· über gaehnchen.de ·
· Tourenliste · Gipfelliste · Hüttenliste ·
· Links · Gästebuch · Sitemap ·

Vorgeschichte
Überblick
Tag 1
Tag 2
Tag 3
Tag 4
Tag 5
Fazit
 

Touren um die Marteller Hütte 2004

Ortleralpen, 13-17.07.2004

   

Vorgeschichte

Nach einem Grundkurs Eis im vorherigen Jahr und einem sehr schönen Aufbaukurs Eis eine Woche zuvor sollte es nun endlich einmal selbstständig auf Hochtour gehen. Torsten hatte ich beim Grundkurs kennengelernt und wir waren seitdem schon einige Male zusammen unterwegs. Ihn juckte es auch in den Steigeisen, doch für ein paar "Gletscherhatscher" kann es zu zweit - gerade als Anfänger - recht gefährlich werden. Über die DAV-Community suchten wir also nach Gleichgesinnten. So meldeten sich Stefan und Hinnerk. Beide sind zwar ein klein wenig älter als Torsten und ich, jedoch störte das nicht und wir kamen gut miteinander zurecht.

Beim Abstieg von der Zufallspitze: Stefan, Hinnerk, Torsten und ich
Beim Abstieg von der Zufallspitze: Stefan, Hinnerk, Torsten und ich. Links hinten Köllkuppe und die Drei Veneziaspitzen.

Geplant war von einem festen Hüttenstützpunkt aus mit "leichtem" Gepäck verschiedene einfachere Hochtouren zu unternehmen. Aufgrund des Wetters (im Süden sollte es besser sein) fiel die Wahl schließlich auf die Ortleralpen und das Gebiet rund um die Martellerhütte.

Überblick

Schwierigkeitsbewertung: einfache Hochtouren

  • Tag 1: - Anfahrt und Aufstieg zur Zufallhütte
  • Fahrt von München bis zum Parkplatz Enzianhütte im Martelltal/Ortleralpen (2055m)
  • Aufstieg zur Zufallhütte (2265m) und Übernachtung
  • Tag 2: - Hintere Schranspitze Nordgrat
  • Aufstieg von Zufallhütte bis zur Martellerhütte (2610m) und Deponierung Gepäck
  • Weg 37a bis zum Beginn der Nordgrats der Hinteren Schranspitze (~3000m)
  • Hintere Schranspitze (3357m)
  • Abstieg über Schranspitze zur Martellerhütte (2610m)
  • Tag 3: - Überschreitung der Drei Veneziaspitzen
  • Aufstieg über Weg 27 bis zum Hohenferner auf etwas 2950m
  • Aufstieg über Hohenferner bis zum Veneziakamm
  • Überschreitung aller Drei Veneziaspitzen (3386m, 3371m, 3356m)
  • Sattel zwischen Hintere Schranspitze und namenloser Gipfel im Veneziakamm (3229m)
  • Abstieg über Schranferner und Weg 37a zurück zur Martellerhütte (2610m)
  • Tag 4: - Zufallspitze
  • Aufstieg über Weg 103 und Fürkeleferner zur Fürkelescharte (3032m)
  • Gratanstieg bis zum Südostgrat der Zufallspitze
  • Zufallspitze (3757m)
  • Abstieg ebenfalls am Südostgrat
  • über Fürkeleferner und Weg 103 zurück zur Martellerhütte (2610m)
  • Tag 5: - Madritschspitze Nordgrat
  • Abstieg von der Martellerhütte (2610m) zur Zufallhütte (2265m)
  • Aufstieg bis zum Madritschjoch (3146m)
  • Aufstieg über Nordgrat der Madritschspitze (3265m)
  • Abstieg über SO-Grat und Gratübergang bis zur Mutspitze (2941m)
  • wegloser Abstieg nach Norden ins Madritschtal
  • Zufallhütte (2265m) und weiter zum Parkplatz Enzianhütte (2055m)

Tag 1 - Anfahrt und Aufstieg zur Zufallhütte

Etwa 06:30 Uhr holte ich Stefan und Hinnerk am Bahnhof in München ab und wir fuhren gemeinsam im Auto nach Leermos. Dort wollten wir Torsten treffen, er reiste von Stuttgart aus an. Stau und schlechtes Wetter verzögerten seine Ankunft ein wenig, doch schließlich ging es nach etwas Umpackerei zu viert weiter Richtung Süden. Das Wetter wurde zunehmend besser und - wie sollte es anders sein - ab dem Reschenpass kam sogar etwas blauer Himmel zum Vorschein...

