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Vorgeschichte
Überblick
Tag 1
Tag 2
Tag 3
Fazit
 

Touren um die Regensburger Hütte

Stubaier Alpen - 14-17.08.2002

   

Vorgeschichte

Knapp zwei Monate vor dieser Tour war ich das erste Mal in den Stubaier Alpen gewesen und habe dabei auf meinem ersten 3000er gestanden (siehe dazu Touren um die Amberger Hütte, in Bearbeitung). Das war für einen Bergbegeisterten wie mich natürlich wahnsinnig beeindruckend und somit wollte ich so schnell wie möglich wieder in dieses Gebiet und diese Höhen. Für eine ähnliche Tour in den "richtigen Bergen" *g* konnte ich Michael und Sebastian gewinnen. An einem Mittwoch sollte es losgehen, wir kamen jedoch erst sehr spät los, so dass die geplante "Biwak"-Nacht auf dem Parkplatz des Waldcafes bei Falbeson erst gegen 24:00 Uhr begann. Die nächsten Tage wollten wir die Regensburger Hütte als Stützpunkt für ein paar Touren nutzen.

Überblick

  • mit dem Auto von München bis zum Waldcafe bei Falbeson (1200m) im Stubaital
  • Übernachtung im Schlafack beim Parkplatz
  • Tag 1
  • Aufstieg über Falbesoner Alm (1818m) zur Regensburger Hütte (2286m)
  • weiterer Aufstieg zur Scharte am Jedlasgrüblferner (2916m)
  • Besteigung Vordere Plattenspitze (2937m)
  • Begehung Grat zur Falbesoner Knotenspitze
  • Abstieg zur Regensburger Hütte und Übernachtung
  • Tag 2
  • Regensburger Hütte -> Falbesoner See (~2500m)
  • Hochmoosferner
  • Besteigung Östliche Seespitze (3416m) von Süden
  • Abstieg zur Regensburger Hütte und Übernachtung
  • Tag 3
  • Regensburger Hütte -> Schrimmennieder Scharte (2706m)
  • Besteigung Vorgipfel Schrimmenkopf (~2800m)
  • Basslerjoch (2830m)
  • Abstieg zur Regensburger Hütte
  • Abstieg über Falbesoner Alm zum Waldcafe bei Falbeson

Tag 1

Unser Nachtlager Romantisches Frühstück am Waldcafe
Die Nacht draußen war soweit recht gut, allerdings aufgrund des nahen Flusses recht laut. Trotzdem schliefen wir alle recht lange und wurden erst kurz vor 8 Uhr so richtig munter. Michael krabbelte irgendetwas im Schlafsack. Als er sich kratzte und es herausholte war es eine große Spinne - zwar "nur" ein Weberknecht, aber nunja. ;-) Wir räumten unsere Schlafstätte und machten etwas Frühstück am Auto (rechtes Bild). Es gab auch schön warmen Tee...

Nach dem Packen der Rucksäcke gingen wir erst gegen 9:00 Uhr los. Der Hüttenanstieg beginnt direkt am Waldcafe und verläuft im unteren Teil fast komplett südseitig im Wald. Es war jedoch jetzt schon ziemlich warm und da es auch sofort hoch geht, ging es wieder mit dem Schwitzen los. Tolle Aussichten hat man hier noch so gut wie keine, da das Tal doch recht steil ist und der Wald soweit alles bedeckt. Hier und da quert man die bis zur Falbesoner Alm führende Fahrstraße.

Falbesoner Alm, Blick Richtung Süden -> ???
Etwa nach einer Stunde erreichten wir die Falbesoner Alm (1818m, auch Ochsenalm). Die Alm ist wunderschön gelegen und das Wetter war super - zumindest in Richtung Süden und in unserer Höhe. Auf dem Bild ist - wie ich zunächst dachte - jedoch noch nicht der Habicht (3277m) zu sehen, sondern höhstwahrscheinlich der Blick in Richtung Nürnberger Hütte und Feuerstein.
Die Alm ist der Startpunkt der Materialseilbahn der Regensburger Hütte und man kann die Hütte bereits kurz hinter der Alm sehen. Leider befanden sich jetzt schon zahlreiche Gipfel in den Wolken, besonders in Richtung Norden zur Schrimmennieder-Scharte.

