Eindrücke
Nach etwas Stau und bei recht durchwachsenem Wetter starteten wir gegen 9:45 Uhr am
beschilderten Parkplatz zur Rüsselsheimer Hütte (ca. 1600m). Sehr interessant: man
kann von hier aus bereits die Hütte sehen, der Weg sah recht steil aus. Entsprechend wollten
wir den Aufstieg sehr ruhig angehen, doch irgendwie erreichten wir bereits nach einer knappen
Stunde die Hütte. Das dies bei unserem weiterem Vorhaben eindeutig zu schnell war, sollte
speziell Georg noch merken...
Die Rüsselsheimer Hütte (2323m, auch Neue Chemnitzer Hütte) stellte sich als eine überaus
gemütliche Hütte heraus! Wir bezogen kurz unsere Lager und machten Brotzeit. Der freundliche
Hüttenwirt meinte, dass der Westgrat zur Hohen Geige soweit "schneefrei" ist und gegenüber
dem Normalweg nicht schwieriger wäre - das wunderte mich jedoch, da dies gegenüber den Infos
im AV-Führer abwich (Normalweg "nix", Westgrat II). Wie geplant entschieden Georg und ich uns
somit den Westgrat für den Aufstieg zu nutzen und den Normalweg abzusteigen.
Bereits am riesigen Wegweiser gleich hinter der Hütte sind alle "wichtigen" Wege ausgeschildert.
Zum Westgrat der Hohen Geige steigt man zunächst einen normal bezeichneten Wanderweg, welcher hier
und da ein paar Tiefblicke über steile grasige Hänge bis zur Hütte bietet, bis zur Gahwinden
(2649m) auf. Dies ist ein schöner grasiger Rücken mit "Gipfelkreuz" und einer netten Aussichtsbank.
Auf dem linken Bild ist der Blick von der Gahwinden zum Talende des Pitztales und von dort
aus weiter ins Taschachtal zu sehen. Markiert ist der Standort des
Taschachhauses.
Auf dem rechten Bild der Blick ins untere Pitztal zum Inntal hin zu sehen.
Der "Einstieg" zum Westgrat ist beschildert und nicht zu übersehen (linkes Bild).
Die Markierungen werden sofort spärlicher und auch der Weg wandelt sich zu einem eher kleinerem
Trampelpfad, bis es schließlich weglos im Fels weitergeht. Ab und muß man nun die roten Punkte
oder aber Steinmandl in vielen verschiedenen Größen suchen, richtig versteigen kann man sich
meiner Meinung nach jedoch nicht.
Der Grat selber ist im unteren Abschnitt maximal eine I, fast überall kann man "schwierigere" Stellen
umgehen. Mehr zu achten ist auf das recht brüchige Gestein. Vor allem viele größere Blöcke sind
teilweise recht lose. Zur Ausgestetztheit kann ich nicht viel schreiben, die Wolken verhinderten
die meisten Tiefblicke. ;-) Mit dem Schnee (es hatte die Woche davor wohl teilweise bis 2500m
hinab geschneit) hatten wir am Grat kein Probleme (siehe rechtes Bild): nordseitig gab es
Schnee, am Grat und südseitig war bereits alles wieder weggetaut.
Nach einer großen flacheren Stelle mit einigen Platten bei etwa 3000m ist es nicht mehr weit bis zur
"Schlüsselstelle" auf etwa 3100m. Der Grat wird kurz schmal und ausgesetzt, man umgeht dieses
Stück jedoch rechter Hand / südseitig. Auf dem linken Bild steht Georg gerade an diesem Punkt.
Links die Nordseite mit Schnee, rechts am Bildrand klettert man kurz in die Flanke ab. Hier gibt es wohl
die einzigste richtige IIer Stelle. Auf dem rechten Bild die Stelle von der anderen Seite
aus gesehen, in den Wolken sollte sich die Watzespitze verbergen.
Nicht weit hinter der Schlüsselstelle geht es wieder rechts in die Flanke. Der Übergang zum
Normalweg bleibt zunächst auf etwa gleicher Höhe bzw. verliert sogar einige Höhenmeter (siehe
linkes Bild), bevor die Wege sich schließlich vereinigen und es zusammen teilweise steiler wieder
bergauf geht.
Nach diesem kurzen Aufschwung gelangt man zu einem nettem "Minigletscher" (siehe rechtes
Bild). Der Weg verläuft eigentlich oberhalb des Gletschers, wir sind nur für ein paar Fotos
"unten herum" gegangen. Die Hohe Geige ist nicht im Hintergrund zu sehen, sie liegt links
außerhalb des Bildes, das Gipfelkreuz ist von hier aus bereits zu sehen.
Das letzte Stück verläuft wieder etwas steiler am Gipfelgrat.