Wir fuhren bis an das Ende des Martelltal und packten unsere Rucksäcke am Parkplatz der Enzianhütte (2055m, Achtung Gebühren, nicht ganz billig!). Unser Ziel, die Zufallhütte, kann man bereits von hier erkennen. Die Hütte ist auf einem breiten Fahrweg in etwa 30-45 Minuten sehr leicht erreichbar. Dadurch sind natürlich viele Tagesausflügler unterwegs und mit dem ganzen Hochtourengepäck (Pickel, Seil, Steigeisen, ...) kommt man sich doch ein wenig elitär vor. *g*

Parkplatz Enzianhütte, oben ist bereits die Zufallhütte zu sehen
Parkplatz Enzianhütte, oben ist bereits die Zufallhütte zu sehen

Auf der Zufallhütte (2265m) nutzen wir noch die Zeit, um im Gelände die Spaltenbergung mit der losen Rolle zu üben. Wie fast zu erwarten stellten wir uns doch ein wenig ungeschickt an... bei Stefan und Hinnerk lag die letzte Tour und somit die Praxis auch ein Jahr zurück. Torsten's Grundkurs war ebenfalls schon eine Weile her und selbst ich mußte - obwohl mein Aufbaukurs nicht mal eine Woche her war - wieder schauen. Es ist halt doch was anderes, wenn kein Bergführer daneben steht der sofort eingreift, falls etwas falsch gemacht wird. Ich kann entsprechend nur empfehlen: üben, üben, üben! Erst recht, wenn man sich noch nicht kennt und jeder ein paar Kleinigkeiten anders macht bzw. anderes gelehrt bekommen hat.

In der Hütte hatten wir ein schönes Lager für uns allein. Das Essen (HP) war dann der absolute Hammer: selbstgemachte Spinatknödel, Salat mit Wallnussöl, Fisch mit Zuccini (der Nachschlag wurde uns regelgerecht aufgedrängt *g*) und noch ein Dessert... Meiner Meinung nach sollten Hütten schon eher spartanisch sein, doch dieses Essen hatte doch einiges für sich. :-)

Tag 2 - Hintere Schranspitze Nordgrat

Unser erster Tourentag begann prima: das Frühstück war sehr gut und reichlich (Südtiroler Schinken!) und das Wetter konnte nicht viel besser sein. Um 7:15 Uhr starteten wir und stiegen zunächst eine gute Stunde auf einem leichten Weg bis zur Martellerhütte (2610m). Dort deponierten wir unser Hüttengepäck und machten uns auf zum Ziel des Tages: dem Nordgrat der Hinteren Schranspitze.

Hinter der Hütte beginnt der bezeichnete Weg 37a, welcher auch am Beginn des Nordgrates der Hinteren Schranspitze vorbei führt. Bis dahin hatten wir aber noch ein Weilchen zu gehen. Kurz hinter einem Bach unweit der Hütte schraubt sich die erste Moräne empor und dies setzt sich mehr oder weniger bis zum Grat fort. Mehrmals verliert man wieder mehrere Höhenmeter... Sehr entschädigend sind dabei das sich aufbauende Gletscherpanorama im Süden sowie die nach und mehr zum Vorschein kommende Königsspitze im Westen...

Im Aufstieg über Moränen, hinten links die Königsspitze
Im Aufstieg über Moränen, hinten links die Königsspitze

Das letzte Stück bis zum Grat war gut einzusehen, jedoch etwas steiler. Es ist gut möglich, dass wir hier bereits nicht mehr auf dem bezeichneten Weg unterwegs waren, allerdings hielten wir bereits nicht mehr nach den Markierungen Ausschau, Spuren gab es ebenfalls keine. Etwas brüchig/lose war es, unter dem Schnee noch einige Felsblöcke vereist. Ich zog es vor, "sicherheitshalber" die Steigeisen anzulegen, die anderen sind allerings auch ohne hochgekommen. So erreichten wir gegen 10:45 Uhr an einem kleinen Sattel den Beginn des Nordgrats und machten erst einmal kurz Pause (knapp unter 3000m). Schon vom Aufstieg her hatten wir sehen können, dass auch der Grat einige "auf und ab's" hatte...

Einstieg zum Nordgrat der Hinteren Schranspitze
Einstieg zum Nordgrat der Hinteren Schranspitze

Der Grat selber war bei den uns vorherrschenden Bedingungen sehr abwechslungsreich und machte schon auf den ersten Höhenmeter einen wahnsinnigen Spass! Firn und Schneefelder galt es aufzusteigen. Meist knöchel- bis knietief, manchmal krachten wir bei Verwehungen aber auch kurz bis zur Hüfte ein. Wir mußten spuren, das machte das ganze aber recht interesant. Im Fels gab es grobes Blockwerk sowie größtenteils Ier Gelände, hier und da jedoch auch kurze IIer Stellen. Die Breite variierte und auch die Ausgesetztheit war recht unterschiedlich. Kurzum: bei dem Wetter war es ein echter Traum! Bei ausgeprägteren Aufschwüngen am Grat querten wir jeweils kurz in die Ost- oder Westflanke, meist kann man jedoch direkt gehen.

