Tag 1
Die Nacht draußen war soweit recht gut, allerdings aufgrund des nahen Flusses recht
laut. Trotzdem schliefen wir alle recht lange und wurden erst kurz vor 8 Uhr so richtig
munter. Michael krabbelte irgendetwas im Schlafsack. Als er sich kratzte und es
herausholte war es eine große Spinne - zwar "nur" ein Weberknecht, aber nunja. ;-)
Wir räumten unsere Schlafstätte und machten etwas Frühstück am Auto
(rechtes Bild). Es gab auch schön warmen Tee...
Nach dem Packen der Rucksäcke gingen wir erst gegen 9:00 Uhr los. Der Hüttenanstieg
beginnt direkt am Waldcafe und verläuft im unteren Teil fast komplett südseitig im Wald.
Es war jedoch jetzt schon ziemlich warm und da es auch sofort hoch geht, ging es
wieder mit dem Schwitzen los. Tolle Aussichten hat man hier noch so gut wie keine,
da das Tal doch recht steil ist und der Wald soweit alles bedeckt. Hier und da quert
man die bis zur Falbesoner Alm führende Fahrstraße.
Etwa nach einer Stunde erreichten wir die Falbesoner Alm (1818m, auch Ochsenalm).
Die Alm ist wunderschön gelegen und das Wetter war super - zumindest in Richtung Süden
und in unserer Höhe. Auf dem Bild ist - wie ich zunächst dachte - jedoch noch nicht der
Habicht (3277m) zu sehen, sondern höhstwahrscheinlich der Blick in Richtung Nürnberger
Hütte und Feuerstein.
Die Alm ist der Startpunkt der Materialseilbahn der Regensburger Hütte und man kann die
Hütte bereits kurz hinter der Alm sehen. Leider befanden sich jetzt schon zahlreiche
Gipfel in den Wolken, besonders in Richtung Norden zur Schrimmennieder-Scharte.
Der Weg zur schon weit sichtbaren Hütte zog sich nun ein wenig durch eine Art
kleines Hochtal hin: zunächst wenig ansteigend durch ein paar Latschen, danach steiler
werdend in Kehren. Von einer ausgedehnten "Sight-Seeing-Tour" mit schlechten Schuhen
auf viel Asphalt in Wien das Wochenende zuvor taten Michaels Fusssohlen bereits nun
schon weh. Der Versuch die Füsse im Falbesoner Bach zu kühlen brachte jedoch keine
Besserung.
Gegen 11:30 Uhr erreichten wir schließlich die Regensburger Hütte (2286m). Es
war bereits einiger Betrieb und der Wirt hatte etwas Probleme uns unterzubekommen -
wir hatten nicht reserviert. Wir liessen uns sofort in die Notlager direkt unter dem
Dach einquartieren und hofften, dass dieses vielleicht doch nicht allzu voll wird.
Eine ordentliche Brotzeit und ein Radler taten uns gut und wir bestellten bereits unser
Abendessen. Dies war hier auf dieser Hütte so üblich: bis etwa 17:30 Uhr bestellt man
sein Essen vor, ab 18:30 Uhr heißt es dann "Mahlzeit". :-)
Wir liessen nun alles unnötige auf der Hütte zurück und gingen gegen 12:45 Uhr unser
Tagesziel an: die Falbesoner Knotenspitze. Der bezeichnete Weg schlängelt sich
zunächst nach Norden über Wiesen empor, die Hütte ist immer sichtbar. Nach einer
Weile machten sich einige Schafe lautstark bemerkbar, es war sogar ein Schäfer dabei
(siehe Bild). Ab etwa 2500m-2600m konnten wir langsam aber sicher die
Höhe spüren. Es wurde kühler und die Luft dünner. Auch "verschlechterte" sich das
Wetter langsam, die Wolken verdichteten sich zusehends. An der Weggabelung (Schild) zwischen
dem bezeichteten Normalweg auf die Östliche Knotenspitze und dem eher weglosem Aufstieg
zur Vorderen Plattenspitze pausierten wir und berieten uns über den Weiterweg: geplant
war der Aufstieg über den Jedlasgrüblferner (spaltenfrei) zur Scharte zwischen Vorderer
Plattenspitze und Falbesoner Knotenspitze sowie weiter zum Gipfel...
Das erste kleine Teilstück zum Ferner führte über viel Geröll und Blockwerk,
danach begann auch schon in den "Schneebereich". Es gab keine Spuren, jedoch kamen
wir gut voran. Wir hielten uns ziemlich weit westlich, möglichst nahe am Grat.