Der Weg zur schon weit sichtbaren Hütte zog sich nun ein wenig durch eine Art kleines Hochtal hin: zunächst wenig ansteigend durch ein paar Latschen, danach steiler werdend in Kehren. Von einer ausgedehnten "Sight-Seeing-Tour" mit schlechten Schuhen auf viel Asphalt in Wien das Wochenende zuvor taten Michaels Fusssohlen bereits nun schon weh. Der Versuch die Füsse im Falbesoner Bach zu kühlen brachte jedoch keine Besserung.
Gegen 11:30 Uhr erreichten wir schließlich die Regensburger Hütte (2286m). Es war bereits einiger Betrieb und der Wirt hatte etwas Probleme uns unterzubekommen - wir hatten nicht reserviert. Wir liessen uns sofort in die Notlager direkt unter dem Dach einquartieren und hofften, dass dieses vielleicht doch nicht allzu voll wird. Eine ordentliche Brotzeit und ein Radler taten uns gut und wir bestellten bereits unser Abendessen. Dies war hier auf dieser Hütte so üblich: bis etwa 17:30 Uhr bestellt man sein Essen vor, ab 18:30 Uhr heißt es dann "Mahlzeit". :-)

Schäfer mit seinen Schafen beim Aufstieg zum Jedlasgrüblferner
Wir liessen nun alles unnötige auf der Hütte zurück und gingen gegen 12:45 Uhr unser Tagesziel an: die Falbesoner Knotenspitze. Der bezeichnete Weg schlängelt sich zunächst nach Norden über Wiesen empor, die Hütte ist immer sichtbar. Nach einer Weile machten sich einige Schafe lautstark bemerkbar, es war sogar ein Schäfer dabei (siehe Bild). Ab etwa 2500m-2600m konnten wir langsam aber sicher die Höhe spüren. Es wurde kühler und die Luft dünner. Auch "verschlechterte" sich das Wetter langsam, die Wolken verdichteten sich zusehends. An der Weggabelung (Schild) zwischen dem bezeichteten Normalweg auf die Östliche Knotenspitze und dem eher weglosem Aufstieg zur Vorderen Plattenspitze pausierten wir und berieten uns über den Weiterweg: geplant war der Aufstieg über den Jedlasgrüblferner (spaltenfrei) zur Scharte zwischen Vorderer Plattenspitze und Falbesoner Knotenspitze sowie weiter zum Gipfel...

Michael beim Aufstieg zum Grat, im Hintergrund die Vordere Plattenspitze
Das erste kleine Teilstück zum Ferner führte über viel Geröll und Blockwerk, danach begann auch schon in den "Schneebereich". Es gab keine Spuren, jedoch kamen wir gut voran. Wir hielten uns ziemlich weit westlich, möglichst nahe am Grat. Als es langsam steiler wurde, erreichten wir schließlich eine kurze ca. 2m breite Passage, bei welcher unter dem Schnee etwas Eis zum Vorschein kam. Ohne Steigeisen war es sehr rutischig und es hätte weiter oben heikel werden können. So entschlossen wir uns doch schon direkt zum Grat aufzusteigen und dort bis zur Scharte zu Klettern. Die vielleicht 20 bis 40 Höhenmeter waren schnell zurückgelegt, jedoch war hier und da der Fels etwas bröslig bzw. "erdig/schlammig". Auf dem Bild ist Micha gerade im unteren Teil des Aufstieges zum (rechts zu sehenden) Grat. Im Hintergrund in den Wolken die Vordere Plattenspitze.

Gratkletterei Sebastian und der Knotenferner Gratkletterei
Am Grat waren wir schließlich komplett in den Wolken. Im Osten, immer etwa 10 bis 20m unter uns, der Jedlasgrübelerferner, im Westen steile Schutthänge und (falls die Wolken kurz aufrissen) der Knotenferner (siehe mittleres Bild). Zunächst kletterten wir in Richtung Falbesonder Knotenspitze (alles ca. I-II). Es gibt dort keinerlei Markierungen und somit gab es einige Verhauer: Direkt am Grat? Oder vielleicht doch eher westlich oder östlich davon entlang? Mit Blick auf die Uhr änderten wir unseren ersten Plan und beschlossen über den Grat die zumindest sichtbare Vordere Plattenspitze anzugehen.
Es war hier und da schon recht ausgesetzt, jedoch hielten sich die Tiefblicke aufgrund der Wolken in Grenzen. Die Gratkletterei war einfach spitze, ich ging Michael und Sebastian mit meinem ständigen "super" und "geil" regelgerecht auf den Keks. ;-)