Immer wieder auch Firnfelder am Nordgrat Hintere Schranspitze Nordgrat
links: Immer wieder auch Firnfelder am Nordgrat
rechts: Hintere Schranspitze Nordgrat

Ich hatte meine Steigeisen bis dato noch nicht wieder abgelegt und lies sie nun bis zum Gipfel an. Notwendig wäre es nicht gewesen, aber ich empfand es als recht annehmes "Training". Hier und da waren sie bei vereisten Felspassagen auch ganz hilfreich.

Den letzten Anstieg (ca. 150Hm) zum Gipfel konnten wir gut überblicken. Für den direkten Anstieg am Nordgrat hätten wir jedoch wieder etwas absteigen müssen. Etwas weiter östlich führte eine doch recht hohe (ca. 10-15m?!) Schneeverwehung mit einem richtigen Grat auf etwa gleicher Höhe in die Nordostflanke. Siehe dazu das linke Bild unten - es täuscht jedoch, es war schmaler und breiter als es aussieht. Da wir mittlerweile auch schon über 5 Stunden unterwegs waren und die Höhe ebenfalls langsam aber sicher etwas merkten, entschlossen wir uns für die Flanke.

Torsten spurt an einer Schneeverwehung, im Blick die Hintere Rotspitze Steilstück in der Nordostflanke der Hinteren Schranspitze
links: Torsten spurt an einer Schneeverwehung, im Blick die Hintere Rotspitze
rechts: "Steilstück" in der Nordostflanke der Hinteren Schranspitze

Die tatsächliche Steilheit der Flanke bemerkten wir jedoch erst, als tatsächlich in ihr waren. Hier war ich wiederum recht froh, dass ich die Steigeisen noch nicht abgelegt hatte. In der Sonne kamen einige "blankere" Stellen zum Vorschein und teilweise wurde es unter dem Firn ziemlich rutschig. Torsten ist ein-, zweimal kurz ausgerutscht, konnte sich jedoch mit dem Pickel halten.
Nach etwas Sucherei fanden wir schliesslich jedoch "eine gute Linie" bis hinauf zum wenig ausgeprägten Ostgrat, welcher bis zu einem Sattel hinüber zur Hinteren Rotspitze reicht.

So erreichten wir gegen 13 Uhr den Gipfel der Hinteren Schranspitze.

Am Gipfel der Hinteren Schranspitze
Am Gipfel der Hinteren Schranspitze. Ganz links Südliche und Nördliche Zufallspitze. Ab Bildmitte teils in Wolken Königsspitze, Zebru und Ortler

Ein paar harmlose Quellwolken waren bereits aufgezogen, ansonsten war die Aussicht überwältigend! Besonders die Königsspitze (ich erwähnte es bereits *g*) fand ich überaus beeindruckend! Neben dieser Bombast-Pyramide übersieht man fast die zahmen Rundungen des Cevedale und der Zufallspitze, dabei waren beide näher und sind gerade einmal 100m niedriger. Wir hatten den Gipfel auch ganz für uns alleine und konnten die Pause sehr geniessen.

Nach beinahe einer Stunde brachen wir zum Abstieg auf. Immer wieder beeindruckend: wie schnell einen die "Gipfel-Endorphine" die Anstrengungen fast komplett überwinden lassen und man wohlig-glücklich weiter geht... Nach etwa 20 bis 30 Minuten erreichten wir den Sattel zwischen einem namenlosen Gipfel im Veneziakamm und der Hinteren Schranspitze. Hier hies es nun das "bisher gelernte" erstmalig (mehr oder weniger) selbstständig anzuwenden: Anseilen, denn ab hier sollte es über den Schranferner in Richtung Norden wieder bis zum Weg 37a gehen. In einiger Entfernung sahen wir eine "kleine Autobahn" auf dem Gletscher, welche jedoch nicht zu uns zum Sattel, sondern zu den Veneziaspitzen führte. Für die ersten Meter mußten wir uns entsprechend selber einen Weg suchen.

Torsten auf dem Schranferner, Blick in den Laaser-Gebirgszug Hinnerk und Stefan auf dem Schranferner Torsten spurt an einer Schneeverwehung, im Blick die Hintere Rotspitze
links: Torsten auf dem Schranferner, Blick in den Laaser-Gebirgszug
Mitte: Hinnerk und Stefan auf dem Schranferner
rechts (Foto von Stefan): Meinereiner auf dem Schranferner, dominierend wieder das Suldener Dreigestirn...

