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Vorgeschichte
Überblick
Eindrücke
Fazit
 

Zwieselbacher Roßkogel

Stubai, 21.05.2009

   

Vorgeschichte

Wie bereits zwei Jahre zuvor, war ich für ein paar Tage auf dem Campingplatz Krismer in Umhausen im Ötztal, um von dort aus ein paar Frühjahrstouren zu unternehmen. Diesmal sollte auch ein 3000er dabei sein. So fiel meine Wahl auf den Zwieselbacher Roßkogel. Von Niederthai aus im Sommer runde 1500 Höhenmeter, ansonsten aber eigentlich eine Bergwanderung auf markierten Pfaden ohne größere Schwierigkeiten.

Dieses Jahr hatte es südseitig ab ~2500-2700m eine mehr oder weniger geschlossene Schneedecke. Dadurch waren die Wegmarkierungen nicht sichtbar - ansich nichts ungewöhnliches, damit rechnet man ja bei Touren um diese Jahreszeit. Doch ich habe es geschafft, mich richtig gut "verhauen" und bin in einem komplett falschen Kar aufgestiegen. Allerdings war ich mir lange sicher, dass ich vollkommen richtig unterwegs bin. Das Gelände ansich sah gegenüber der Karte nicht falsch aus und wirkte auch sonst wie der logische Weg auf den Gipfel.

Da ich über einen kleinen Umweg doch noch gut auf den Zwieselbacher Roßkogel gekommen bin, mag ich das an dieser Stelle mal kurz beschreiben.

Überblick

Schwierigkeitsbewertung: Bergtour

  • gegen 7:15 Uhr Start vom Parkplatz in Niederthai (~1500m)
  • Schweinfurter Hütte (2028m) erreicht gegen 8:45 Uhr, Pause... ca. 9 Uhr weiter
  • ca. 11:00 Uhr Scharte im falschen Kar und Pause
  • gegen 13:00 Uhr Gipfel Zwieselbacher Roßkogel (3081m), ~30min Pause
  • bereits 14:30 Uhr wieder an der Schweinfurter Hütte (2028m), kurze Pause
  • gegen 15:15 Uhr wieder in Niederthai (~1500m)

Eindrücke

Nach einem Biwak auf dem Parkplatz in Niederthai (~1500m) ging es auf der breiten Forststraße in Ruhe hinauf bis zur Schweinfurter Hütte. Hier tummeln sich im Sommer bestimmt die Mountainbiker, es ist ein nette Strecke, nie besonders steil, gut ausgebaut. Auf dem Weg gab es noch einige interessante Reste von Lawinenabgängen zu bestaunen. Nach ca. 1,5h erreichte ich die Schweinfurter Hütte (2028m).

Lawinenreste beim Aufstieg zur Schweinfurter Hütte Blick zurück zur Schweinfurter Hütte
links: Lawinenreste beim Aufstieg zur Schweinfurter Hütte
rechts: Blick zurück zur Scheinfurter Hütte

Nach einer kurzen Frühstückspause ging es weiter zur Zwieselbacher Sennhütte. Kurz hinter der Sennhütte kommt ein Wegweiser, hier geht es links bergauf zum Zwieselbacher Roßkogel. Zunächst steiler über Grashänge, danach auch kurze flachere Passagen am Hang entlang.

Irgendwo bei ca. 2300m gab es die ersten Restschneefelder. In dieser Gegend muss mein Verhauer begonnen haben. Laut Karte und Beschreibung im AV-Führer geht der Weg markiert durch das Fidaskar. Auf dieses wartete ich quasi. Mir bot sich dabei folgender Ausblick... beide Bilder sind (später beim Abstieg) vom gleichen Standort aufgenommen. Das linke Bild mit dem "Blick nach links" in falsche Kar, das rechte Bild mit dem "Blick etwas weiter nach rechts" hinauf zu einer kleinen "Steilstufe". Hinter der Stufe das eigentliche Fidaskar.
Im linken Bild ist sogar noch eine kleine rote Markierung zu sehen. Wahrscheinlich verläuft der richtige Weg dann weiter nach rechts hinauf zur "Steilstufe". Ich muss jedoch irgendwie gepennt haben und sah vor mir bereits das (falsche) Kar.

Falscher Aufstieg, nordwestlich vom Fidaskar Richtiger Aufstieg zum Fidaskar entlang des Bachverlaufes
links: Falscher Aufstieg, nordwestlich vom Fidaskar
rechts: Richtiger Aufstieg zum Fidaskar entlang des Bachverlaufes

Nach dieser Stelle habe ich zwar keine weiteren Markierungen mehr gesehen, aber hier wurden die Restschneefelder zahlreicher. Markierungen hätten durchaus unter dem Schnee sein können. Der Blick hinauf ins Kar sah für mich logisch aus. Das Gelände war flacher, hier hätten durchaus die Markierungen auch weit auseinander liegen können.