Gipfel der Vorderen Plagttenspitze
Die letzten Meter hinauf zur Vorderen Plattenspitze wurden nach eher "horizontaler Kletterei" wieder etwas steiler, jedoch alles gut machbar. Um ca. 15 Uhr erreichten wir den Gipfel. Man konnte gerade noch die ersten Meter des Normalweges sehen, danach war alles dicht von den uns umgebenden Wolken. Nachdem Sebastian ein Buch von Ernst Jandl dabei hatte und einige Gedichte von ihm rezitierte wurde die Stimmung doch etwas sureal. Kleines Beispiel:

Manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum.

Abstieg Vordere Plattenspitze zum Grat Michael im unteren Teil des Ferners Der Grat vom unteren Teil des Jedlasgrübelferner
Da wir nun doch noch etwas Zeit bis zum Abendessen auf der Hütte hatten, beschlossen wir, nun doch wieder zum Grat zu "gehen" und diesen soweit zu klettern, bis wir am nördlichen Ende des Ferners wieder absteigen können. Die Umkehrstelle war recht schnell erreicht, ab dann begann wieder da Neuland.
Der Grat war überaus interessant! Ich kletterte ständig vorraus, um den richtigen Weg zu finden. Danach kamen Michael und Sebastian nach. Die Wegführung war oftmals nicht klar und teilweise mußten wir bei "Sackgassen" wieder umdrehen, da mit einmal eine zwei bis drei Meter hohe senkrechte Platte den Weiterweg versperrte. Prinzipiell gab es meist nur zwei Alternativen: direkt am Grat entlang oder etwas westlich absteigen, um einige Aufschwünge zu umgehen. Östlich konnten wir kaum gehen, da steile senkrechte Platten bis zum angrenzenden Ferner ist die Tiefe führten.
Kurz bevor wir die "eigentliche Scharte" zur Falbesoner Knotenspitze erreichten gab es im Abstieg noch eine etwas unangenehmere Stelle: abgerundeter und feuchter Fels mit so gut wie keinen Haltemöglichkeiten, links und rechts nicht zu umgehen. Wir rutschten dieses Stück schliesslich auf dem Hosenboden herab, das klappte wunderbar. ;-)
Wieder am Ferner konnten wir diesen nun nördlich im Blockwerk umgehen und gelangten so wieder zur Weggabelung. Im flacheren unteren Teil war auf den Schuhen ein Abfahren möglich, weiter oben wäre es aufgrund der Steilheit und des teilweise vorhandenen Eises zu heikel. Auf dem rechten Bild ist nochmal das Gratstück zu sehen. Vom Kreis links bis zum dem rechten benötigen wir etwa 1 Stunde.

Diese Schafe mochten keine Äpfel
Schnell waren wir wieder unterhalb der Wolken und auch wieder bei den Schafen. Sie mochten jedoch kein Äpfel! *g*
Zurück an der Hütte machten sich langsam ein paar Kopfschmerzen bemerkbar. Den doch relativ zügigen Aufstieg von ca. 1200m auf fast 3000m sollte man eben nicht unterschätzen! Siehe dazu auch den Thread "Probleme mit der Höhe in der Alpen (ab welcher Höhe?)" in der Newsgroup news://de.rec.alpinimus, Message-ID: "al5sgf$1mrod2$1@ID-39248.news.dfncis.de".
Die zwar nicht mehr ganz warme Dusche tat sehr gut, das folgene Essen war sehr lecker und im Notlager blieben wir tatsächlich alleine. Also massig Platz und Seelenruhe! :-)

Tag 2

Ruderhofspitze und Östliche Seespitze von der Regensburger Hütte aus
Am folgenden Tag standen wir aufgrund der völligen Dunkelheit im Notlager (keine Fenster) und der Ruhe (keine Schnarcher) erst sehr spät gegen 7:30 Uhr auf. Die Sicht gen Westen zur Ruderhofspitze und zur Östlichen Seespitze (siehe Bild, Blick von der Regensburger Hütte!) war diesen Morgen sehr gut, im Osten hingen die Gipfel jedoch schon wieder in Wolken/im Hochnebel.
Der Hüttenwirt meinte, dass der Firngrat zur Östlichen Seespitze aufgrund des Neuschnees der letzten Woche wohl ohne Steigeisen machbar wäre, jedoch bestimmt nicht gespurt sei. Das klang gut und somit stand unser Gipfelziel für diesem Tag fest. :-) Um 8:30 Uhr ging es dann los.