Ok, für so ziemlich jeden Bergsteiger wird so ein einfacher Gletscherhatscher nichts bewegendes mehr darstellen. Ich fand es in diesem Moment als "meinen Einstieg" jedoch umwerfend! Selnstständig in der Seilschaft unterwegs, beeindruckende Gegend und tolle Verhältnisse...

Der tatsächliche Aufenthalt auf dem Gletscher war jedoch für diesen Tag recht kurz. Bereits 14:45/15:00 Uhr erreichten wir problemlos das nördliche Ende des Schranferners. Nach dem Ausbinden und Verstauen der Utensilien ging es einfach aber weglos weiter - bis wir schließlich wieder "irgendwo" auf den Weg 37a stießen. Den bereits erwähten Bach unweit der Hütte erreichten gemütlich gegen 16:15 Uhr. Nach einer Pause und dem Genießen des Bergpanoramas kamen wir 17:00 Uhr wieder zur Martellerhütte (2610m).

Der Hüttenabend gestaltete sich sehr ruhig, da wir die einzigstens Gäste waren. Das Essen erreichte nicht ganz die Qualität der Zufallhütte vom Vortag, es war jedoch (auch die Folgetage) noch um einiges besser als das auf deutschen oder österreichichen Hütten. Vier Gänge bei der Halbpension und irgendwie schmeckte es halt nicht nach "Spaghetti mit Bolognese â la Hütte"...

Für den Folgetag wollten wir die Zufallspitze und den Cevedale angehen und wieder zur Martellerhütte zurückkkehren.

Tag 3 - Überschreitung der Drei Veneziaspitzen

Kurz nach 5 Uhr klingelte der Wecker doch der Blick aus dem Fenster brachte die große Ernüchterung: anscheinend hatten sich über Nacht die (Quell)wolken vom Vortrag doch nicht aufgelöst, alle Gipfel hingen in einem trüben grau in grau... Nach eingehender Beratung und langsameren Packen des Rucksacks kamen wir nach einem ebenfalls sehr guten Frühstück erst 6:45 Uhr los. Neues Ziel: die Veneziaspitzen.

Von der Hütte hält man zunächst südöstlich in Richtung Cevedale, nach einem kleinen See teilt sich der Weg jedoch nochmals und man folgt links dem bezeichneten Weg Nr. 27. Gegenüber dem Vortag war es um einiges kälter und es nieselte teilweise leicht. Bei etwa 2700m knickt der Weg zudem nach links ab und es geht etwas steiler nach Osten hinauf zum Hohenferner. In diese "Furche" konnte der Wind prima hineinwehen, so dass wir nach kurzer Zeit die warmen Klamotten auspackten und auch die Handschuhe anzogen.

Nach etwa einer Stunde erreichten wir den Rand des Hohenferner. Mittlerweile waren wir in etwa der Höhe der Wolken und somit war die Sicht recht schlecht - bzw. besser gesagt: kurzzeitig zog es (ohne blauen Himmel auf) und wir konnten weiter sehen, dann wiederum standen wir "voll in der Suppe". Der Wind kam von Nordwesten, dort sahen wir bereits einiges Stellen, an denen die Sonne durch die Wolken auf die Berge hindurch schien. So entschlossen wir uns anzuseilen und über den Gletscher weiter aufzusteigen.

Der Hohenferner ist in diesem Teil recht flach und von weiteren Begehungen der Veneziaspitzen existierte bereits eine gut gelegte Spur. Steigeisen waren auf dem Gletscher wiederum nicht notwendig.

Der Aufschwung zum Grat hin wurde kurzzeitig etwas steiler, jedoch bestimmt nicht über 30°. So standen wir ca. 9:15 Uhr an unserem ersten Gipfel diesen Tages. Doch welcher war es?

Aufstieg auf dem Hohenferner das erste Gipfelkreuz - wohl aber nicht die erste Veneziaspitze
links: Aufstieg auf dem Hohenferner
rechts: das erste Gipfelkreuz - wohl aber nicht die erste Veneziaspitze

Wir fanden ein Kreuz vor (siehe Bild oben rechts) und ebenfalls ein Gipfelbuch, welches uns glauben lies auf der Ersten Veneziaspitze zu stehen. Allerdings war der Weiterweg am Grat zunächst sehr "eben" und erst nach einer ganzen Weile kamen wir zu einem ersten Aufschwung....
Zwei Tage später standen wir auf der Madritschspitze und hatten dabei einen Blick auf die vermutete Aufstiegsroute. Entsprechend dem Weiterweg am Grat ohne größen Höhenverlust/Höhengewinn konnten wir also noch nicht auf der Ersten Veneziaspitze sein. Bestätigen würde dies auch der Tourenbericht von Busemann's und speziell dieses Bild, welches ganz gut dem entspricht, wie ich den Weiterweg am Grat in Erinnerung habe. Nur standen wir halt voll in der "Suppe".
Vom Prinzip her ist das eigentlich nicht lustig und auch keine Glanzleistung als Bergsteiger. Erst recht, falls das Wetter umgeschlagen wäre... Wie auch immer wir machten uns auf den Weiterweg.