Auch als der Abschluß des Kars komplett sichtbar wurde, sah es nicht vollkommen falsch aus. Ich bekam zwar erste Zweifel, aber für eine Umkehr wollte ich mich noch nicht entschließen.
Ich beschloss im Kar sehr weit links herauszuqueren und möglichst am links begrenzenden Kamm / Grat zu gehen. Dadurch wollte ich eine bessere Übersicht gewinnen. Stets am Grat bis zum Karende wurde es jedoch dann zu schwierig (linkes Bild). Und hier bemerkte ich dann schließlich auch meinen Fehler. Das Gipfelkreuz vom Zwieselbacher Roßkogel (was anderes konnte es nun wirklich nicht sein) war kurz sichtbar und es war noch viel zu weit weg. Aus der Karte ist ersichtlich, dass man durch das Fidaskar bis hinauf zu einer Scharte steigt und sich dann quasi breits im Gipfelbereich, im Gipfelaufbau befindet. Das war von diesem falschen Kar aus gesehen viel zu weit weg. Ich musste also falsch sein.

Von hier wieder zum richtig Weg abzusteigen - darauf hatte ich keine Lust. So richtig fit war ich dieses Jahr noch nicht. Dieser Abstieg hätte wahrscheinlich ein Abstieg zurück ins Tal bedeutet. Somit beschloss ich am Ende des falschen Kars einen Übergang ins Fidaskar zu suchen. Eine schneegefüllte Rinne sah - zumindest von weiter unten - irgendwie möglich aus. Bis zur Rinne konnte man über steilen Schotter gut aufsteigen und vor der Rinne sah es immer noch machbar aus. Tatsächlich kann man links des Schnees in der Rinne (rechtes Bild) gut hinaufklettern. Zwar etwas brüchig aber maximal I. Viel weiter / länger als auf dem Bild sichtbar geht die Rinne auch nicht. Mittlerweile war es aber breits beinahe 11 Uhr...

Am Ende des falschen Kars, oben die Rinne Rinne zum Übergang ins Fidaskar
links: Am Ende des falschen Kars, oben die Rinne
rechts: Rinne zum Übergang ins Fidaskar

Nach dem Ausstieg aus der Rinne zeigte sich mein Fehler: ich war komplett im falschen Kar aufgestiegen. Gegenüber war bereits das Gipfelkreuz zu sehen. Auch der Anstieg durch das Fidaskar hoch bis zur Scharte (Bild unten, roter Pfeil), dann von Norden hinauf zum Gipfel.

Allerdings musste ich erst einmal hinab ins Fidaskar gelangen. Dies war im weichen Schnee möglich, ich war jedoch mehr als froh, dass ich meinen Pickel dabei hatte. Stellenweise war es sehr steil. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Abstieg im Sommer so gut möglich wäre. Zumindest wahrscheinlich nicht so, wie ich gegangen bin. Ich habe mich immer recht weit links an den Felsen gehalten, um später nicht zu viel Höhe zum Normalweg zu verlieren.
Wie sich später aus einem anderen Blickwinkel zeigte, wäre ein Weiterweg direkt am Grat auch nicht sinnvoll gewesen. Hier zeigten sich doch einige etwas anspruchsvollere Kletterpassgen.

Blick hinunter ins Fidaskar mit dem richtigen Aufstiegsweg
Blick hinunter ins Fidaskar mit dem richtigen Aufstiegsweg"

Unten fand ich recht schnell wieder die Markieungen vom Normalweg. Dieser schlängelte sich nun am Karende immer steiler werdend hinauf zu einer Scharte. Von dort aus war der Gipfelbereich einsehbar. Den Gipfel des Zwieselbacher Roßkogels erreichte ich erst kurz nach 13 Uhr - also viel später als es eigentlich hätte dauern dürfen. Mein Verhauer kostete einige zusätzliche Höhenmeter und öfteres Nachschauen auf der Karte. Und ich war noch nicht so richtig fit. Das Gehen und Einsinken im Schnee war anstrengend, die Höhe machte sich ebenfalls bemerkbar.

Zwieselbacher Roßkogel Blick vom Zwieselbacher Roßkogel zur Schweinfurter Hütte und nach Niederthai
links: Zwieselbacher Roßkogel
rechts: Blick vom Zwieselbacher Roßkogel zur Schweinfurter Hütte und nach Niederthai

Leider hat das Wetter nicht besonders gut gehalten. Am Gipfel war es kalt und windig, so dass ich mich relativ schnell wieder an den Abstieg machte. Mir graute es sehr vor der langen geschlossenen Schneedecke im Fidaskar, da ich nun um diese Zeit mit einer überaus weichen Schneedecke rechnete. Allerdings war es (Gott sei Dank) überall so steil, dass man entweder abfahren oder prima ablaufen konnte. Das starke Einsinken war so (wie üblich) kein Problem mehr. Nach nicht einmal einer Stunde war wieder ich wieder 1000m tiefer an der Schweinfurter Hütte.

Fazit

Im Nachhinein zwar trotzdem eine sehr schöne Tour, allerdings sind solche Verhauer immer etwas ärgerlich. Der Übergang durch die Rinne und der zusätzliche Abstieg in das Fidaskar hätten ebensogut nicht möglich sein können. Außerdem krazt es natürlich am Ego, wenn man sich bei solchen Touren so komplett versteigt. ;-)

Im Sommer stelle ich mir den Anstieg durch das Fidaskar, sofern warme Temperaturen herrschen, sehr unangenehm vor.

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