Falbesoner See gegen die Grawand unterer Abschnitt des Hochmoosferners, Blick gegen die Nockwand Rast vor dem Einstieg, Blick gegen die Ruderhofspitze
Zunächst geht es flach, danach seicht ansteigend auf markiertem Weg gen Westen in Richtung Hochmoosferner. Den ersten "Tümpel" und den Abzweig zur Dresdner Hütte (Stubaier Höhenweg) erreichten wir gegen 9:20 Uhr. Nun hält man sich ebenfalls südwestlich, nimmt jedoch nicht den Weg zur Dresdner Hütte. Schnell waren wir am stahlblauen Falbesoner See, den man südlich quert (linkes Bild). Der Himmel war noch wolkenfrei, jedoch zog es langsam aber sicher von Osten her ein wenig zu. Nun wird es bis zum Ansatz des Hochmossferners etwas steiler, hier und da gibt es Pfadspuren und Steinmandl.

Nun galt es den richtigen Einstieg hinauf zum Südostgrat zu finden. Der Hochmoosferner war für uns aufgrund fehlender Gletschererfahrung und Ausrüstung natürlich tabu. An seinem nördlichen Rand war er jedoch soweit abgetaut, dass viel Blockwerk von unten her durchschaute und wir so ohne Gefahr recht weit aufsteigen konnten. Den großen Felsblock bei P. 2937m liessen wir südlich liegen (siehe mittleres Bild, er war z.B. nur mit "richtiger" Gletscherberührung erreichbar).

So richtig fündig wurden wir mit unserem Einstieg nicht, wir konnten ebenfalls keine Markierung etc. entdecken. Somit beschlossen wir - soweit möglich - weiter auf dem Blockwerk aufzusteigen und beim zweiten großen sichtbaren Schotterfeld nach Norden in den Fels der "Südwand" der Östlichen Seespitze zu wechseln. Von dort aus war dann der Plan, in Richtung Nordwesten quer bis zur Südwestflanke (normal eigentlich von der Hochmoosscharte zu erreichen) zu klettern und dann von dort aus zum Gipfel aufzusteigen.

Am Schotterfeld pausierten wir und genossen die imposanten Blicke in die Nordwand der Ruderhofspitze (rechtes Bild).

Aufstieg am Schotterfeld
Auf etwa 3000m gingen wir dann das Schotterfeld an: ein Schritt vor, zwei zurück (siehe Bild). ;-) Gott sei Dank gab es immer wieder ein paar kleinere Passagen im Blockwerk. Am Felsansatz hielten wir uns westlich, teilweise schienen hier Pfadspuren zu sein...
Nach etwa 30 Minuten Aufstieg und Querungen wurde es ausgesetzter und es kam etwas Schnee hinzu. Bei Michael und Sebastian schlich sich langsam etwas Unwohlsein ein, denn wir mussten ja stets an den Abstieg denken. Nicht unbedingt die beste Entscheidung: aber wir beschlossen, dass die beiden alleine wieder absteigen und ich "noch schnell" bis zum Gipfel schaue oder bzw. soweit ich eben komme...

Aufstieg vor Firnrinne Aufstieg nach Firnrinne
Mitterweile hüllten Nebel und Wolken viel ein, die Südflanke war jedoch sichtbar. Die weitere Querung zu ihr hin sah aufgrund einiger "Bäche" nicht so toll aus. Ich entschloss mich wieder direkt zum Grat aufzusteigen und Höhe zu gewinnen. Ein paar kleine Rinnen nebst senkrechten plattenartigem Gestein ermöglichten das Durchkommen, jedoch alles im IIer Gelände. Danach nahm der Schnee zu, oftmals versank ich schon bis zu den Knien. Eine große Firnrinne westlich meiner Aufstiegsroute sah hier noch zu steil aus, um sie hin zur Südflanke zu queren. Also weiter hoch. Einen großen Felsblock wollte ich zunächst nicht umgehen, beim Überklettern mußte ich jedoch feststellen, dass dies nicht möglich war: oben wurde aus IIer Gelände glitschiges IIIer, wenn nicht sogar mehr. ;-) (linkes Bild: im linken Kreis der Felsblock, im rechten Kreis in etwa die Richtung des Startpunktes)