Überschreitung Veneziaspitzen - am Grat Überschreitung Veneziaspitzen - am Grat
links + rechts: Überschreitung Veneziaspitzen - am Grat

Der Nebel und die Wolken verhinderten allzu schlimme Tiefblicke, doch auch so stellten wir fest, dass ein Ausrutschen oder sonstige Unsicherheiten hier fehl am Platz waren. Der Schnee und teilweise der Firn machten die Sache wie am Vortag (für mich) überaus interessant. Durchweg kurze Ier Stellen, wenn man wollte hier und da vielleicht eine II-. Der Wind hielt sich in Grenzen aber auch so waren wir in voller Montur mit Mütze und Handschuhen unterwegs. Was soll ich schreiben?! Ich war vollkommen begeistert! :-)

Meinereiner an einem kuren Firnabschnitt Gipfel Zweite Veneziaspitze?!
links: Meinereiner an einem kuren Firnabschnitt
rechts: Gipfel Zweite Veneziaspitze?!

Ein zwischenzeitlicher Notabstieg vom Grat wäre unserer Meinung nach nicht besonders gut möglich gewesen. Zum einen ist es nordseitig wie südseitig sehr steil, zum anderen würde zumindest nordseitig der Untenmarktferner und ebenfalls der Auslauf des Hohenferners in einem ziemlichen Bruch Enden. Selbst bei sehr gutem Wetter hätte man hier wahrschlich so sine Problemchen einen Weg zu finden...

Im Aufstieg zur Dritten Veneziaspitze?
Im Aufstieg zur Dritten Veneziaspitze?

Um etwa 11 Uhr erreichten wir wieder einen Gipfel. Nach unserer Meinung am Grat waren wir auf der Dritten Veneziaspitze, entsprechend des Bildes oben und der Einsicht zwei Tage später wahrscheinlich erst auf der Zweiten Veneziaspitze. Dies würde auch eher zu den weiteren Zeiten passen, denn nach einer Pause ging es am Grat weiter bis zu dem schon vom Vortag bekannten Sattel zwischen der Hinteren Schranspitze und einem namenlosen Gipfel im Veneziakamm. Den Sattel erreichten wir schliesslich (erst) 12:45 Uhr...

Abstieg am Schranferner, Blick zu den Veneziaspitzen
Abstieg am Schranferner, Blick zu den Veneziaspitzen

Ab hier war uns der Weg vom Vortag bereits bekannt. Wir seilten uns an und stiegen wieder über den Schranferner ab. Gegen 13:30 Uhr war diese Passage überwunden. Nach einem kleinen - erfolglosen - Umweg über die Schranspitze (2888m) erreichten wir um 15:15 Uhr wieder die Martellerhütte. Für diesen Abend blieben wir abermals die einzigsten Gäste auf der Hütte. Das Essen war wiederum sehr gut und somit beschlossen wir am Folgetag auf gutes Wetter zu hoffen und die Zufallspitze anzugehen.

Tag 4 - Zufallspitze

Kurz nach 5 Uhr läuteten die Armbanduhren und der Blick aus dem Fenster verhies zumindest wettertechnisch: heute gehe ich meinen bis dato höhsten Berg an! Vorfreunde, Aufregung und wieder ein super Frühstück! 6:15 Uhr starteten wir an der Martellerhütte. .

Der Weg führt wieder nach Südwesten. Kurz hinter dem kleinen See ("Untere Konzenlacke") hält man sich rechts und somit direkt auf den Fürkeleferne zu. Pfadspuren sind deutlich zu erkennen, man quert einige kleine Bäche und Steinmandl stehen auch mehr oder weniger verstreut herum.
An der Gletscherzunge kann man linker Hand noch einige Zeit im Schnee und Geröll weiter aufsteigen. Der Blick zurück ins Martelltal wird dabei immer besser.

Blick von der Martellerhütte zur Zufallspitze im ersten Morgenlicht Im Aufstieg zum Fürkeleferner, Blick zurück zur Martellerhütte
links: Blick von der Martellerhütte zur Zufallspitze im ersten Morgenlicht
rechts: Im Aufstieg zum Fürkeleferner, Blick zurück zur Martellerhütte

Schließlich kommt dann aber doch der Zeitpunkt, an welchen wir uns am Fürkeleferner anseilen. Wir taten dies etwa 7:15/7:30 Uhr. Die genaue Höhe kann ich nicht mehr ausweisen, ich schätze es war etwa auf 2850/2900m. Wie weit man noch gehen kann, hängt stark von den aktuellen Verhältnissen ab und wie weit bereits der Schutt hervorschaut. Im Zweifelsfall wird das Seil natürlich lieber früher als später ausgepackt!