Wir erreichten den Gipfel der Hohen Geige gegen 14:45 Uhr und hatten somit etwa 3 Stunden
von der Hütte benötigt. Die Sicht war leider bescheiden und es wurde ziemlich kalt. Ein warmes Oberteil
samt Mütze und Handschuhe waren notwendig! Somit stiegen wir bereits nach der Brotzeit und ein paar
Fotos wieder ab. Auf dem mittleren Bild ist der Blick zum stark ausgeaperten Inneren Pirchelkarferner
zu sehen, auf dem rechten Bild der Abstieg am Gipfelgrat zurück zum Minigletscher.
Der Abstieg am Normalweg hat soweit keine richtigen Kletterstellen, jedoch ziemliches
steiles Gehgelände. Hier und da kann es aufgrund Steinchen und Schotter etwas rutschig werden.
Etwa 17 Uhr erreichten wir nach einigen Pausen wieder die Rüsselsheimer Hütte. Unsere Lager waren
wirklich sehr gut! Alle zwei Personen wurde die "Schlafparzelle" durch ein Brett getrennt, entsprechend
hat jeder seitlich genug Platz und es "verschiebt" sich in der Nacht nichts (siehe Bild). Außerdem
gibt es am Kopfende für jeden eine Art aufklappbare Truhe (auf dem Bild liegt der gestreifte Pullover
von Georg darauf), die groß genug für viele wichtige Gegenstände ist. Das Essen war ebenfalls reichhaltig
und lecker...
Anmerkung zur Höhe:
Wie bereits geschrieben sind wir vom Parkplatz aus (~1600m) recht schnell bis zur Hütte aufgestiegen
und von dort aus weiter bis auf rund 3400m. Schon ab 1500m stellt sich der Körper auf die veränderten
Bedingungen ein (z.B. Steigerung der Atemfrequenz), auf 3400m Höhe beträgt der Sauerstoffgehalt der
Luft bereits nur noch zwischen 60% und 70% (Zugspitze etwa 70%).
Bis auf etwas "Gejapse" über 3000m hatte ich bisher keine wirklichen Probleme mit der Höhe. Georg
meinte jedoch bereits im Aufstieg, dass er die erste Nacht auf Hütten oberhalb 2000m recht unruhig
schläft und oftmals Kopfschmerzen bekommt....
Wahrscheinlich durch den schnellen Aufstieg an einem Tag war es diesmal bei mir auch etwas anders. Am
Minigletscher war mir kurzzeitig etwas schwindelig, dies gab sich jedoch sofort beim Stehenbleiben und
etwas warten. Am Gipfel und beim Abstieg war alles schon wieder "normal". Georg wurde jedoch beim
Abstieg zunehmend ruhiger und meinte dann, dass es ihm nicht gut ginge. Kopfschmerzen und Übelkeit
plagten ihn. Wir machten einige Pausen, welche auch halfen. Zurück an der Hütte wurden die Kopfschmerzen
stärker und die Übelkeit nahm ebenfalls wieder zu. Georg entschloss sich nun doch eine Paracetalmol zu
nehmen, diese kam aber innerhalb von 5 Minuten wieder raus... Im Laufe des Abends und nach etwas Ausruhen
ging es ihm Gott sei Dank wieder besser. Bis zur Nachtruhe hatte er keine Probleme mehr.
Langer Rede kurzer Sinn: über Höhenprobleme hatte ich mich bisher nur in einschlägiger Literatur
informiert, es selber erlebt bzw. miterlebt noch nicht. Auch wenn soweit überhaupt nichts dramatisches
passiert ist, finde ich es recht heftig, wie bereits in vergleichsweise geringen Höhen solche
Anpassungsreaktionen des Körpers auftreten...
Am nächsten Tag schliefen wir aus und standen als letzte Gruppe im Lager erst gegen 8/9 Uhr auf.
Das Wetter hatte sich etwas gebessert, aber da heute Nachmittag unser
Grundkurs Eis auf dem Taschachhaus
beginnen würde, wollten wir es ruhig angehen und noch ausspannen.
Von der Hütte stiegen wir kurz zu dem kleinen See im Weißmaurachkar auf, der Weiterweg würde
normalerweise zum Mainzer Höhenweg führen. Das Panorama zeigt den Blick auf den Kaunergrat.
Besonders beeindruckend: die Watzespitze (links der Bildmitte). Rechts daneben Verpeilspitze und
Rofele Wand.
Nach der Rast ging es wieder zurück zur Hütte. Zur Mittagszeit konnten wir nun die Sonne bei
etwas Apfelstrudel und Kaffee geniessen, bevor wir langsam wieder zurück zum Parkplatz abstiegen
und nach Mandarfen fuhren.
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