Links vorbei klappte allerdings doch sehr gut und ich kam näher an die Firnrinne heran. Die Schneeauflage wurde härter aber ich sank trotzdem ständig bis zu den Knien ein. Aufgrund der Steilheit (ca. 40°) konnte ich jedoch prima wie auf einer Leiter aufsteigen und kam sehr gut voran. Etwa 50 Höhenmeter legte ich so neben der Rinne zurück. Von dieser Position aus sah ich oben im Nebel weitere Bergsteiger, die sich anscheinend gerade im Abstieg an der Südflanke befanden. Also war oben bereits gespurt, super! Somit stieg ich weiter neben der Rinne auf und querte sie schliesslich als es etwas flacher wurde.

Endlich erreichte ich die Südflanke und traf auf die Spuren. Die Bergsteiger waren allerdings schon viel weiter unten und ich lief ihnen nicht über den Weg. Der restliche Aufstieg zum Gipfel gestaltete sich nun vergleichsweise extrem einfacher, jedoch immer noch alles Ier Gelände im Blockwerk mit Schnee und die Höhe kam nun ebenfalls dazu. Rechtes Bild: Blick von der Südflanke hin zu meinem Aufstieg.

Meinereiner am Gipfel Firngrat in Richtung Osten
Gegen 13:00 Uhr tauchte ein kleines Kreuz vor mir auf und ich stand endlich auf dem Gipfel der Östlichen Seespitze (linkes Bild). Beim Blick gen Osten zum eigentlichen Südostgrat (rechtes Bild) fiel mir schließlich auf, das ich wirklich eine komplett andere Route gegangen bin als im Führer beschrieben wurde. Normalerweise wäre man dieses Grat gekommen und wohl schon viel eher zu ihm aufgestiegen...

Im Gipfelbuch konnte ich nachlesen, dass die gesehenen Bergsteiger insgesamt zu dritt und vom "DAV Stubai Alpin" waren. Den Spuren nach kamen sie anscheinend von der Westlichen Seespitze. Was jedoch interessant war: in 2002 waren gab es laut dem Gipfelbuch erst Besteigungen von 4 Gruppen, in ganz 2001 waren es insgesamt 12 Gruppen. Also ein nicht oft besuchtes Ziel, wahrscheinlich lockt die nahe Ruderhofspitze mehr...

Panorma von der Östlichen Seespitze gegen Ruderhofspitze und Schrankogel
Petrus meinte es mit mir sehr gut und lies kurz die Wolken aufreissen. Ein herrliches Panorama (152kB) lag mir nun zu Füßen! Links die Nordwand der Ruderhofspitze, unter ihr der Hochmoosferner mit der Hochmoosscharte, die kleinere Westliche Seespitze und schließlich im Westen die imposante Ostflanke des Schrankkogels.

Michael und Sebastian wollte ich nun nicht zu lange warten lassen, nach ein paar Fotos ging es gegen 13:15 Uhr schon wieder an den Abstieg. Ich wußte, dass nun trotz der Euphorie nochmals die volle Konzentration nötigt war. Meine gelegten Spuren waren nun im Abstieg gut gangbar und ich kam schnell voran. Weiter unten bei den senkrechten Platten verstieg ich mich jedoch und mußte so ein wenig nach dem Weg suchen. Den markanten Punkt der "Trennung" von Michael und Sebastian erreichte ich etwa 14:15 Uhr, also eine volle Stunde später. Knapp 30 Minunten danach, 14:45 Uhr, war ich wieder beim Einstieg am Schotterfeld.

Michael und Sebastian beim Abstieg Michael und Sebastian am Fuss des Hochmoosferners, Blick gegen die Hütte
Michael und Sebastian waren derweil auch noch ein wenig im Fels unterwegs gewesen (linkes Bild, die roten Kreise). Der weitere Abstieg vom Ferner verlief ohne Probleme wie der Aufstieg. Im unteren Teil konnten wir prima auf dem Schnee abfahren, etwa 15:45 Uhr waren wir wieder an der Weggabelung zur Dresdner Hütte.
Unweit der Regensburger Hütte war die JDAV Regensburg gerade mit dem Einrichten eines Klettergartens und einer Boulderecke beschäftigt. Nach einem kleinen Antesten *g* ging es dann zurück zur Hütte, diesmal hatte es noch etwas warmes Wasser und die zwei Portionen Chilli für jeden von uns ließen wir uns schmecken. Und zu guter Letzt waren wir immer noch alleine im Notlager... :-)