Auf dem Fürkeleferner
Auf dem Fürkeleferner

Der Fürkeleferner ist hier sehr eben und war früh am Morgen gut zu begehen. Spuren waren ebenfalls vorhanden, sie führten nach Süden zur Fürkelescharte (3025m). Diese konnte man bereits gut erkennen. Man sollte sich hier nicht von der Steilheit beim Übergang vom Gletscher hoch zur Scharte abschrecken lassen, denn diese täuscht erheblich! Der Gletscher wird zwar zum Schluss schon etwas steiler, der Übergang in den Fels bzw. das Geröll war jedoch gut möglich und wir erreichten die Scharte gegen 08:00 Uhr problemlos!

Eine weitere Möglichkeit des Aufstieges wäre folgende Alternative gewesen: vor Erreichen der Scharte wieder süd-westlich (nach rechts) halten (meist schon Spuren vorhanden) und dort nördlich unterhalb des Grates weiter am Gletscher aufsteigen. Dies ist bis auf 3200/3300m problemlos möglich. Man kann später fast zu einem beliebigen Zeitpunkt auf den Grat herauf. Alle weiteren Gruppen an diesem Tag taten dies und waren so auch erheblich schneller. Man sieht den Weg im unteren linken Bild. Wir gingen jedoch am Grat und hatten somit noch eine schöne Blockkletterei vor uns!

Kurz nach der Fürkelescharte, Blick vom Grat zur Zufallspitze Kurze Kletterei am Grat
links: Kurz nach der Fürkelescharte, Blick vom Grat zur Zufallspitze
rechts: Kurze Kletterei am Grat

Der nun folgende Grat (oder eher Kamm, denn im unteren Teil ist er sehr breit) folgt ganz und gar nicht geradlinig bis zum Gipfel. Man hat aber fast immer einen beeindruckenden Blick auf die Zufallspitze und einen Großteil des weiteren Weges (ebenfalls siehe Bild oben). Der Grat ansich kann als einfach bezeichnet werden. Großflächiges Gehgelände wechselt sich mit groben Ier-Blockwerk ab. An zwei schwierigere Stellen kann ich mich erinnern (siehe dazu das rechte Bild oben, allerdings sehr abenteuerlich fotografiert *g*), jedoch hätte man hier im Fall des Falles auch zum Gletscher absteigen und dort weitergehen können.

Auf beinahe 3300m trafen wir dann auf die anderen Gruppen, welche den Alternativweg direkt über den Gletscher gegangen waren. Ein kleines "Plateau" lädt hier zu einer kurzen Pause ein und bietet genug Platz zum Ein- oder Ausbinden. Das Gruppenbild am Anfang der Seite wurde hier aufgenommen.

Nun folgt ein kurzes steileres Stück im Blockwerk. Es gibt sehr viele Pfadspuren und unterschiedliche kleine Wege, teilweise kann man auch direkt durch das Blockwerk klettern. Das folgende Bild zeigt unseren weiteren Aufstiegsweg, die eingezeichnete Spur sollte in etwa der tatsächlichen entsprechen.

Auf etwa 3500m, Blick vom Cevedale (links) und Zufallspitze
(Bild von Stefan): Cevedale und Zufallspitze von der Hinteren Schranspitze aus

Man kann vielleicht ein wenig erkennen, dass ab dem Blockwerk quasi eine Art "Terassenaufstieg" beginnt - zumindest kam es mir so vor. Nach einem kürzerem Steilstück gab es jeweils wieder ein flacheres Stück zum Ausruhen. Wir nutzen diese Gelegenheit gegen 9:15 Uhr auf 3360m.

Auf etwa 3500m, Blick vom Cevedale (links) und Zufallspitze Ebenfalls auf etwa 3500m, Blick zurück auf den Grat
links: Auf etwa 3500m, Blick vom Cevedale (links) und Zufallspitze
rechts: Ebenfalls auf etwa 3500m, Blick zurück auf den Grat

Der eigentliche Weg war aufgrund von Pfadspuren im Schnee nicht zu verfehlen. Aber auch ohne diese wäre es soweit gut gangbar gewesen. Die Zufallspitze ist stets im Blickfeld, ohne richtig dichten Nebel sollte man nicht allzu viel falsch machen können. Schwierigkeiten im Weg lagen uns in diesem Abschnitt soweit nicht vor. Wenn überhaupt gab es maximal eine kurze Ier Stelle... Man musste eher Obacht auf den Schnee geben, denn langsam aber sicher taute es ein wenig und der ein oder andere Felsen konnte rutschig sein.

