg abzusteigen.

Am Gahwinden, Blick zum Talende Pitztal Am Gahwinden, Blick ins Pitztal zum Inntal
Bereits am riesigen Wegweiser gleich hinter der Hütte sind alle "wichtigen" Wege ausgeschildert. Zum Westgrat der Hohen Geige steigt man zunächst einen normal bezeichneten Wanderweg, welcher hier und da ein paar Tiefblicke über steile grasige Hänge bis zur Hütte bietet, bis zur Gahwinden (2649m) auf. Dies ist ein schöner grasiger Rücken mit "Gipfelkreuz" und einer netten Aussichtsbank.
Auf dem linken Bild ist der Blick von der Gahwinden zum Talende des Pitztales und von dort aus weiter ins Taschachtal zu sehen. Markiert ist der Standort des Taschachhauses. Auf dem rechten Bild der Blick ins untere Pitztal zum Inntal hin zu sehen.

Beginn des Westgrates Georg am Westgrat Georg am Westgrat
Der "Einstieg" zum Westgrat ist beschildert und nicht zu übersehen (linkes Bild). Die Markierungen werden sofort spärlicher und auch der Weg wandelt sich zu einem eher kleinerem Trampelpfad, bis es schließlich weglos im Fels weitergeht. Ab und muß man nun die roten Punkte oder aber Steinmandl in vielen verschiedenen Größen suchen, richtig versteigen kann man sich meiner Meinung nach jedoch nicht.

Der Grat selber ist im unteren Abschnitt maximal eine I, fast überall kann man "schwierigere" Stellen umgehen. Mehr zu achten ist auf das recht brüchige Gestein. Vor allem viele größere Blöcke sind teilweise recht lose. Zur Ausgestetztheit kann ich nicht viel schreiben, die Wolken verhinderten die meisten Tiefblicke. ;-) Mit dem Schnee (es hatte die Woche davor wohl teilweise bis 2500m hinab geschneit) hatten wir am Grat kein Probleme (siehe rechtes Bild): nordseitig gab es Schnee, am Grat und südseitig war bereits alles wieder weggetaut.

Schlüsselstelle am Westgrat, bevor es wieder zum Normalweg geht Posen
Nach einer großen flacheren Stelle mit einigen Platten bei etwa 3000m ist es nicht mehr weit bis zur "Schlüsselstelle" auf etwa 3100m. Der Grat wird kurz schmal und ausgesetzt, man umgeht dieses Stück jedoch rechter Hand / südseitig. Auf dem linken Bild steht Georg gerade an diesem Punkt. Links die Nordseite mit Schnee, rechts am Bildrand klettert man kurz in die Flanke ab. Hier gibt es wohl die einzigste richtige IIer Stelle. Auf dem rechten Bild die Stelle von der anderen Seite aus gesehen, in den Wolken sollte sich die Watzespitze verbergen.

Übergang zum Normalweg Minigletscher vor dem letzten Gipfelaufschwung zur Hohen Geige
Nicht weit hinter der Schlüsselstelle geht es wieder rechts in die Flanke. Der Übergang zum Normalweg bleibt zunächst auf etwa gleicher Höhe bzw. verliert sogar einige Höhenmeter (siehe linkes Bild), bevor die Wege sich schließlich vereinigen und es zusammen teilweise steiler wieder bergauf geht.
Nach diesem kurzen Aufschwung gelangt man zu einem nettem "Minigletscher" (siehe rechtes Bild). Der Weg verläuft eigentlich oberhalb des Gletschers, wir sind nur für ein paar Fotos "unten herum" gegangen. Die Hohe Geige ist nicht im Hintergrund zu sehen, sie liegt links außerhalb des Bildes, das Gipfelkreuz ist von hier aus bereits zu sehen.
Das letzte Stück verläuft wieder etwas steiler am Gipfelgrat.

Meinereiner am Gipfel der Hohen Geige Blick vom Gipfel zum Inneren Pirchelkarferner Abstieg
Wir erreichten den Gipfel der Hohen Geige gegen 14:45 Uhr und hatten somit etwa 3 Stunden von der Hütte benötigt. Die Sicht war leider bescheiden und es wurde ziemlich kalt. Ein warmes Oberteil samt Mütze und Handschuhe waren notwendig! Somit stiegen wir bereits nach der Brotzeit und ein paar Fotos wieder ab. Auf dem mittleren Bild ist der Blick zum stark ausgeaperten Inneren Pirchelkarferner zu sehen, auf dem rechten Bild der Abstieg am Gipfelgrat zurück zum Minigletscher.

Der Abstieg am Normalweg hat soweit keine richtigen Kletterstellen, jedoch ziemliches steiles Gehgelände. Hier und da kann es aufgrund Steinchen und Schotter etwas rutschig werden.