Tag 3

Auch die zweite Nacht im Notlager war sehr gut und verschliefen fast das Frühstück. Da wir zumindest nun am dritten Tag endlich mal alle auf einem "richtigen" Gipfel stehen wollten, überlies ich Michael und Sebastian die Wahl des Ziels. Da die Gratkletterei an der Vorderen Plattenspitze den beiden gefallen hatte, beschlossen wir die Uelasgratespitz über Schrimmenieder und Schrimmenkopf anzugehen.

Michael und Sebastian an der Schrimmennieder-Scharte Blick von der Schrimmennieder-Scharte hinunter nach Falbeson
Erst um 9:00 Uhr brachen wir auf, alles schwere Gepäck liessen wir wie den Tag zuvor auf der Hütte zurück. Zunächst führt der Weg recht eben am Hang in Richtung Nordosten. Nach ca. 1km erreicht man die beschilderte Kreuzung und man folgt dem normalen Hüttenweg zur Franz Senn Hütte in Richtung Norden. Ab diesem Punkt geht es bergauf und man hat die 400 Höhenmeter bis zur Schrimmennieder Scharte zu überwinden. Der Weg war gut gangbar, auch weiter oben im Schotter. Wir beschlossen diesmal extra langsam zu laufen, um so dem sonstigen "hochgerenne und ständig pausieren müssen" entgegenzuwirken. Das klappte sehr gut, auch wenn es anfangs etwas schwer fiel. ;-) Die Wolken zogen allerdings wieder zu und so gingen wir die letzten Höhenmeter wieder im totalen Dunst und ohne viel Sicht. Etwa 10:15 Uhr erreichten wir die Scharte (linkes Bild: die Scharte, rechtes Bild: Blick von der Scharte ins Falbesonder Tal).

Nach einer kurzen Rast planten wir den weiteren Weg. Im Führer wird beschrieben, dass man von der Scharte direkt gen Westen zum Grat aufsteigen soll. Es gab an der westlichen Seite jedoch rot-weiße Markierungen (siehe linkes Bild oben). Sollte der Aufstieg nun etwa komplett markiert und sogar gesichert sein? Evt. auf einer etwas anderen Route als im Führer beschrieben? Wir beschlossen also zunächst den Markierungen zu folgen. Nach etwa 10-20 (Höhen)Metern hörten diese jedoch auf, sie waren nur zur Umgehung des Rest-Schneefeldes gedacht (siehe Bilder oben).
Wir machten nun den Fehler, nicht wieder komplett zurück zur Scharte zu gehen, sondern stiegen weiter, etwas südseitig zum Grat auf. Hier kamen wir in recht steiles und brüchiges Schrofengelände sowie Schotter und Blockwerk. Sebastian rutschte in diesem Teilstück ein Felsblock unter den Füßen weg. Im wurde daraufhin unwohl und er beschloss lieber wieder zurück zur Scharte zu gehen... Micha und ich wollten zumindest bis zum Schrimmenkopf gelangen und so trennten wir uns abermals.

Michael am Vorgipfel des Schrimmenkopfes, Blick Richtung Nordosten Meinereiner am Vorgipfel des Schrimmenkopfes, Blick zur Ueglasgratspitze
Kurz oberhalb der Schrofen wurde das Gelände jedoch um einiges besser. Der Fels wurde griffiger und die Blockkletterei machten großen Spass. Das letzte einsehbare Teilstück mit einer Art "Platten" kletterte man eher in Richtung Südwesten. Dort oben angekommen bemerkten wir jedoch, dass wir erst am Vorgipfel waren. Der weitere Grat zum zum Schrimmenkopf und Uelasgratspitz sah sehr zeitintensiv und anspruchsvoll aus (linkes Bild: Schrimmenkopf neben meiner linken Schulter, Uelasgratspitz rechts). Micha und ich bekamen beide etwas Unlust und Respekt bei diesem Anblick. Durch die ebenfalls vorhandenen Wolken (keine Sicht am Gipfel *g*) und Sebastian entschieden wir uns lieber auch hier wieder abzusteigen.