Vor dem letzten Gipfelaufschwung hat der Pfad noch ein steileres Stück. Man erkennt es unterwegs recht schnell: nachdem es ein paar Meter wieder runter auf einen kleinen Sattel geht... Hier kann man aufgrund der Höhe nochmal gut ins keuchen kommen. Unter dem eher losen Schnee hatten wir teilweise festeren Firn, teilweise war es ein wenig vereist. Der Pickel leistete hier gute Dienste.

Noch 150 Höhenmeter bis zum Gipfel der Zufallspitze
(Bild von Stefan) Noch 150 Höhenmeter bis zum Gipfel der Zufallspitze

Nun hatten wir es quasi geschafft. Auf den letzten Höhenmetern gibt es tolle Ausblicke in die Ostflanke der Cevedales und in einige Spalten- / Bruchzonen des Vedretta de la Mare. Der Schnee wurde hier wieder fester und man musste teilweise mit dem Schuh die Stufen schlagen. Der Pickel war hier auch dringend notwendig, da es linker Hand wieder ausgesetzter wurde und ein Ausrutschen ohne eine Bremsmöglichkeit wohl unangenehm enden könnte. Um 10:45 Uhr erreichten wir schliesslich nach 4,5 Stunden Aufstieg (mit Pausen) den Gipfel der Zufallspitze.

Blick vom Gipfelkreuz der Zufallspitze in die Aufstiegsroute Blick von der Zufallspitze zum Cevedale Blick von der Zufallspitze zur Casatihütte und Königsspitze
links: Blick vom Gipfelkreuz der Zufallspitze in die Aufstiegsroute
Mitte: Blick von der Zufallspitze zum Cevedale
rechts:Blick von der Zufallspitze zur Casatihütte und Königsspitze

Normalerweise müßten jetzt obligatorische Worte wie "atemberaubende Aussicht" folgen. Dem war aber nicht ganz so, denn im Westen waren mittlerweile schon einige Quellwolken aufgezogen. Dies störte in diesem Moment jedoch nicht. Ich freute mich über meinen bis dato höhsten Gipfel und genoss das vorhandene Panorama.
Auf dem linken Bild oben kann man über dem Gipfelkreuz das beschriebene Steilstück (der Weg macht hier einen "Linksknick") und den kleinen Sattel erkennen. Weiter rechts der Vedretta de la Mare
Der Grat hinüber zum Cevedale (mittleres Bild) sah überaus beeindruckend aus. Auf dem Gipfel tummelten sich bestimmt zwei Dutzend Leute, welche alle den kurzen Anstieg von der Casatihütte (rechtes Bild) gekommen waren.

Der Gipfel der Zufallspitze ist übrigens ziemlich klein. Außer uns waren noch zwei Italiener anwesend, damit waren dann fast alle "normalen Sitzplätze" belegt.

Am Gipfel der Zufallspitze 3757m - die Bifi hält!
links: Am Gipfel der Zufallspitze
rechts: 3757m - die Bifi hält!

Nach einer halben Stunde am Gipfel überlegten wir, ob wir noch den Übergang zum Cevedale machen. Der Grat sah jedoch sehr beeindruckend aus und wir wußten nicht recht, ob man den Gratturm auf der Hälfte des Weges überklettern kann oder ob ein ausweichen notwendig ist. Des weiteren würden wir bestimmt hin und zurück 1,5 bis 2 Stunden benötigen und das wäre wohl aufgrund der Tageszeit und dem Wetter keine tolle Idee. Wie sich später zeigen sollte, war die Entscheidung gerade wegen dem Wetter richtig gewesen. Also machten wir uns an den Abstieg über den gleichen Weg wieder zurück.

Der Schnee war nun natürlich aufgeweichter. Einige Passagen wurden leichter (wie z.B. an der Gipfelflanke, siehe Bild unten), andere wiederum arteten in kleinen Rutschpartien aus. Wir kamen jedoch sehr gut und recht schnell voran, abwärts spürt man die Höhe ja meist nicht mehr. Etwa 12:15 Uhr erreichten wir wieder den "Anseilplatz" auf 3250m und genehmigten uns eine Pause. Für den weiteren Weg beschlossen wir, auch die schnellere Passage über den Gletscher zu nutzen und nicht direkt am Grat zu bleiben.