Als es langsam steiler wurde, erreichten wir schließlich eine kurze
ca. 2m breite Passage, bei welcher unter dem Schnee etwas Eis zum Vorschein kam. Ohne
Steigeisen war es sehr rutischig und es hätte weiter oben heikel werden können. So
entschlossen wir uns doch schon direkt zum Grat aufzusteigen und dort bis zur
Scharte zu Klettern. Die vielleicht 20 bis 40
Höhenmeter waren schnell zurückgelegt, jedoch war hier und da der Fels etwas bröslig
bzw. "erdig/schlammig". Auf dem Bild ist Micha gerade im unteren Teil des Aufstieges
zum (rechts zu sehenden) Grat. Im Hintergrund in den Wolken die Vordere Plattenspitze.
Am Grat waren wir schließlich komplett in den Wolken. Im Osten, immer
etwa 10 bis 20m unter uns, der Jedlasgrübelerferner, im Westen steile Schutthänge
und (falls die Wolken kurz aufrissen) der Knotenferner (siehe mittleres Bild).
Zunächst kletterten wir in Richtung Falbesonder Knotenspitze (alles ca. I-II). Es
gibt dort keinerlei Markierungen und somit gab es einige Verhauer: Direkt am Grat?
Oder vielleicht doch eher westlich oder östlich davon entlang? Mit Blick auf die Uhr
änderten wir unseren ersten Plan und beschlossen über den Grat die zumindest
sichtbare Vordere Plattenspitze anzugehen.
Es war hier und da schon recht ausgesetzt, jedoch hielten sich die Tiefblicke aufgrund
der Wolken in Grenzen. Die Gratkletterei war einfach spitze, ich ging Michael und
Sebastian mit meinem ständigen "super" und "geil" regelgerecht auf den Keks. ;-)
Die letzten Meter hinauf zur Vorderen Plattenspitze wurden nach eher
"horizontaler Kletterei" wieder etwas steiler, jedoch alles gut machbar. Um ca. 15 Uhr
erreichten wir den Gipfel. Man konnte gerade noch die ersten Meter des
Normalweges sehen, danach war alles dicht von den uns umgebenden Wolken. Nachdem
Sebastian ein Buch von Ernst Jandl dabei hatte und einige Gedichte von ihm
rezitierte wurde die Stimmung doch etwas sureal. Kleines Beispiel:
Manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum.
Da wir nun doch noch etwas Zeit bis zum Abendessen auf der Hütte hatten, beschlossen
wir, nun doch wieder zum Grat zu "gehen" und diesen soweit zu klettern, bis wir am
nördlichen Ende des Ferners wieder absteigen können. Die Umkehrstelle war recht schnell
erreicht, ab dann begann wieder da Neuland.
Der Grat war überaus interessant! Ich kletterte ständig vorraus, um den richtigen
Weg zu finden. Danach kamen Michael und Sebastian nach. Die Wegführung war oftmals
nicht klar und teilweise mußten wir bei "Sackgassen" wieder umdrehen, da mit einmal eine
zwei bis drei Meter hohe senkrechte Platte den Weiterweg versperrte. Prinzipiell gab
es meist nur zwei Alternativen: direkt am Grat entlang oder etwas westlich
absteigen, um einige Aufschwünge zu umgehen. Östlich konnten wir kaum gehen, da steile
senkrechte Platten bis zum angrenzenden Ferner ist die Tiefe führten.
Kurz bevor wir die "eigentliche Scharte" zur Falbesoner Knotenspitze erreichten gab es
im Abstieg noch eine etwas unangenehmere Stelle: abgerundeter und feuchter Fels mit
so gut wie keinen Haltemöglichkeiten, links und rechts nicht zu umgehen. Wir rutschten
dieses Stück schliesslich auf dem Hosenboden herab, das klappte wunderbar. ;-)
Wieder am Ferner konnten wir diesen nun nördlich im Blockwerk umgehen und gelangten so
wieder zur Weggabelung. Im flacheren unteren Teil war auf den Schuhen ein Abfahren möglich,
weiter oben wäre es aufgrund der Steilheit und des teilweise vorhandenen Eises zu heikel.
Auf dem rechten Bild ist nochmal das Gratstück zu sehen. Vom Kreis links bis zum
dem rechten benötigen wir etwa 1 Stunde.
Schnell waren wir wieder unterhalb der Wolken und auch wieder bei den Schafen.
Sie mochten jedoch kein Äpfel! *g*
Zurück an der Hütte machten sich langsam ein paar Kopfschmerzen bemerkbar.
Den doch relativ zügigen Aufstieg von ca. 1200m auf fast 3000m sollte man eben nicht
unterschätzen! Siehe dazu auch den Thread
"Probleme mit der Höhe in der Alpen (ab welcher Höhe?)" in der Newsgroup
news://de.rec.alpinimus,
Message-ID: "al5sgf$1mrod2$1@ID-39248.news.dfncis.de".
Die zwar nicht mehr ganz warme Dusche tat sehr gut, das folgene Essen war sehr lecker
und im Notlager blieben wir tatsächlich alleine. Also massig Platz und Seelenruhe! :-)
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