Lager in der Rüsselsheimer Hütte
Etwa 17 Uhr erreichten wir nach einigen Pausen wieder die Rüsselsheimer Hütte. Unsere Lager waren wirklich sehr gut! Alle zwei Personen wurde die "Schlafparzelle" durch ein Brett getrennt, entsprechend hat jeder seitlich genug Platz und es "verschiebt" sich in der Nacht nichts (siehe Bild). Außerdem gibt es am Kopfende für jeden eine Art aufklappbare Truhe (auf dem Bild liegt der gestreifte Pullover von Georg darauf), die groß genug für viele wichtige Gegenstände ist. Das Essen war ebenfalls reichhaltig und lecker...

Anmerkung zur Höhe: Wie bereits geschrieben sind wir vom Parkplatz aus (~1600m) recht schnell bis zur Hütte aufgestiegen und von dort aus weiter bis auf rund 3400m. Schon ab 1500m stellt sich der Körper auf die veränderten Bedingungen ein (z.B. Steigerung der Atemfrequenz), auf 3400m Höhe beträgt der Sauerstoffgehalt der Luft bereits nur noch zwischen 60% und 70% (Zugspitze etwa 70%).
Bis auf etwas "Gejapse" über 3000m hatte ich bisher keine wirklichen Probleme mit der Höhe. Georg meinte jedoch bereits im Aufstieg, dass er die erste Nacht auf Hütten oberhalb 2000m recht unruhig schläft und oftmals Kopfschmerzen bekommt....
Wahrscheinlich durch den schnellen Aufstieg an einem Tag war es diesmal bei mir auch etwas anders. Am Minigletscher war mir kurzzeitig etwas schwindelig, dies gab sich jedoch sofort beim Stehenbleiben und etwas warten. Am Gipfel und beim Abstieg war alles schon wieder "normal". Georg wurde jedoch beim Abstieg zunehmend ruhiger und meinte dann, dass es ihm nicht gut ginge. Kopfschmerzen und Übelkeit plagten ihn. Wir machten einige Pausen, welche auch halfen. Zurück an der Hütte wurden die Kopfschmerzen stärker und die Übelkeit nahm ebenfalls wieder zu. Georg entschloss sich nun doch eine Paracetalmol zu nehmen, diese kam aber innerhalb von 5 Minuten wieder raus... Im Laufe des Abends und nach etwas Ausruhen ging es ihm Gott sei Dank wieder besser. Bis zur Nachtruhe hatte er keine Probleme mehr.
Langer Rede kurzer Sinn: über Höhenprobleme hatte ich mich bisher nur in einschlägiger Literatur informiert, es selber erlebt bzw. miterlebt noch nicht. Auch wenn soweit überhaupt nichts dramatisches passiert ist, finde ich es recht heftig, wie bereits in vergleichsweise geringen Höhen solche Anpassungsreaktionen des Körpers auftreten...

Am nächsten Tag schliefen wir aus und standen als letzte Gruppe im Lager erst gegen 8/9 Uhr auf. Das Wetter hatte sich etwas gebessert, aber da heute Nachmittag unser Grundkurs Eis auf dem Taschachhaus beginnen würde, wollten wir es ruhig angehen und noch ausspannen.

Panorama vom Weißmaurachkar gegen die Watzespitze
Von der Hütte stiegen wir kurz zu dem kleinen See im Weißmaurachkar auf, der Weiterweg würde normalerweise zum Mainzer Höhenweg führen. Das Panorama zeigt den Blick auf den Kaunergrat. Besonders beeindruckend: die Watzespitze (links der Bildmitte). Rechts daneben Verpeilspitze und Rofele Wand.

Rüsselsheimer Hütte gegen die Watztespitze (links)
Nach der Rast ging es wieder zurück zur Hütte. Zur Mittagszeit konnten wir nun die Sonne bei etwas Apfelstrudel und Kaffee geniessen, bevor wir langsam wieder zurück zum Parkplatz abstiegen und nach Mandarfen fuhren.

Fazit

Leider hatten Georg und ich kein so tolles Wetter. Nichts desto trotz bietet sich von der Rüsselheimer Hütte in Kombination von Westgrat und Normalweg ein toller "Rundweg" zur Hohen Geige an. Laut dem AV-Führer hätte ich mir zumindest den Westgrat anspruchsvoller vorgestellt. Auch Georg fand es nicht besonders schwierig, allerdings klettert er des öfteren. Wenn man die Route gut wählt, kann man viele Schwierigkeiten umgehen. "Richtige" Gratkletterei ist somit nicht zwingend notwendig. Allerdings ist das ganze natürlich nicht zu unterschätzen. Es hat nichts mehr mit Bergwandern zu tun, die Ier und IIer Stellen bleiben. Der Westgrat ist besonders nach Norden hin teilweise recht ausgesetzt, Fehltritte kann man sich nicht erlauben. Sobald das Wetter umschlägt hat man in diesen Höhen ebenfalls sehr schnell richtig unangenehme Bedinungen. Der Aufstieg ist weglos und trotz Markierungen und Steinmandls muß man hier und da etwas schauen.

Für Begeher des Mainzer Höhenweges in Richtung Braunschweiger Hütte - Rüsselsheimer Hütte ist die Hohe Geige mit Sicherheit am Tag darauf ein toller Abschluss.

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