Abstieg an der Gipfelflanke der Zufallspitze Abstieg am oberen Teil des Fürkeleferner
links: Abstieg an der Gipfelflanke der Zufallspitze
rechts: Abstieg am oberen Teil des Fürkeleferner

Etwa auf dem halben Weg auf dem Fürkeleferner passierte es dann: die Wolken wurden sehr schnell dichter, es donnerte hinter uns und kurz darauf kamen die ersten Regentropfen. Wir beeilten uns. Von den Ausbildungskursen erinnerte ich mich, dass "nach Murphy" ein Spaltensturz natürlich niemals bei bestem Wetter gleich neben der Hütte stattfindet... Wir hatten mit Sicherheit keine 20 Minuten mehr auf dem Gletscher zu gehen, hereinziehende Wolken oder Nebel wären ebenfalls nicht unbedingt das, was man sich bei der ersten eigenen Tour vorstellt... Jedenfalls merkt man, dass bei "etwas Druck" die Konzentration doch ein wenig nachlies. Die Seilführung war nicht immer die beste...

Nichts desto trotz blieb es beim Donnern und ein wenig Regen. Der Kern des Wärmegewitters schien durch den Cevedale und die Zufallspitze aufgehalten zu werden und eher nach Nordosten abzuziehen. Zurück am Weg 103 und den ganzen Steinmandl war eigentlich wieder grünes Licht und wir trafen zufrieden wieder an der Martellerhütte ein (14 Uhr).

Anmerkung zum Gratübergang Zufallspitze - Cevedale:
Wir hatten wie beschrieben auf den Übergang verzichtet. Am gleichen Tag war jedoch auch eine Gruppe vom DAV Summit Club unterwegs. Sie erreichten den Gipfel der Zufallspitze etwa 11:15 Uhr. Ich traf sie zufällig am nächsten Tag beim Abstieg über die Zufallhütte wieder. Sie erzählten, dass sie (mit den Bergführern) den Übergang gemacht haben. Sie umgingen dabei den Gratturm von der Zufallspitze aus gesehen linker Hand (also südostseitig). Dabei sicherten sie mit einer Eisschraube und stiegen nach dem Turm wieder zum Grat auf. Beim Abstieg vom Cevedale zur Casatihütte sei wohl aber im Vergleich der schwierigere steilere Abschnitt gewesen...
Die Gruppe kam wie wir ebenfalls in das Gewitter. Sie erwischte es nach ihren Aussagen etwas schlimmer als uns, allerdings waren sie wohl Gott sei Dank nicht mehr in gar so ungünstigem Gelände.

Tag 5 - Madritschspitze Nordgrat

...in Arbeit

Kurz nach der Zufallhütte im Madritschtal mit Blick zur Madritschspitze Am Madritschjoch mit Blick zum Dreigestirn Königsspitze, Monte Zebru und Ortler
links: Kurz nach der Zufallhütte im Madritschtal mit Blick zur Madritschspitze
rechts: Am Madritschjoch mit Blick zum Dreigestirn Königsspitze, Monte Zebru und Ortler

Nordgrat Madritschspitze, unterer Teil Nordgrat Madritschspitze, unterer Teil
links + rechts: Nordgrat Madritschspitze, unterer Teil

Nordgrat Madritschspitze, mittlerer Teil
Nordgrat Madritschspitze, mittlerer Teil

Nordgrat Madritschspitze, oberer Teil Nordgrat Madritschspitze, oberer Teil Nordgrat Madritschspitze, IIer Stelle am letzten Gipfelaufschwung
links + Mitte: Nordgrat Madritschspitze, oberer Teil
rechts: Nordgrat Madritschspitze, IIer Stelle am letzten Gipfelaufschwung

Gipfel Madritschspitze, hinten Königsspitze Königsspitze, Monte Zebru und Ortler von der Madritschspitze
links: am Gipfel Madritschspitze, hinten Königsspitze
rechts (Bild von Stefan): Königsspitze, Monte Zebru und Ortler von der Madritschspitze

Gipfel Madritschspitze mit Blick zu den Veneziaspitzen Gipfel Madritschspitze mit Blick zur Zufallspitze Gipfel Madritschspitze mit Blick zur Zufallspitze
links: am Gipfel Madritschspitze mit Blick zu den Veneziaspitzen
Mitte: am Gipfel Madritschspitze mit Blick zur Zufallspitze
rechts: Blick vom Gipfel auf den Nordgrat der Madritschspitze

Madritschspitze SO-Grat, Madritschjoch und Hint. Schöntaufspitze vom Grat zur Mutspitze Nahe der Mutspitze mit Marteller Hütte und Veneziaspitzen
links: Madritschspitze SO-Grat, Madritschjoch und Hint. Schöntaufspitze vom Grat zur Mutspitze
rechts: Nahe der Mutspitze mit Marteller Hütte und Veneziaspitzen

an der Zufallhütte mit Blick zur Madritschspitze und Nordgrat (rechts) Bierchen an der Zufallhütte
links: an der Zufallhütte mit Blick zur Madritschspitze und Nordgrat (rechts)
rechts: Bierchen an der Zufallhütte

Fazit

xxxxxxxxx

Link auf andere Webseite | Link auf eine Seite von Sascha's Homepage | Link auf ein Bild