Michael beim Abklettern vom Vorgipfel des Schrimmenkopfes Blick vom Grat hinunter zur Scharte Schrimmennieder
Beim Abstieg vom Vorgipfel nahmen wir die ersten Meter natürlich den gleichen Weg wie beim Aufstieg (linkes Bild). Danach wollten wir jedoch lieber schauen, dass wir den im Führer beschriebenen direkten Aufstieg zum Grat finden, denn in die brüchigen Schrofen wollten wir nicht noch einmal. ;-) Und tatsächlich, direkt am Grat in Richtung Osten sahen wir ein Steinmandl! Bis zu diesem ging es in Blockkletterei weiter und von diesem konnten wir bereits das nächste Steinmandl erkennen. Super! Nach ein paar Höhenmetern konnten wir Sebastian an der Scharte sehen (rechtes Bild). Von diesem Punkt konnten wir prima auf Sicht klettern, es war "extrem" einfacher als der Aufstieg. Im unteren Teil gab es jedoch keinerlei Steinmandl!

Blick vom Basslerjoch zur Regensburger Hütte Blick vom Basslerjoch zum Habicht
Wieder an der Schrimmennieder Scharte zeichnete es sich schon ab, dass auch an diesem Tag leider nicht mehr allzuviel möglich war. Aber was solls? :-) Zu dritt gingen wir nun in Richtung Osten noch kurz zum Basslerjoch hinauf. Der Weg war nun wieder einfach, jedoch ein wenig ausgesetzt. Die Sicht war alles andere als gut, der Wind pfiff hier oben nun doch schon recht kalt und es wollte keine "Abhäng-Stimmung-beim-Sonnen" aufkommen. Auf dem linken Bild ist der Blick in Richtung Regensburger Hütte zu sehen, rechts dageben der Blick zum Habicht.

Panorama-Blick vom Basslerjoch zu Wilder Freiger, Wilder Pfaff und Zuckerhütl
Hier noch ein kleines Panorama vom Basslerjoch in Richtung Stubaier Hauptkamm (121kB). Auf der Vergrößerung sind nach besten Wissen ein paar Gipfel bezeichnet. Rechts im Vordergrund unter der kleinen dunklen Bergkette befindet sich (nicht sichtbar) die Regensburger Hütte.

Regensburger Hütte Falbesoner Alm
Nun hatten wir noch den "langen Abstieg" bis ins Tal vor uns. Zunächst ging es natürlich wieder zurück zur Hütte die Sachen holen. Dort, unter den Wolken, schien die Sonne und wir machten ein genüßliches Päuschen mit Kaffee und Kuchen (linkes Bild). Danach ging es wieder zur Falbesoner Alm (rechtes Bild) und vor dort aus weiter den bereits bekannten Weg zurück ins Tal. Michaels Fuß (bzw. Ferse) tat nun langsam aber sicher richtig weh und er entschloss sich nun doch einmal die "Opa-Stöcke" zu nutzen. *g*. Unser Auto stand noch am Parkplatz und so ging es mehr oder weniger flott nach einem schönen Bergaufenthalt wieder Richtung München.

Fazit

Schade war natürlich, dass wir alle drei zusammen trotz der drei Tage nur auf einem Gipfel standen. Nichts desto trotz waren die Klettereien am Grat bei der Vorderen Plattenspitze sowie die Östliche Seespitze schon genial. Hier noch ein paar Anmerkungen:

  • Zur Östlichen Seespitze fanden wir wie beschrieben wohl nicht den richtigen Weg zum Südostgrat (siehe AVF Stubaier Alpen alpin, 12. Aufl., Nr. 2343). Unsere Route habe ich versucht in einem gescannten Kartenausschnitt (96kB) nachzuzeichen. Grün ist die Route vom Falbesoner See aus, der violette Bereich vom Hochmoosferner war in etwa schneefrei bzw. so weit ausgeapert, dass man ihn auch alleine ohne Seil etc. ohne Gefahr begehen konnte (Aug. 2002).
  • Beim Aufstieg von der Schrimmennieder Scharte zum Schrimmenkopf wirklich direkt gen Westen zum Grat aufsteigen und nicht versuchen nach Süden auszuweichen. Nach vielleicht 50 Höhenmetern sollten die ersten Steinmandl gefunden werden. Siehe dazu auch nochmals folgendes Bild, welches den Blick hinunter zur Scharte zeigt.

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